LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Grünen-Minister präsentieren ambitiösen Entwurf für Energie- und Klimaplan bis 2030

Es ist ein hehres Ziel: Luxemburg will seine CO2-Emissionen bis 2030 um 50 bis 55 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 2005 senken und ist somit ambitionierter als die Minus 40 Prozent, zu der sich das Land im vergangenen Jahr verpflichtet hat. Umso herausfordernder ist die nun in dem kürzlich nach Brüssel geschickten Entwurf des „Plan national intégré en matière d‘énergie et de climat“ (PNEC) eingeschriebene Zielsetzung, als Bevölkerung, Wirtschaft und Verkehr auch in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich weiter wachsen werden.

„Ja, wir haben die Latte hoch gelegt“, sagte gestern Umweltministerin Carole Dieschbourg bei der Vorstellung des PNEC, den die EU-Mitgliedstaaten obligatorisch und komplett bis Ende des Jahres der EU-Kommission vorlegen müssen, „aber der Klimawandel ist nun mal die größte Gefahr für die Menschheit“. Die müsse alles Mögliche tun, damit die Erderwärmung bis 2050 unter 1,5 Grad Celsius bleibt und somit vermieden wird, dass ein beträchtlicher Teil der Menschheit von den Auswirkungen des Treibhauseffekts betroffen sein wird. In seinem Bericht zur Erderwärmung setzt der Weltklimarat übrigens auch eine Halbierung der CO2-Emissionen bis 2030 voraus, damit die 1,5 Grad Celsius-Beschränkung gewährleistet wird.

Um die ambitiösen Ziele des PNEC zu erreichen, die nicht nur zwischen Ministerien, sondern auch in der „Chamber“, mit regionalen Verantwortlichen und den Bürgern insgesamt diskutiert werden und zudem noch von einer Impaktstudie der Maßnahmen flankiert werden sollen, setzen Carole Dieschbourg und Energie- und Landesplanungsminister Claude Turmes s auf mehr Energieeffizienz.

„Wir müssen in diesem Bereich die Besten werden“, unterstreicht Turmes. Die Elektromobilität ist dabei ein wichtiger Faktor. „Ein Diesel hat eine Energieeffizienz von 20 Prozent, ein Elektroauto von 80 Prozent“, erklärt der Minister, der sich als Europaparlamentarier lange Jahre mit den Energieproblematiken befasst hat. Er glaubt auch daran, dass auch bald E-Lastwagen fahren werden, weil „die Logistikunternehmen rechnen können“. Energieeffizienz ist auch beim Wohnungsbau ein großes Thema. Luxemburg war Vorreiter bei niedrigen Energieverbrauchsnormen für Neubauten und will zudem verstärkt die Energiesanierung „pushen“. So soll es höhere „Prime House“-Subventionen geben und einen „One Stop Shop“ für die Energiesanierung bestehender Gebäude. Immobilien spielen auch eine große Rolle als Träger von Fotovoltaikanlagen.

Zwischen 23 und 25 Prozent Strom aus „Renewables“

Laut PNEC soll der Anteil von erneuerbaren Energiequellen im nationalen Stromverbrauch bis 2030 auf zwischen 23 und 25 Prozent hochgeschraubt werden. Die Quote liegt heute bei sieben bis acht Prozent, Ziel bis 2020 sind elf Prozent, möglich wären durch rein einheimische Bemühungen maximal 17 bis 18 Prozent, sagte Claude Turmes, der eine Fotovoltaik- und Wärmepumpen-„Offensive“ starten will. Luxemburg darf sich zudem durch Partnerschaften mit anderen Mitgliedstaaten einen Teil „renewables“ anrechnen lassen. Solche Verträge ist das Großherzogtum bereits mit Estland und Litauen eingegangen, die ihre Energiemix-Ziele schon erreicht haben. Das Prinzip: Luxemburg kauft eine Quote ein und die Länder investieren das Geld in weitere Projekte für erneuerbare Energien. Auf die Frage nach weiteren Partnerschaften hin sprach Turmes gestern vor allem von den Niederlanden und Belgien, kam aber auch auf die Rolle des Finanzplatzes bei der Finanzierung von nachhaltigen Energieprojekten in der ganzen Welt zu sprechen, sowie auf die großregionale Kooperation in Sachen Holzverwertung, Geothermie und Elektromobilität. Wann die genannten „Offensiven“ und die „Mobilisierung“ der Bevölkerung beginnen, war gestern noch nicht klar. Man habe aber bereits in der letzten Legislatur ein ordentliches Stück Weg in die richtige Richtung zurück gelegt, meinte Carole Dieschbourg.