LOS ANGELES

Oscar-Koch Wolfgang Puck über das große Film-Dinner in L.A.

Wolfgang Puck ist der Koch der Hollywoodstars. Bereits zum 19. Mal in Folge wird der gebürtige Österreicher am Sonntagabend (Ortszeit) nach der Oscar-Gala rund 1.500 Gästen beim „Governors Ball“ das offizielle Oscar-Dinner servieren. Fast 1.000 Köche, Kellner und Barkeeper werden dabei im Einsatz sein. Puck betreibt international rund 80 Restaurants, darunter auch das berühmte „Spago“ in Beverly Hills, und beschäftigt rund 5.000 Mitarbeiter. Mit dem 63-Jährigen sprach dapd-Korrespondentin Marina Antonioni in Los Angeles.

Herr Puck, was erwartet die Hollywoodstars in diesem Jahr beim Oscar-Dinner?

Wolfgang Puck Es wird eine lustige Party sein mit 35 verschiedenen Gerichten, die alle auf kleinen Tellern serviert werden. Die Sitzmöglichkeiten sind frei, wenn also zum Beispiel Tom Cruise kommt, kann er mit Steven Spielberg sitzen oder mit jemand anderem. Oder George Clooney und Ben Affleck - die können sich einfach mit ihren Freunden zusammensetzen, ohne dass vorher schon festgelegt ist, an welchen Tischen sie sind. Gerade die jüngeren Hollywoodstars mögen es nicht mehr so formell, sondern eher informell.

Auf welche Gerichte dürfen sie sich freuen?

Puck Wir haben bei den Hauptspeisen zum Beispiel ein Chicken Pot Pie, das ist eingemachtes Huhn in Blätterteig, wir haben Kastanientortellini, Kobe-Steak, gebackene Kartoffeln mit Kaviar, einen chinesischen Fisch, Hummer mit schwarzen Bohnen und Knoblauch, Lammkotelettes und natürlich vegetarische Gerichte wie Risotto mit schwarzen Trüffeln und Champignons. Es ist für jeden etwas dabei.

Und das sind nur die Hauptspeisen. Bei den Vorspeisen gibt es zum Beispiel Thunfisch-Tartar, Mini-Kobe-Hamburger oder geräucherten Lachs mit Kaviar. Und natürlich gibt es zum Dessert auch viele kleine Mehlspeisen wie Schokoladensoufflé.

Sie sind nun schon zum 19. Mal für das offizielle Oscar-Dinner verantwortlich. Würden Sie sagen, dass die Hollywoodschauspieler heute mehr oder weniger essen als früher? Achten sie noch mehr auf ihre Figur?

Puck Grundsätzlich ist es immer so beim Oscar-Dinner: Die Stars haben ja den ganzen Tag nichts gegessen, zum Frühstück vielleicht eine Tasse Tee mit einem Toast. Vor allem die Frauen müssen das Make-up machen, zum Frisör gehen und um vier Uhr am Nachmittag dann schon im Theater sein. Die Gala dauert dreieinhalb Stunden, da bekommt man dann auch nichts zu essen. Und nachher - gegen neun, halb zehn am Abend - haben alle Hunger, ob es nun Barbra Streisand ist, Kate Winslet, Natalie Portman oder George Clooney. Die haben alle Hunger, die essen alle.

Gibt es trotz der vielen verschiedenen Gerichte immer auch noch Sonderwünsche der Hollywoodstars in der Oscar-Nacht?

Puck Ja, es gibt immer besondere Wünsche. Aber ich glaube, wir sind auf alles vorbereitet. Ich habe dem Christoph Waltz schon gesagt: Wenn er den Oscar gewinnt, mache ich ihm ein Wiener Schnitzel, kein Problem.
Sie kochen ständig für Filmschauspieler, sind Sie vor so einem Abend überhaupt noch nervös?

Puck Eigentlich nicht, denn ich habe so ein gutes Team. Das ist eine gut organisierte Mannschaft, manche sind schon seit 20 Jahren bei mir. Wir haben am Oscar-Abend zwei große Küchen, der Speisesaal liegt dazwischen. Und insgesamt sind ungefähr 300 Köche und 600 Kellner und Barkeeper im Einsatz.

Würden Sie sagen, dass Schauspieler schwierigere Gäste sind als nicht-prominente Gäste?

Puck Nein, ich kenne die meisten Leute schon seit vielen Jahren. Die kommen zu uns, weil sie wissen, was sie bekommen. George Clooney mag zum Beispiel gern unser Cote de Boeuf, das ist ein Rindfleisch mit einem Knochen drin. Kate Winslet oder Natalie Portman fragen immer: Welchen Fisch hast du heute da? Tom Cruise mag Kobe-Steaks.

Und Sidney Poitier kommt dreimal in der Woche zum Mittagessen. Ich mache ihm dann einen Fisch und Salat, etwas Einfaches, weil er gesagt hat, er muss aufpassen, was er isst, weil er nicht mehr so jung ist.

Haben Sie es diesmal geschafft, einen der nominierten Filme anzuschauen?

Puck Ich habe noch nicht einmal einen gesehen. Aber nach der Oscar-Nacht nehme ich ein paar Tage frei und dann schaue ich hoffentlich ein paar an - wenigstens die, bei denen ich die Leute kenne, die etwas gewonnen haben.

Werden Sie eigentlich während der Verleihung informiert, wer gewonnen hat?

Puck Ja, wir haben einen Fernseher in meiner Küche. Aber trotzdem - die meiste Zeit schaue ich nicht viel, nur am Ende wegen des Timings, damit ich weiß, wie wir in der Zeit sind.

Wie viele Hummer liegen am Oscar-Abend bereit?

Puck Wir haben 500 Kilo Hummer, 800 Steaks vom Kobe-Rind, 20 Kilo Kaviar, 30 Kilo schwarzen Trüffel, es sind schon eine Menge verschiedene Sachen. Und was davon übrig bleibt, das geben wir immer an die „Los Angeles Foodbank“ für obdachlose Menschen. Um Mitternacht kommen sie mit einem Lastwagen, wir packen alles ein, und so können sie auch essen wie die Filmschauspieler.

Werden traditionell auch wieder Ihre Schoko-Oscars mit Goldstaub verteilt?

Puck Ja, 5.000 Stück werden am Ende vom Essen verteilt. Früher haben wir sie noch aufs Dessert gestellt, da haben die Leute sie dann immer in die Taschen getan. Jetzt packen wir sie schon vorher ein zum Mitnehmen. So können auch die Leute, die nichts bekommen haben, sagen: Ich habe einen Oscar gewonnen.

Ein ganz anderes Thema: In Deutschland und Europa sorgt gerade der Pferdefleisch-Skandal für Aufregung. Haben Sie davon gehört?

Puck Ja, ich habe das gehört. Am Ende ist es immer das Problem mit Hackfleisch, denn da können sie rein tun, was sie wollen. In Amerika sage ich jedem: Wir kaufen das Fleisch und verarbeiten es selbst, da wissen wir genau, was drin ist. Wir sagen jedem, wir sind nicht die Billigsten, wir wollen die Besten sein. Und das Beste kostet immer Geld.Dapd