LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Eigentlich würde die grassierende und, infolge der langen Inkubationszeit, immer noch schwer nachvollziehbare Verbreitung des Corona-Virus vollständig ausreichen, um für Entnervung, Verärgerung, Besorgnis bis hin zu echter Existenzangst in breiten Bevölkerungskreisen zu sorgen. Was mit Einzelfällen in zunehmend zahlreichen Ländern begonnen hatte, entwickelte sich innerhalb weniger Wochen zur öffentlich ausgerufenen Pandemie, die infolge des weltumspannenden Reiseverkehrs, mittlerweile auf alle Kontinente übergegriffen hat. Nach anfänglichem Zögern schwenken immer mehr Regierungen ein auf eine Linie extremer Vorsicht, die in erster Linie eine weiterhin ungebremste Ausweitung des Problems unterbinden soll. Die nächsten Wochen werden zeigen müssen, ob die weitgehende Einschränkung der sozialen Kontakte die erhoffte Einschränkung zeitigen kann.

Derweil also verantwortliche Politiker und Vertreter relevanter ziviler Vereinigungen von Kultur über Sozialwesen bis Sport, ganz sicher nicht aus reinem Spaß an der Freud, starken Einschränkungen in quasi allen Bereichen des Gemeinwesens zugestimmt haben, feiert im Kleinen der ganz banale und rücksichtslose Egoismus fröhliche Urständ. Nach Deutschland ist auch Luxemburg seit Mitte der vergangenen Woche Opfer eines, rascher noch als der Corona-Virus selbst um sich greifenden Übels geworden, das sich nur als Raffgier charakterisieren lässt.

In den letzten Tagen wurden in der Tat sämtliche Supermärkte des Landes regelrecht ausgeplündert, so als sei ein Krieg ausgebrochen und man könne auf längere Zeit nicht wissen, was die Zukunft bereithält. Allen Beteuerungen von Handelsketten und -verbänden zum Trotz, dass keinerlei Lieferengpässe zu befürchten seien, wurden bergeweise vor allem länger haltbare Lebensmittel und Artikel des täglichen Gebrauchs - drei- und vierlagiges Klopapier in allererster Linie - gehamstert wie zu schwersten Notzeiten. Das rücksichtslose „Ich“ feiert beängstigende Triumphe über das vernünftigere „Wir“, das in solchen Zeiten höchste Priorität genießen müsste.

Nicht wirklich verwundern kann andererseits, dass der bei US-Präsident Donald Trump infolge indirektem Kontakt zu einem aus Brasilien in die USA eingereisten Virusträger unternommene Corona-Test angeblich negativ verlaufen ist: Auch ein Virus hat seinen Stolz und treibt sich nicht auf den untersten Stufen des Intellektes herum. Der eigenwillige, offenbar immer stärker eingeschränkte US-Präsident hatte anfangs nicht nur, um eigene Fehler und Versäumnisse zu kaschieren, allen erdenklichen Verursachern die Schuld am Ausbruch der Pandemie in den Vereinigten Staaten zugewiesen, sondern auch die US-Bürger als quasi Corona-resistent proklamiert.

Als abscheulich und entwürdigend erwies sich gestern der Versuch von Trumps Regierung, ein in Tübingen ansässiges, bei der Entwicklung eines Impfstoffes offenbar erfolgreiches Forschungsinstitut quasi nach USA zu übersiedeln und das Serum exklusiv für die amerikanische Bevölkerung zu reservieren. Da bedauert man dann schon wieder die Virusresistenz des PotUS.