LUXEMBURG
GEORGES METZ, DIREKTOR DES "SERVICE NATIONAL DE LA JEUNESSE"

Der „Service national de la jeunesse“ (SNJ) hat unter anderem als Aufgabe pädagogische Aktivitäten für Kinder und Jugendliche zu organisieren: thematische Angebote für Jugendgruppen aber auch die Unterstützung Jugendlicher beim Übergang in die Arbeitswelt und die Verbesserung der Qualität bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Wie beeinträchtigt die Pandemie diese Missionen eigentlich? Das haben wir vor dem „International Youth Day“ am 12. August Georges Metz, den Direktor des SNJ, gefragt.
„Auch für uns war es ein ziemlich radikaler Umbruch. Quasi über Nacht mussten Arbeitsweisen umgekrempelt werden, sowohl intern als auch bei der Arbeit mit den Jugendlichen. Leider mussten auch eine Menge Veranstaltungen und Aktivitäten abgeblasen werden. Aber mittlerweile werden sie wieder hochgefahren – unter strikten Bedingungen  versteht sich. Ein Highlight im Sommer sind  die großen Feriencamps wie das in Erpeldingen, an dem gut und gerne 120 Jugendliche teilnehmen. Das haben wir jetzt aufgeteilt mit einem Teilnahmelimit von 50 und kleinen, getrennten Gruppen, damit im Falle einer Ansteckung schnell gehandelt werden kann. Zum sanitären Konzept gehört natürlich auch die Ausbildung des Betreuungspersonals, die neben dem Erklären der Regeln auch ein pädagogisches Volet beinhaltet: wie vermittle ich Jugendlichen etwa die Barrieregesten?  
Unsere Aktivitäten für Jugendliche zwischen Schule und Arbeit wurden auch im Lockdown bestmöglich fortgesetzt und wir sind jetzt auf Kurs, sie wieder voll anbieten zu können. Die große Herausforderung war und ist es, den Kontakt mit den Jugendlichen zu halten, um sie weiterhin gut zu begleiten und ihnen durch die Förderung ihrer Kompetenzen Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Das ist insbesondere in Bereichen wie der Transition in die Berufswelt wichtig. Wir begleiten im Durchschnitt zwischen 170 und 300 Jugendliche monatlich zum Beispiel in den praktischen Ateliers und im nationalen und internationalen Freiwilligendienst.  
Parallel zu diesen Bemühungen hat das SNJ während des Lockdowns maßgeblich bei mehreren Informationsangeboten mitgewirkt, wie etwa www.kannerdoheem.lu mit vielen Ideen, um sich zuhause zu beschäftigen, im Bereich Jugend der „Aktiv Doheem“-Initiative des Sportministeriums oder beim Angebot pädagogischer Aktivitäten in Corona-Zeiten auf www.enfancejeunesse.lu. Wir feilen derzeit an einer Informationskampagne in Zusammenarbeit mit Jugendorganisationen und Jugendhäusern, die ab dem 15. August auch in den sozialen Medien laufen wird.
Unsere Einstellung ist heute, dass wir mit dem Virus leben und uns deshalb anpassen müssen. Wir werden auf jeden Fall möglichst keine Veranstaltungen mehr verschieben sondern sie gemäß den bestehenden Regeln anpassen. Generell denke ich, dass die Jugendarbeit besonders auch vor dem Pandemie-Hintergrund immer wichtiger wird da sie Jugendlichen soziale Kontakte in einem geregelten Rahmen ermöglicht. Denn Covid-19 bringt neben den sanitären Problemen eine ganze Reihe weiterer Herausforderungen. So macht die Wirtschaftskrise den Einstieg ins Berufsleben sicher nicht einfacher. Auch das Studentenleben ist wegen der Reisebeschränkungen schwieriger geworden. Insgesamt belastet die Situation Heranwachsende mehr als Erwachsene. Jugendliche müssen erst ihre Anhaltspunkte im Leben finden. Es ist deshalb etwa ganz normal, dass sie Parties, Discos und andere Events vermissen, denn bei solchen bilden sie ihren Freundeskreis. Das alles wird durch die sanitären Regeln erschwert. Wir tun unser Möglichstes, damit es trotzdem unter den besten Bedingungen stattfinden kann.“