LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

30 Jahre „Initiativ Rëm Schaffen“ - Wie sich der Arbeitsmarkt verändert hat

Dreißig Jahre Bestehen hat unlängst „Initiative Rëm Schaffen“ gefeiert. Die einst vom hauptstädtischen Schöffen Willy Bourg (CSV) gegründete Vereinigung mit dem Ziel, Frauen nach einer Familienpause auf ihrem Weg zurück in den Arbeitsmarkt zu begleiten, hat auch weiterhin alle Hände voll zu tun. Im Dachgeschoss des „Centre sociétaire“ an 110, avenue Gaston Diederich, einer Adresse, an der neben den lokalen Pfadfindern unter anderem auch die psycho-sozialen Dienste der Stadt Luxemburg untergebracht sind, treffen wir „Rëm Schaffen“-Verwaltungsratspräsidentin Claudine Konsbruck und die Direktionsbeauftragte Marceline Filbig, die mit ihren beiden Mitarbeiterinnen Arbeitssuchende berät, gemeinsam mit der Arbeitsagentur Weiterbildungen für sie organisiert - etwa für Positionen wie Arzthelferinnen oder Sekretärinnen in Anwaltskanzleien - und Seminare und Konferenzen über den Arbeitsmarkt veranstaltet.

„Das Alter ist ein großes Problem“

Letzterer bleibt für viele schwierig erreichbar. „Als „Initiativ Rëm Schaffen“ 1989 gegründet wurde, lag die Arbeitslosenquote bei 2 Prozent. Heute liegt sie bei 5,4 Prozent und die Herausforderungen sind viel komplexer geworden“, erklärt Marceline Filbig.

Mehr Menschen stehen in prekären Arbeitsverhältnissen, mehr haben Schwierigkeiten, mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt zu halten.

Auch die Zahl der so genannten „Working poor“ - Arbeitnehmer, die trotz regelmäßigem Gehalts am Ende des Monats die Enden nicht beieinander bekommen - steigt. Wer krank wird und reklassiert werden muss, sieht hohen Hürden entgegen, eine andere, feste Stelle zu bekommen. „Das Alter ist schon ein großes Problem“, weiß Marceline Filbig. Wer mit über 50 seine Arbeit verliert, hat begrenzte Chancen auf eine neue. Zum psychologischen Schock - „nach dem Stellenverlust findet immer eine Trauerarbeit statt, die sich mehr oder weniger lange hinziehen kann“, so Filbig - gesellen sich meist schnell finanzielle Probleme hinzu.

Schock, Trauer und Existenzangst

Wer bislang an einen gewissen Lebensstandard gewohnt war, muss in der Arbeitslosigkeit Abstriche machen. Manchmal stellt sich eine Existenzangst ein, die schwer hemmt.

Die „Rëm Schaffen“-Direktionsbeauftragte rät den Betroffenen, sich nicht davon überwältigen zu lassen und schnell Hilfe zu suchen. Nach einem Gespräch mit Fachleuten für die Arbeitsmarktintegration sehe die Welt meist schon anders aus, weiß Filbig, die mit ihrem Team rund 700 bis 800 Beratungsgespräche im Jahr führt - in der Hauptstadt, aber auch in Ettelbrück und Esch-Alzette, wo die Vereinigung regelmäßig Sprechstunden abhält. Im Dialog mit den „Kunden“ - wie die Direktionsbeauftragte die rund 350 Hilfesuchenden nennt, die sich im Jahr melden - geht es um ihre Lage und ihre Bedürfnisse, aber auch um die Auffrischung oder Ergänzung ihrer Kompetenzen und die Perspektiven, die sich bieten.

„Aktionsplan“ statt Trübsal

Auf der Grundlage dieses Gesprächs wird dann ein „Aktionsplan“ erstellt, der verschiedene Maßnahmen beinhaltet - von der Erstellung eines Lebenslaufs bis zur Teilnahme an einer Fortbildung, die meist mit einem Praktikum gekoppelt ist. Die vom Arbeitsministerium ko-finanzierte „Initiativ Rëm Schaffen“, die eng mit der ADEM aber auch mit dem Chancengleichheitsministerium zusammenarbeitet, begleitet den Prozess.

„Manche finden sich mit ihrem Aktionsplan gut zurecht, andere brauchen sehr viel Beratung und Unterstützung“, erzählt Marceline Filbig. „Jeder kann sich melden“, unterstreicht sie. Und was das früher in der Arbeitslosigkeit passiert, was „Rëm Schaffen“ und ihre Partner besser helfen können.
Mehr: www.remschaffen.lu