COLETTE MART

Hier und jetzt, wo die Weihnachtsfeiertage durch Anschläge in zahlreichen Städten überschattet werden, sollte ein eher diskretes Ereignis unsere Aufmerksamkeit ebenfalls mobilisieren. Mitte Dezember erhielten zwei junge jesidische Menschenrechtlerinnen den Sacharow-Preis, der leider nur in jenen Kreisen bekannt ist, die eine Sensibilität für Menschenrechte haben. Die jungen Frauen, die als Sexsklavinnen vom IS gefangen genommen worden waren und sich befreien konnten, wurden bei uns von der Großherzogin empfangen, was lobenswert ist, gibt doch Maria Teresa mit dieser Geste dem Leiden der Frauen eine Öffentlichkeit in unserem Land.

Bereits vor einigen Wochen hatte die Großherzogin Frauen eingeladen, die in Luxemburg Opfer häuslicher Gewalt geworden waren, und somit diesen eine Visibilität gegeben, die selten ist und Respekt verdient.

In beiden Fällen wurde Frauen Betroffenheit entgegengebracht, die Opfer brutaler Gewalt wurden, was schon viel ist, und zumindest zu einer Sensibilisierung der Gesellschaft für Menschen beitragen kann, die aus einer Schwächeposition heraus wenig Gehör finden. Dass die Jesidinnen Nadia Murad Bassi Taha und Lamiya Aji Bachar dem IS entflohen sind, beweist eine Stärke, die diese Frauen weiterhin bewiesen haben, besonders als sie vor dem Europaparlament die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen und den Völkermord an den Jesiden anprangerten.

Die Europaparlamentarier reagierten ihrerseits gerührt über die Misere dieser jungen Mädchen, die berichteten, wie der Genozid von statten geht, nämlich, in dem zuerst jene behinderten oder alten Frauen umgebracht werden, die nicht mehr begehrt werden, während die anderen Frauen sexuell versklavt werden.

Die sexuelle Versklavung von Frauen weltweit ist im Falle des IS eine Kriegswaffe, eine Art und Weise, die Jesiden zu unterwerfen und als eigenständige Kultur verschwinden zu lassen.

Sexuelle Versklavung reicht aber auch weit in die Industrienationen hinein, da letztere einen Markt bieten für die sexuelle Ausbeutung von Frauen durch organisierte Kriminalität.

Die Frage bleibt hier, welches Bild des Menschen, der Frau, dieser Form von Gewalt zugrunde liegt, wieweit dieses Bild in der Welt verbreitet ist, wie viel und was für die Opfer organisierter sexueller Gewalt zu tun bleibt, und wann der richtige Zeitpunkt ist, einzugreifen.

Tatsache ist, dass die Versklavung der Jesidinnen bereits seit Jahren durch die sozialen Medien bekannt ist, dass aber niemand etwas gegen diesen Völkermord unternommen hat. Genauso wurden den grausam vergewaltigten Frauen in östlichen Kongo, denen Sacharow-Preisträger Denis Mukwege half, politisch nur wenig Interesse geschenkt.

Hier und jetzt, wo also Weihnachten näher rückt und unsere Aufmerksamkeit den Opfern von Terroranschlägen gilt, ist es ebenso wichtig darüber nachzudenken, wie und wann man die Opfer anhaltender Gewalt in der Welt systematischer, besser und effizienter schützen könnte und was der sexuellen Ausbeutung von Frauen entgegenzusetzen wäre.