SIMONE MOLITOR

Nein, sie lassen nicht locker. Auch nicht in Luxemburg. „Youth for Climate Luxembourg“ hat ihren nächsten „Fridays for Future“-Protestmarsch angekündigt. Am 24. Mai gehen die Schüler erneut auf die Straße, um lautstark mehr Einsatz für den Klimaschutz zu fordern, obwohl sie an diesem Tag eigentlich im Unterricht sitzen müssten. „Klimamarsch“ und „Schülerstreik“ sind inzwischen fast zu einem Synonym geworden. Dass sich derart viele verbohrte Menschen hauptsächlich daran stören, dass die jungen Demonstranten die Schule schwänzen, zeigt, dass sie die Sache aus den Augen verloren oder sie vielleicht noch nie mit dem nötigen Ernst betrachtet haben.

Als am 15. März ein erstes Mal Tausende Teenager in Luxemburg auf die Straße gingen, sind sicherlich manche unterwegs in einem Café hängengeblieben, während andere vielleicht nur aus Spaß mitliefen. Wer die Dynamik an diesem Tag gespürt hat, wurde aber zweifellos mitgerissen, hat bestimmt etwas davongetragen und im besten Fall sogar mit nach Hause genommen, um es an die Eltern weiterzugeben. Kommt es nicht auch darauf an? Die anderen Generationen zu einem Umdenken zu bewegen? Doch!

Vor wenigen Tagen haben die Organisatoren der deutschen „Fridays for Future“ konkrete Forderungen formuliert, um sich nicht länger den Vorwurf gefallen zu lassen, sie hätten keine Ziele. Kohleausstieg bis 2030, CO2-Steuer auf klimaschädliche Treibhausgase, Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad, 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung bis 2035, das Ende der Subventionen für fossile Energieträger noch dieses Jahr… Natürlich sind das keine neuen Ziele. Welche realistischen Maßnahmen zur Umsetzung nötig sind, erklären die Aktivisten nicht. Müssen sie das? Können sie das überhaupt? Nein, denn es ist Aufgabe der Politik und Wissenschaft, die sich daran nicht erst seit gestern die Zähne ausbeißen. Den Kampf gegen die Klimakrise muss nicht die Jugend allein ausfechten, nicht sie muss einen zielgerichteten Plan aufstellen. Sie kann aber eine andere Aufgabe übernehmen und damit durchaus positive Resultate erzielen, indem sie nämlich die älteren Generationen wachrüttelt und letztlich den Druck auf die Politik erhöht.

Zweifelsohne ist das Thema Klimawandel seit den weltweiten Schülerprotesten aktueller und greifbarer geworden, ja es ist mittlerweile sogar in aller Munde. Eine Schar junger Demonstranten kann bisweilen für mehr Aufmerksamkeit sorgen als Umweltorganisationen mit ihren üblichen Aktionen. Diesen Erfolg kann man den „Fridays for Future“-Aktivisten nicht streitig machen.

Natürlich sind die Forderungen des deutschen Bündnisses ambitioniert. Manch einer würde sie sogar als „kindlich naiv“ bezeichnen. Dennoch setzen sie in erster Linie die gemeinsame Bereitschaft aller Menschen voraus, die eigenen Lebensgewohnheiten zu überdenken, umweltfreundliche Alternativen zu nutzen (sofern es sie gibt), vielleicht sogar tiefer in die Tasche zu greifen (was die Reichen nicht kümmert, die Ärmeren aber schon) und es nicht bei einem (freitäglichen) Aufschrei zu belassen. Wenn wir nämlich Änderung nur dann wollen, wenn wir selbst nichts ändern müssen, wird sich nichts ändern.