LUXEMBURG
JAN SÖFJER

Vor fünf Jahren haben drei Freunde die Musikbar „de Gudde Wëllen“ eröffnet:Zeit, die Entstehungsgeschichte zu erzählen - bevor gefeiert wird

Vielleicht gäbe es den Musikclub „de Gudde Wëllen“ nicht ohne den Jugendraum im Keller der Schule von Tüntingen. Anfang der 2000er Jahre organisiert Luka Heindrichs (32) als Teenager dort erste Konzerte. Ein paar Jahre später gründet er das Food For Your Senses-Festival für Musik und Kunst mit, später managt er es. Seine Jugendfreunde Ben Thommes und Jaakes Hoffmann wirken auch mit.

Nach dem Food For Your Senses-Festival im August 2014 kommt ein Bekannter auf die drei zu. Er erzählt ihnen, dass ein neuer Betreiber für den Musikclub in der Luxemburger Oberstadt, der lange unter dem Namen d:qliq bekannt war, gesucht werde. Das Altbauhaus in der Rue du Saint Esprit unweit des Parlaments hat Charme. Unten gibt es eine Bar, oben befindet sich ein kleiner Saal für Konzerte. „Wir waren oft dort, es war ein angesagter Ort“, erinnert sich Luka. Er und seine Freunde Ben und Jaakes sind Mitte beziehungsweise Ende 20. Ein gutes Alter, um etwas eigenes aufzubauen. „Wir wollten dort wieder einen Ort etablieren, der alternative Kultur mit einem Club und einer Bar kombiniert“, sagt Luka. „Allerdings hatten wir wenig Erfahrung darin, einen Laden mit einem regelmäßigen Programm zu führen. Das ist etwas anderes, als nur mal ein Konzert zu organisieren.“

Gute Voraussetzungen

Dennoch bringen die drei gute Voraussetzungen mit. Luka Heindrichs hat Betriebswirtschaft studiert und kümmert sich um das Management und die Programmplanung. Jaakes Hoffmann ist der Experte für Eventtechnik und besitzt eine eigene Firma dafür und Ben Thommes kommt aus der Gastronomie und leitet die Bar im Erdgeschoss. Sie werden sich mit dem damaligen Betreiber einig und übernehmen den Mietvertrag mit der Verwaltung der öffentlichen Bauten, der das Gebäude gehört.

Es ist September 2014. Nun geht alles sehr schnell. Im Oktober und November renovieren sie und bauen eine neue Bühne. Am 3. Dezember, einem Mittwoch, wollen sie eröffnen. Sie haben schon einen Künstler gebucht, Cosmo Sheldrake aus England. Doch im November haben sie immer noch keinen Namen gefunden. „Das d:qliq kannte jeder. Wir wollten einen ganz anderen Namen, etwas Ungewohntes, damit es nicht heißt, man gehe ins alte d:qliq“, sagt Luka. Eines Tages stehen sie vor der Tür und denken nach - ohne Erfolg. Da sagt Heindrichs: „Mat e bësse guddem Wëlle klappt dat do.“ Die Formulierung „de gudde Wëllen“ geht ihnen nicht mehr aus dem Kopf. Obendrein heißt es nicht nur „der gute Willen“, sondern auch „der gute Wilde“, was an den französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau erinnert und sein Konzept, dass der Mensch ohne Bande der Zivilisation von Natur aus unverdorben und gut sei.

Mit Sturm und Drang

„Das ,de Gudde Wëllen‘ ist ein persönlicher Ort, an dem jeder willkommen ist, ohne viel Schnickschnack, aber trotzdem mit Trieb nach vorne, mit Sturm und Drang“, sagt Luka. Er gibt Künstlern eine Bühne, „die etwas zu erzählen haben“. Er will nicht alles „auf die Bühne knallen“, sondern sucht sich die Sachen „sehr akribisch aus“. Bei den Konzerten sind es oft neuere, internationale Indie-Künstler und Bands, die touren. Ins „Gudde Wëllen“ kommen auch Bands, die weit mehr Zuschauer anziehen würden als die 80 Personen, welche in den kleinen Saal passen. „Aber die Leute spielen gerne hier. Die Technik ist gut. Die Show schnell ausverkauft und sie sind mit der Gastfreundschaft zufrieden.“ Familiär ist auch der Backstage-Raum im zweiten Stock, eine Mischung aus 60er-Jahre Wohnraum und WG-Zimmer. Lukas Frau hat ihn eingerichtet.

Geburtstagsparty am 7. Dezember

Pro Woche gibt es zwei bis vier Konzerte, dazu Theater, Lesungen, Standup-Comedy, Dokufilme, politische Diskussionen und Fotoausstellungen. Am Wochenende läuft im Club alles von Funk über Hip Hop bis zu House. Einmal im Monat ist eine Technoparty im Keller. Der wird auch bei der Geburtstagsparty am 7. Dezember geöffnet sein. Ein halbes Dutzend DJs legt auf allen drei Etagen auf. Dazu spielt der französische Künstler Mezerg eine Live-Elektrosound-Show mit elektronischem Klavier, Synthesizer, Schlagzeug und einem Theremin - einem Musikinstrument, das ohne Berührung über ein elektromagnetisches Feld gespielt wird.

Luka ist immer auf der Suche nach etwas Neuem. „Man muss das Programm immer wieder in Frage stellen, sich
immer wieder erneuern, um weiterhin Gäste zu finden.“ Sein Kollege Ben sagt: „Der Laden ist ein Teil von uns geworden, unser Baby.“

www.deguddewellen.lu