LUXEMBURG
DR. CHRISTOPHER LILYBLAD

Bei den Europawahlen am 26. Mai tritt zum ersten Mal „Volt Luxembourg“ an. Dr. Christopher Lilyblad, einer ihrer Kandidaten, beschreibt die Vorteile paneuropäischer Prinzipien:

„Die politische Integrität der Europäischen Union ist heute sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer Grenzen mit Bedrohungen konfrontiert. Der Brexit, am dramatischsten, sowie aufstrebende nationalistische und populistische Bewegungen, stellen das Projekt eines vereinten Europas mit gemeinsamen Werten in Frage. Währenddessen sehen sich selbst die mächtigsten europäischen Nationen, wie Frankreich und Deutschland, von der wachsenden Durchsetzungskraft von ausländischen Konkurrenten wie China und Russland substanziell bedroht.

Wenn wir als Europäer ein freies, wohlhabendes und nachhaltiges Europa gewährleisten wollen, besteht unsere einzige Hoffnung darin, dass die Union von ihren Bürgern vorangetrieben wird und nicht von den Interessen der Mitgliedstaaten. Um dies zu erreichen, müssen wir das Prinzip der parlamentarischen Souveränität in einer neuen europäischen Verfassung verankern, die auf der Gründung einer gemeinsamen paneuropäischen Identität beruht.

Eine europäische Verfassung benötigt zuerst ein soziales Gefüge aus europäischen Bürgern. Dieses Gefüge muss die Bestrebungen, Überzeugungen, Hoffnungen und Träume der Menschen widerspiegeln, die ein solches Europa ausmachen. Diese Form der ideellen Vereinigung erfordert jedoch eine gemeinsame Identität, die unser gemeinsames europäisches Erbe, unsere Zivilisation und Kultur in den Vordergrund stellt. Die Menschen in Europa müssen vor allem angesichts der äußeren Herausforderungen, die uns von allen Richtungen umgeben, wissen, dass uns viel mehr vereint als trennt.

Insbesondere verbindet uns eine gemeinsame Vision einer Weltordnung, die sich an die Werte, Normen und Regeln hält, die von den europäischen philosophischen und literarischen Traditionen ausgehen. Ja, unsere Geschichte enthüllt Kriege und Zersplitterung, insbesondere als Folge unterschiedlicher religiöser und nationaler Identitäten, die oft im Kontext von Armut und Hungersnot Konflikte herbeiführten.

Wenn wir jedoch die europäische Geschichte auf ihre Ursprünge zurückführen, stellen wir fest, dass unsere gemeinsamen Wurzeln nicht so verschieden sind. Unsere sprachlichen Neigungen teilen sich zum größten Teil denselben Zweig im globalen Sprachbaum. Unsere philosophischen Traditionen durchdringen nationale Grenzen und fördern den Austausch von Ideen, egal wie undurchdringlich unsere physischen Grenzen gestaltet sind.

Um also unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen, müssen wir uns vom Joch des Nationalismus befreien. Der Nationalismus diente zweifellos dazu, den religiösen Krieg durch säkulare Prinzipien zu ersetzen und die Vereinigung nationaler Gesellschaften herbeizuführen. Er erzeugte sicherlich die notwendige Legitimität für einen zentralisierten Nationalstaat. Seine unterschiedlichen Auswirkungen zeigen jedoch eindeutig, dass der Nationalismus den Weg zur wahren europäischen Identität versperrt.

Im Großherzogtum Luxemburg beispielsweise ist die nationale Identität in einem Land mit drei Amtssprachen, in dem fast 50 Prozent der Bevölkerung ausländischer Herkunft sind, kaum geeignet für Integration und Zusammenhalt. In dieser pro-europäischen, postnationalen Gesellschaft wird nationale Identität zu einer immer schwächeren Währung und ungeeigneten Ware im sozialen Umfeld. Luxemburg könnte auch in diesem Bereich wegweisend sein.

Kurz gesagt, der Schlüssel für die Zukunft Europas ist die Ablehnung seiner eigenen Schöpfung: des Nationalstaats. Der Paneuropäismus ist das einzige Mittel, um Nachhaltigkeit, Wohlstand und Freiheit in Europa – und darüber hinaus – zu gewährleisten.“