LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Industrie sucht Jugendliche - FEDIL stellt Studie darüber vor, wen Unternehmen wollen

Für die FEDIL-Verantwortlichen ist klar: Personal ist die größte Sorge der Industriebetriebe im Land. Und es gibt dort jede Menge Chancen. Am Donnerstag stellte der Branchenverband eine Umfrage unter Mitgliedsunternehmen vor, in der diese angeben, wen sie suchen. Es geht um die Jobs der Zukunft.

Die Umfrage wird jährlich im Wechsel mit einer weiteren zu Berufen im Informatikbereich durchgeführt. In diesem Jahr haben 95 Unternehmen daran teilgenommen, die zusammen rund ein Drittel der 36.000 Mitarbeiter im Industriebereich in Luxemburg beschäftigen. Sie gaben zusammen 1.095 offene Stellen für die kommenden zwei Jahre an. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch deutlich höher liegen, da nicht alle 580 Mitglieds-Unternehmen der FEDIL teilnahmen.

3.000 bis 4.000 offene Stellen

„Wenn man die Zahlen extrapoliert, sind wir bei 3.000 bis 4.000 Arbeitsplätzen“, meinte Arbeitsminister Nicolas Schmit, der gemeinsam mit dem Bildungsminister Claude Meisch zur Vorstellung gekommen war. Immerhin sind ihre Angaben zu den gesuchten Stellen eine gute Orientierung. Die Studie wurde gemeinsam mit der Handelskammer und dem „House of Training“ durchgeführt.

„Die Studie ist gedacht als Orientierung für junge Leute, die sich für einen Beruf entscheiden müssen“, erklärte Marc Kieffer, Generalsekretär der FEDIL. Er hofft innig, dass auch Eltern die Möglichkeiten sehen, die eine moderne Industrie bietet. Um gegen das penetrante Bild von Jobs in schmutzigen Hallen anzugehen, führt die FEDIL weiter ihre Initiative „HelloFuture“ durch, bei der Unternehmen an weiterführenden Schulen über ihre Produkte und Stellen berichten. Bislang haben sie sieben Schulen besucht und mit 500 Schülern Kontakt gehabt, weitere folgen. „Auf der Internetseite von ’HelloFuture‘ gibt es derzeit 105 Praktika und 130 Unternehmen, die mitmachen“, erklärt René Winkin, Geschäftsführer der FEDIL.

Arbeitsminister Schmit zeigte sich erfreut, dass sich die duale Ausbildung in Luxemburg weiter durchsetzt. „Niedrige Zahlen bei der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland und Österreich verweisen auf den Erfolg“, betont er. Wichtig sei zudem die Qualifikation, da es auch in der Industrie immer mehr hochwertige Arbeitsplätze gebe. Dazu trage nicht zuletzt die Digitalisierung bei. Sie verändere die Arbeitsplätze. Dieses Thema will Schmit am 22. März mit einem Kolloquium zum Thema in der Handelskammer vertiefen. Laut der FEDIL-Studie suchen die Unternehmen hinsichtlich der Abschlüsse sowohl DAP, Technicien und Bac als auch BTS, Bachelor und Master-Absolventen.

Bildungsminister Claude Meisch zeigte sich erfreut über die Studie, weil sie bei der Vorbereitung von Jugendlichen auf die Zukunft helfe. „Die Industrie hier hat Zukunft. Es gibt großartige Möglichkeiten“, betonte er. Um gegen falsche Vorstellungen von Schülern und Eltern vorzugehen, will er die Anstrengungen erhöhen, um zu zeigen, was Industrie heute ist. „In ein bis zwei Jahren sollte es kein Lycée mehr ohne ’Makerspace‘ geben“, versicherte Meisch, dessen Ministerium noch an weiteren Projekten arbeitet. Auch er unterstrich, was für ihn die Kernbotschaften der Studie sind: „Die Nachfrage in der Industrie ist groß und die duale Ausbildung wichtig.“

Um Schüler näher an die Industrie von heute heran zu führen, ist Meisch auch bereit, Lehrpersonal zu unterstützen, das selbst ein Praktikum machen will. „Schließlich sollen sie ja die Jugendlichen auf die Zukunft vorbereiten. Die Unternehmen haben da schon Offenheit signalisiert.“

Gaby Wagner, stellvertretene ADEM-Direktorin, verwies darauf, dass viele Jugendliche die Möglichkeiten der Industrie nicht kennen. „2016 konnten wir 130 Lehrverträge in die Industrie vermitteln“, sagt sie. „In den vergangenen Jahren war die Zahl der angebotenen Lehrstellen in den Bereichen Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker und Energieelektroniker höher als die Nachfrage.“