LUXEMBURG
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Petition 1188 über die Reduzierung der Steuerlast für Junggesellen in der „Chamber“

Die Autoren der Petition 1188 rannten bei Finanzminister Pierre Gramegna ziemlich offene Türen ein. „Sie haben vollkommen Recht, dass die Besteuerung der Junggesellen sehr nachteilig ist im Vergleich mit jener von Verheirateten“, sagte der DP-Politiker am Ende der Debatte gestern Nachmittag im Parlament über das Begehren für eine Reduzierung der Steuerlast für Junggesellen, das 6.800 Unterschriften hatte sammeln können und somit in der „Chamber“ diskutiert werden musste.

Als 33. Petition übrigens, die das Limit von 4.500 Unterschriften, ab dem Debattenpflicht besteht, überschritt. Einer Annahme der Petition teilt der Finanzminister allerdings nicht, nämlich jene dass Luxemburg eines der Länder in Europa ist, in dem Junggesellen die meisten Steuern zahlen.

Tiefe Kluften

Während in Luxemburg der Durchschnittssatz bei 38,2 Prozent liegt, liegt er in Belgien bei 52,7 Prozent, in Deutschland bei 49,5 Prozent und in Frankreich bei 47,6 Prozent. Der OECD-Durchschnitt beträgt indes 36,1 Prozent.

Die Petitionäre beruhigte das allerdings nicht. Denn der Durchschnittssatz in Luxemburg bei verheirateten Paaren liegt bei 17 Prozent. Der große Unterschied wird noch deutlicher bei den konkreten Beispielen, die Gramegna anführte.

Bei einem Jahreseinkommen von 50.000 Euro muss ein Paar, bei dem ein Mitglied arbeitet, 6,42 Prozent abgeben, ein Junggeselle 18,2 Prozent. Bei 80.000 Euro sind es für das Paar 13,46 Prozent und 26 Prozent für den Junggesellen.

Um diese Kluften zu reduzieren hatten die Petitionäre um Giancarlo Sartori und Daniel Wiesenmeyer ein paar Modelle mitgebracht, die sie vor den Abgeordneten anrissen.

Einerseits die Individualisierung der Besteuerung. Zweitens die Berechnung so genannter „unités de consommation“, durch die das besteuerbare Einkommen geteilt werden solle, um den Satz zu errechnen und drittens Deckelbeträge für Steuervorteile in deren Genuss verheiratete Paare kommen können. Die Petitionäre hatten auch eine Verallgemeinerung der Steuerklasse 2 gefordert, was der Finanzminister allerdings nicht „logisch“ findet, da dadurch neue Ungleichheiten entstehen würden.

Pierre Gramegna erinnerte daran, dass bereits mit der Steuerreform von 2016 die Möglichkeit einer Steuerindividualisierung eingeführt wurde und die Regierung derzeit einen Systemwechsel vorbereite, mit dem dieses Prinzip verallgemeinert wird. „In Zukunft wird es also überhaupt keine Steuerklassen mehr geben“, führte der Minister aus, „sondern eine neutrale Steuertabelle, die die Einkünfte unabhängig von der familiären Situation betrachtet“.

Steuerrecht ins 21. Jahrhundert bringen

Mit seinem Steuersystem sei Luxemburg übrigens heute eine Ausnahme in Europa. „Es ist wichtig, dass wir diesen Schritt machen, um unsere Steuerrecht ans 21. Jahrhundert anzupassen“, meinte Pierre Gamegna.

Viele der Probleme, welche die Petitionäre aufwerfen, würden durch diesen Paradigmenwechsel gelöst, zeigte er sich überzeugt. Kommen soll er übrigens „in naher Zukunft“. Er sei jedenfalls „gespannt, wie das in der Praxis aussehen wird“, bemerkte Petitionär Sartori.