LUXEMBURG
SVEN WOHL

„Panorama Social 2019“ liefert Einblicke in die Ungleichheiten in Luxemburg

Dass Armut ein Problem in Luxemburg darstellt, verfestigt sich langsam aber sicher im gesellschaftlichen Bewusstsein. Dazu trägt auch der regelmäßig erscheinende „Panorama Social“ der „Chambre de salariés“ (CSL) bei. Denn dieser zeigt, welche Ungleichheiten in Luxemburg weiterhin bestehen - und sich in einigen Fällen verschlimmert haben.

Erhöhtes Armutsrisiko

Ungleichheit spiegelt sich nicht nur im sozialen Bereich wider, sondern findet seinen Ursprung oft bei den verfügbaren Löhnen. Dort genügt ein Blick auf die rasant ansteigende Kluft zwischen dem am besten verdienenden Fünftel der Bevölkerung und dem am schlechtesten verdienenden Fünftel. Auch wenn dieser zwischen 2017 und 2016 bei fünf Prozent liegt und nicht angestiegen ist, zeichnet sich auf einen längeren Zeitraum betrachtet ein düsteres Bild: So lag der Unterschied 2005 noch unter vier Prozent.

Dabei ist nicht jeder Haushalt gleich stark betroffen. Vor allem Familien mit nur einem Elternteil befänden sich in einer prekären Situation, wie Jean-Claude Reding, Präsident der „Chambre des Salariés“ in der Einführung zur neuesten Publikation schreibt. Was das verfügbare Einkommen angehe, würden diese Haushalte nur über 61 Prozent des Durchschnitts verfügen.

Einen Arbeitsplatz zu haben ist längst kein Schutz vor Armut: 12,2 Prozent der Vollzeit arbeitenden Bevölkerung ist dem Armutsrisiko ausgesetzt. Damit belegt Luxemburg einen traurigen ersten Platz in der Eurozone. Bei der Teilzeitarbeit betrifft das Armutsrisiko 2017 17,4 Prozent der Personen, womit Luxemburg den achten Platz belegt. Das Armutsrisiko hängt hier auch mit einem anderen bekannten Problem zusammen: den Wohnungskosten. Sie vereinnahmen 30 Prozent des durchschnittlich verfügbaren Gehaltes. Bei den ärmeren Haushalten sind es sogar 49,6 Prozent. 36,8 Prozent der Haushalte haben 2017 mit hohen Kosten im Wohnungsbereich zu kämpfen, so die CSL.

Teilweise große Unzufriedenheit innerhalb der Berufswelt

Den Blick richtet man allerdings auch auf qualitativere Aspekte. Dazu gehört auch der „Quality of Work“ Index. Dieser wird seit 2013 jedes Jahr erhoben und ist 2018 (54,5 Punkte von 100) im Vergleich zum Vorjahr (55,7 Punkte) leicht rückläufig. Jedoch befände sich diese Veränderung im Rahmen der Fehlerquote, weshalb die CSL die Situation als stabil bewertet. Verhältnismäßig zufrieden sind die belgischen Grenzgänger mit 55,2 Prozent, während die deutschen (53,1 Prozent) und französischen (53,7 Prozent) Grenzgänger generell weniger glücklich mit den Arbeitsbedingungen sind. Die Luxemburger erreichen mit 55,0 Punkten einen vergleichsweise hohen Wert. Dieser liegt jedoch niedriger als im Jahr zuvor mit 56,1 Punkten.

Die Zufriedenheit mit der Arbeit hat im vergangenen Jahr einen Rückgang erfahren. Lag dieser Indikator seit 2014 relativ stabil zwischen 64,7 und 65,5 Punkten, so fiel er 2018 auf 60,6. Die Unzufriedenheit über das Ungleichgewicht zwischen Arbeits- und Freizeit erreicht 2018 mit 34,4 Punkten von 100 ein hohes Niveau. Auch der sogenannte „Burnout“ erreicht seinen höchsten Stand mit 35,3 Punkten - im Vorjahr waren es 32,1 Punkte.

Der komplette Bericht ist auf der Seite der CSL unter www.csl.lu zu finden