STRASSEN
CORDELIA CHATON

Pierre Thein, Direktor beim Backofenhersteller Hein Fours, sorgt sich um die Zukunft

Fours Hein gehört zu den Vorzeigunternehmen Luxemburgs. Das Unternehmen wurde 1882 von Nicolas Hein in Bettemburg gegründet und baut Öfen für Bäckereien. 1960 zog es nach Strassen um. Heute beschäftigt die Firma rund 260 Menschen, davon 129 in Luxemburg und setzt etwa 27 Millionen pro Jahr um. Das Geschäft wird in der fünften Generation von Ferdinand Hein geführt und gehört weltweit zu den führenden Backofen-Herstellern. Eigentlich eine Situation, in der man zuversichtlich in die Zukunft blickt. Doch für Direktor Pierre Thein ist seit der Coronakrise vieles anders.

„Rund die Hälfte des Personals fehlt, zum Teil wegen der Kinderbetreuung, zum Teil aus Krankheitsgründen. Das erschwert die Produktion“, berichtet er. Als Backofenhersteller gehört Hein zu jenen Unternehmen die im Bereich der Grundnahrungsmittelversorgung tätig sind. Das wird immer schwieriger. „Wir haben noch einen gewissen Lagerbestand, aber nur das Nötigste“, sagt Thein. Aber das ist auch nicht seine erste Sorge.

„Die galt vor allem der Gesundheit der Mitarbeiter. Deswegen haben wir schon vor zwei Wochen drakonische Maßnahmen ergriffen und Produktion, Service und Büros strikt getrennt und so weit wie möglich Telearbeit eingeführt. Alle Mitarbeiter mussten 2m Sicherheitsabstand einhalten und viele andere hygienische Regeln befolgen.

Gleichzeitig muss der Betrieb Kunden zufriedenstellen. „Bei der derzeitigen Belastung der Bäcker kommt es auch mal zu Schäden an Öfen, die repariert werden müssen. Es ist schwer, alles für die Ersatzteile zu haben und auch, zum Kunden zu kommen“, sagt Thein mit Blick auf die weltweit verteilte Kundschaft.

Der langjährige Direktor fragt sich, was nach dem Virus kommt. „Eine große Wirtschaftskatastrophe“, ist er sich sicher. „In drei Monaten stehen wir jedoch nicht nur vor einer wirtschaftlichen, sondern auch vor einer sozialen Krise, bei der Arbeitnehmer und Arbeitgeber in einem Boot sitzen“, gibt er zu bedenken. „Keiner wird eine Insolvenz rückgängig machen, wenn sie erstmal da ist.“ Deswegen ist es für ihn wichtig, jetzt schon die Zukunft zu planen mit allen nötigen Anpassungen. Das ist nicht einfach angesichts ausbleibender Bestellungen. „Und Kurzarbeit nützt mir nur begrenzt, die Probleme kommen je nach Branche in zwei bis drei Monaten.“

Für Thein ist diese Krise die schlimmste, die er je erlebt hat; schlimmer auch als der Brand im Unternehmen vor einigen Jahren, bei dem ein Schaden von 12,5 Millionen Euro entstand.