LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Cargolux müsste jährlich rund 180 Millionen Dollar operativen Gewinn machen, um auf Dauer im internationalen Wettbewerb bestehen zu können - Davon ist man weit weg

So schnell wie möglich zurück an den Verhandlungstisch zu realistischen und konstruktiven Diskussionen mit den Gewerkschaften. Das wünscht sich die Cargolux-Leitung.

Die Lage sei nämlich „dramatisch“, sagte Verwaltungsratspräsident Paul Helminger gestern Nachmittag bei einer Pressekonferenz im Anschluss der Sitzung des „Board of Directors“ der Frachtfluggesellschaft.

180 Millionen Dollar Gewinn jährlich erforderlich

Um die operativen Kosten und die finanziellen Verpflichtungen zu decken und sich nachhaltig für den harten internationalen Wettbewerb zu rüsten müsse ein operativer Gewinn von um die 180 Millionen Dollar jährlich erwirtschaftet werden.

2013 lag der Nettogewinn bei knapp zwei Milliarden Dollar Umsatz bei 8,4 Millionen Euro. In den Vorjahren hatte die Airline Verluste im hohen zweistelligen Bereich verzeichnet. Für die nächsten Jahre bis 2019 rechnet Cargolux mit einem jährlichen Gewinn von rund 80 Millionen Dollar durch eine Kombination von Einnahmensteigerungen und Kosteneinsparungen - wenn der Kerosinpreis nicht zu sehr steigt und Auslastung der Kapazitäten und Effizienz konstant bleiben.

Cargolux Italia: Keine strategische Vision sie zu stärken

Und die Einsparungsprogramme umgesetzt werden können. „Cargolux Italia ist ein Anfang“, sagt Paul Helminger in Anspielung auf den Transfer von Frachtern in die italienische Tochterfirma des Luxemburger Unternehmens. Zwei Maschinen fliegen schon unter italienischer Flagge und italienischen Arbeitsbedingungen, eine dritte soll es bald tun. Soll, denn die definitive Entscheidung steht noch aus. Sie müsste spätestens bei der Verwaltungsratssitzung vom 20. März getroffen werden.

Die Aktion würde die Kosten jährlich um zehn Millionen Dollar drücken. Dagegen sperren sich allerdings die Gewerkschaftsvertreter, sprechen von „Outsourcing“ und „Sozialdumping“.

Aus diesem Grund hätten die Arbeitnehmervertreter im Verwaltungsrat auch gegen den Haushalt 2015 gestimmt. „Es gibt keine strategische Vision, Cargolux Italia zu stärken“, betonte Paul Helminger, der die Unterstellungen der Gewerkschaften von sich weist.

„Wir haben uns bisher sehr zurück gehalten bei den Pilotengehältern“, unterstreicht Helminger. Von „Sozialdumping“ könne jedenfalls keine Rede sein.

Begrenzte Möglichkeiten

Es gehe um Einsparungen. „Wenn wir die Kosten nicht in den Griff bekommen, verblutet die Gesellschaft langfristig finanziell“, erklärt der Verwaltungsratspräsident, mit dem Hinweis, dass Cargolux in regelmäßigen Abständen hunderte Millionen neues Kapital brauche, allerdings nicht mehr darauf zählen könne, dass seine Aktionäre da mitmachen. Den staatlichen Eignern seien ohnehin regulatorische Grenzen gesetzt. 2015 kommt es zu keiner Kapitalerhöhung. Aber danach? „Das ist sehr schwer zu sagen“, meint Helminger, „das hängt vom Markt ab“.

Auf jeden Fall sei es vor diesem Hintergrund unabdingbar, endlich „seriöse Verhandlungen“ mit den Gewerkschaften zu führen. Auch über den Kollektivvertrag, der derzeit beim Schlichtungsamt liegt. Ein Termin für die Verhandlungen steht laut CEO Dirk Reich noch nicht. Die Cargolux-Leitung sei auch außerhalb der Schlichtung immer gesprächsbereit.

Reich wies übrigens darauf hin, dass dieses Jahr mindestens 150 neue Mitarbeiter - davon 100 in Luxemburg - eingestellt werden, vor allem um die beiden neuen 747-8-Maschinen in Betrieb nehmen zu können - eine kommt im März, eine weitere in September. Für 2017 wird ein weiteres Frachtflugzeug gleicher Bauart erwartet.

Cargolux China: Nur eine Reihe Fragen zu klären

Zur Sprache kam gestern auch der Plan für Cargolux China, die zusammen mit dem chinesischen Unternehmen HNCA auf die Beine gestellt werden soll. HNCA hält derzeit 35 Prozent an Cargolux. Woher die Luxemburger Frachtfluggesellschaft das Geld für diese Operation nehme? Es handele sich um ein Joint-Venture, in das Cargolux wenig Geldmittel pumpen müsse und zudem sicher sei, die Investition im Falle des Falles zurück zu erhalten.

Eine ganze Reihe von Fragen müssten noch geklärt werden, hieß es gestern. Vor allem, ob keine konkurrenzrechtlichen Barrieren dem Projekt einen Riegel vorschieben könnten. Auch Cargolux China soll am 20. März auf der Tagesordnung des Verwaltungsrats stehen.