LUXEMBURG
NATALIA SLIOUTOVA

In „Hellblade“ bist Du Dein größter Feind

Ninja Theory bringt mit Hellblade ein Spiel auf den Markt, das sich durch eine außergewöhnliche Geschichte und einmalige Herangehensweise auszeichnet. Die Protagonistin Senua wird auf ihrer Reise durch eine düstere und verstörende Welt von ihrer Psychose - die sich durch Halluzinationen und körperlose Stimmen manifestiert - auf die Probe gestellt. Realität und Illusion vermischen sich und kreieren dabei eine Welt, die für Senua wie auch für den Spieler zu einer beängstigten Wirklichkeit wird. Die Stimmen, die Senua konstant verfolgen und ihr Vorankommen kommentieren - manchmal höhnisch, manchmal hilfsbereit - sollen den Alltag einer Person mit Psychose verdeutlichen und dem Spieler das Gefühl geben, verfolgt zu werden.

Alles eine Sache der Perspektive

Das Spiel folgt der keltischen Kriegerin Senua durch die kriegsverwüsteten Länder der Nordmänner , wo sich ihr zahlreiche Aufgaben und Gegner in den Weg stellen. Dabei kommt es ihr zugute, dass sie die Welt um sich herum anders als „normale“ Menschen wahrnimmt. Manche Wege sind durch Runen geschützt, die durch Fokussierung sichtbar werden und dann in der Natur wiedergefunden werden müssen. Je näher Senua einem Naturzeichen kommt, desto verzerrter wird ihre Sicht und die jeweilige Rune zeigt sich durchsichtig auf dem Bildschirm. Andere Puzzles führen die Kriegerin in eine höllische Geisterwelt, wo Monster und Götter Wirklichkeit werden, und mit Kraft und Tücke besiegt werden müssen. Jedoch ist es zu keinem Zeitpunkt wirklich klar, ob die Geistergestalten, genauso wie die Spielwelt, tatsächlich existieren oder bloß ihren Ursprung in Senuas Selbstzweifel und Depression finden. Von einem Augenblick auf den anderen verwandelt sich eine ganz normale Landschaft in einer feurige Hölle. Sobald man jedoch durch ein Tor läuft, verschwindet das Feuer von einer Sekunde auf die andere und alles sieht wieder normal aus. Im Übrigen sollte man, laut Ninja Theory, darauf verzichten, zu oft zu sterben, denn dann heißt es „Aus die Maus“ für die gespeicherten Spieldaten und man steht wieder ganz am Anfang des Abenteuers. Im Spiel wird diese Mechanik durch die Verderbnis visualisiert, die sich in Senuas Arm befindet und sich mit jedem Tod immer weiter im Körper ausbreitet. Wenn sie einmal den Kopf erreicht hat, erfolgt der endgültige Tod, der auch gleichzeitig Senuas Scheitern über ihre inneren Dämonen symbolisiert.

Kurz aber knackig

Obwohl Hellblade mit über etwa acht Stunden auf dem schwierigsten Level zu den eher kürzeren Spielen gehört, ist es alles andere als leicht oder langweilig. Die Macher haben sehr viel Wert auf Qualität statt auf Quantität gelegt und das zahlt sich definitiv aus. Die Grafik kann es ohne Weiteres mit anderen „AAA“-Titeln wie „The Witcher 3“ aufnehmen und keine Höhle oder Ruine gleicht der anderen. Die Kampfmechanik ist auch ohne Tutorial schnell erlernt und fühlt sich sehr realistisch an. Zudem bietet sie eine nette Abwechslung zu den zahlreichen Puzzles.

Erhältlich für PC und PS4 für 30 Euro.