ANNETTE DUSCHINGER

Der Abend begann mit Bildern: Während die Gäste der akademischen Sitzung zum 50-jährigen Bestehen der Krankenhausföderation FHL am Mittwoch so langsam eintrudelten und Platz nahmen, konnten sie sich an Fotos aus dem Krankenhauswesen ergötzen. Und ergötzen ist angesichts der beeindruckenden Infrastrukturen, der schönen Zimmer und der Spitzentechnologie, mit der unsere Krankenhäuser ausgestattet sind, noch untertrieben. Und dann kein Wort darüber: Über das Glück, dass in unserem Land für die Krankenhäuser das Beste gerade einmal gut genug ist, kein Träger und keine Region zu kurz kommt und dass wir uns von den mega Infrastrukturen ganz abgesehen eine überdurchschnittlich hohe Personalzahl leisten, von der andere Länder nur träumen können. Von den Gehältern gar nicht zu reden. Stattdessen kamen Klagen über den Druck. Man sei immer „faiblement réglementé“ gewesen, mittlerweile unterliege man starken Regulierungen, müsse sich spezialisieren und die Ausgaben abbremsen. ABBREMSEN wohlgemerkt.

Man klagte auf hohem Niveau. 863 Millionen Euro stehen den Krankenhäusern dieses Jahr zur Verfügung, 889 Millionen werden es im nächsten Jahr sein. Fast 50 Prozent der CNS-Ausgaben fließen weiterhin in die Krankenhäuser. Dazu kommt, dass der Staat zusätzlich 80 Prozent der Investitionen in die Krankenhausstrukturen trägt, 20 Prozent kommen von der CNS. Und diese Investitionen sind auch in den nächsten Jahren nicht ohne. Es soll ein neues „Südspidol“ gebaut werden, ein neues Städtisches Krankenhaus beim CHL, eine neue Reha-Klinik beim CHNP und die ZithaKlinik wird modernisiert, stellte die Gesundheitsministerin in Aussicht. Dabei vergaß sie zu erwähnen, dass auch ein neues zentrales Labor für alle Krankenhäuser auf dem Gelände des CHL geplant ist. Wir sparen überall, aber sicher nicht an den Krankenhäusern. Die Gegenleistung der FHL? Man geht gemeinsam einkaufen und bemüht sich, sich in der Informatik so abzustimmen, dass man sich untereinander vernetzen kann und transparenter wird. Daran arbeitet man nun schon seit Anfang der 1990er Jahre. Hat man da noch Worte?

Richtig ärgerlich wird es, wenn gebetsmühlenartig die Beschwerde von der FHL kommt, dass die Patienten frei sind, wann immer sie wollen, zu einem Arzt ihrer Wahl zu gehen und die Ärzte dann auch noch die Freiheit haben, die ihrer Meinung nach beste Therapie zu wählen. Unerhört sozusagen, dass keiner vorher die Krankenhäuser fragen muss, ob überhaupt Geld für diesen Luxus da ist - besser steuern möchte man auch das noch. Dabei ist es schlicht die Gegenleistung dafür, dass Versicherte und Ärzte in Luxemburg an eine einzige gesetzliche Krankenkasse gebunden sind, Wettbewerb nicht spielt und man keine Alternative hätte, wenn die Kasse entscheidet, eine bestimmte Behandlung nicht zu übernehmen. Kann man diese „Kröte“ nicht einfach schlucken, wenn man schon wie die Made im Speck sitzt?