LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Vom Au-pair zur Direktorin des Hilton-Hotels schaffte es Janine Kemp

In der Lobby des „Hilton Double Tree“ in Dommeldingen steht eine strahlende Hoteldirektorin. Janine Kemp freut sich, dass sie seit gut drei Monaten das Vier-Sterne-Haus leitet. „Das Publikum hier ist viel anspruchsvoller als in Paris“, erzählt sie. Kemp gefällt es in Luxemburg so gut, dass sie hier bleiben will. Zusammen mit ihrem Mann hat sie schon ein Haus gekauft. Dabei war Paris eigentlich ihre erste Wahl - vor vielen Jahren.

Zweimal Zwillinge

Kemp wuchs in Niedersachsen auf, im Norden Deutschlands bei Wolfenbüttel. „In unserer Familie gab es zweimal Zwillinge. Ich habe eine Zwillingsschwester. Mit der bin ich nach dem Abitur als Au-pair-Mädchen nach Paris gegangen“, erzählt sie. Den Zwillingsschwestern gefiel das Leben an der Seine ganz gut - besonders, als sie bei einem Spaziergang entlang der Seine auf zwei Franzosen trafen - ebenfalls Zwillinge. Die Stadt der Liebe wurde ihrem Titel gerecht und die Schwestern beschlossen, in Paris zu bleiben.

„Ich habe dann in einem Restaurant namens ,Hippopotamus‘ als Bedienung gearbeitet“, erinnert sich Kemp. Als das Hotel gegenüber ihrer Wohnung ein Zimmermädchen suchte, meldete sich die junge Deutsche. „1997 fing ich dort an, stieg aber schnell zur Rezeptionistin, zur Chefrezeptionistin und schließlich zur Direktorin des Hotels ,Chateaubriand‘ nahe den Champs-Elysée auf“, beschreibt sie ihre Karriere. Die Beziehung zu ihrem französischen Freund war beendet. Und als die Hotelgruppe Accor Kemp ein Angebot für die Leitung des Mercure Hotels im Kikuoka Golf Club machte, sagte sie zu und zog aus der französischen Hauptstadt ins ruhige Canach aufs Land.

„In dieser Zeit habe ich das Leben in Luxemburg schätzen gelernt. Die Luxemburger sind viel freundlicher als die Pariser“, findet die Managerin. Aber auch privat stellte sich das Glück ein. Kemp lernte ihren heutigen Mann kennen. Sie bekam eine Tochter - und die nächste Karrieremöglichkeit. 2011, nach sieben Jahren, wechselte sie zu einer anderen Hotelgruppe und übernahm die Leitung des „Holiday Inn“ am Pariser Gare de L’Est. „Das war eine tolle Herausforderung. In Paris ist die Preisgestaltung sehr dynamisch und die Konkurrenz hoch. Rund 70 Prozent unserer Kunden haben über Internet gebucht“, berichtet die Hoteldirektorin. „Gleichzeitig war es sehr anstrengend, drei Jahre lang jeden Tag morgens mit dem Zug nach Paris zu pendeln und abends zurück.“

Karrierestufe Hilton

Als dann das Angebot kam, das Hilton Double Tree in Dommeldingen zu leiten, musste Kemp nicht lange überlegen. „Es ist großartig, hier geht es um Qualität, Strategie, und eine treue, anspruchsvolle Kundschaft. Darüber hinaus hat das Haus mit vier Sternen auch online gute Bewertungen. Die zu halten ist eine Verpflichtung“, findet die Selfmade-Managerin. Zwischen den Kunden im ruhigen Luxemburg und jenen am Pariser Bahnhof lägen Welten. „Das Hilton spricht angelsächsische Kunden an, die das Humane suchen“, erklärt Kemp.

Sie freut sich vor allem, dass sie mehr Zeit für ihre Familie hat. Tochter Lou ist eineinhalb Jahre alt und sieht ihrer Mutter sehr ähnlich. „Außerdem mache ich regelmäßig Sport und gehe laufen“, versichert die 40-Jährige. Dann ist da noch das Haus, das renoviert wird und die Zwillingsschwester, die in Paris geblieben ist und dort eine Familie gegründet hat. „Sie ist auch im Hotelfach - obwohl das eigentlich überhaupt nicht so geplant war“, sagt Kemp.

Die Managerin freut sich, in Luxemburg zu sein. „Die Lebensqualität hier ist wirklich gut. Es ist wunderschön und nicht so hektisch. Das ist für mich - zumindest in diesem Lebensabschnitt - sehr wichtig.“ Dann ist die Mittagspause vorbei. Kemp kümmert sich um ihre rund 90 Mitarbeiter, 235 Zimmer und etliche Kunden. Ein spannender Tag geht weiter. Am Abend wartet die Familie. Ein Au-pair aber will Kemp nicht. Sie ist froh, dass ihr Mann und sie genug Zeit für die Tochter haben.