CORDELIA CHATON

Seit Wochen gibt es Anleitungen zum Selberbasteln von Masken: Aus Stoff oder aus Küchenkrepp, in FFP2-Qualität – als Experten wissen wir alle, was das ist -, oder aber einfach nur das Wegwerfmodell. Wer welche Maske hat – und ob überhaupt jemand eine Maske hat – ist zu einer Frage des persönlichen und staatlichen Ansehens geworden. Masken, gestern noch das Relikt asiatischer Lebensgewohnheiten, sind heute ein Statussymbol.

Luxemburg macht in diesem internationalen Spiel eine besonders bemerkenswerte Figur, erhalten hier die Einwohner immerhin per Post Masken geschenkt. Davon träumt so manche französische Altenpflegerin. Und nicht nur die. Doch auch wer in Luxemburg keine Maske hat, kann eine kaufen. Einfach in die Apotheke gehen. 18,40 Euro für 20 Masken auf Kirchberg, 20 Euro für 30 Masken auf dem Limpertsberg. Sie wollen nachbestellen? Kein Problem, die wären dann morgen da. So mancher Deutsche schaut da in leere Regale. Hier droht zwar die Maskenpflicht und ist mancherorts auch schon eingeführt. Aber an Masken zu kommen ist schwierig.

In Spanien hat die Polizei Masken an Arbeitnehmer verteilt, in Österreich bekommen Kunden diese von den Supermärkten. Das sind eher die Ausnahmen. Das krasseste Beispiel ist Frankreich. Dort hatte die damalige Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot während des H1N1-Virus 723 Millionen FFP2-Masken gekauft, dazu noch eine Milliarde chirurgischer Masken. Angesichts der mäßigen Ausbreitung des Virus wurde sie anschließend heftig kritisiert und der Verschwendung öffentlicher Gelder beschuldigt. Jetzt tritt sie in zahlreichen Sendungen auf und erklärt, Frankreich habe falsch gehandelt. Im Hexagon, bekannt für seine Verschwendung von Geldern in der Verwaltung, mangelt es an allem: Masken, Tests, Personal. Deshalb sind Masken nur für bestimmte Berufsgruppen erhältlich. International läuft ein regelrechter Maskenkampf. Auf der einen Seite kaufen sich Länder die Ware gegenseitig noch aus dem Frachtraum heraus vor der Nase weg. Betrüger machen Reibach; Amazon sperrte zehntausende von Seiten, die teilweise Phantasiepreise von 250 Euro pro Maske verlangen. Auf der anderen Seite gibt es großzügige Spenden. Die braucht vor allem Großbritannien dringend, wo es an allem fehlt. Die Regierung denkt über eine Maskenpflicht nach, aber der Gesundheitsdienst NHS hat schon klar gemacht, dass es dann schwierig wird, das Klinikpersonal zu versorgen, dass jetzt schon in Müllsäcken arbeiten muss.

Es ist unangenehm, eine Maske zu tragen. Je dichter sie ist, desto schwerer fällt das Atmen. Aber natürlich macht es Sinn angesichts eines derart aggressiven Virus. Mir ist das offene Gesicht natürlich lieber. Doch diese Zeiten werden hoffentlich mit einer Impfung wiederkehren. Bis dahin kann jeder in Luxemburg sich freuen, dass es so gut läuft, dass es Masken gibt, für alle und auch gratis. Dass die Regierung schnell und vorausschauend gehandelt hat. Dass viele Initiativen ihren Teil beigetragen haben, oft durch Näharbeit. Und so tragen wir Masken. Zum Wegwerfen, zum Waschen, von der Modemarke oder der Gemeinde. Wir drücken sie an, atmen tief durch und denken an Oscar Wilde. Der wusste schon damals: „Eine Maske erzählt uns mehr als ein Gesicht.“