LUXEMBURG
DANIEL OLY

Vorurteile und feste Rollenbilder für eine fairere Gesellschaft hinterfragen

Frauen sind sentimentaler, kümmern sich um den Haushalt, können besser kochen, nähen oder Sprachen lernen - und Männer sind stur, geben ihre Emotionen nicht preis, verdienen die Kohle und haben ein Herz für Autos. Vorurteile und Geschlechterrollen gibt es zuhauf und es sei höchste Zeit, dass sich da etwas tut, wie das Chancengleichheitsministerium befindet. Ministerin Lydia Mutsch stellte deshalb gestern die Informationskampagnen vor, die unter dem „Changez de perspective“-Motto in den kommenden Monaten Vorurteile und Rollenbilder stärker in den Fokus rücken werden. „Wir sind überzeugt davon, dass solche festgefahrenen, traditionellen Rollenbilder auch einen Schaden für unsere Gesellschaft bedeuten“, meinte Mutsch gestern. „Rund die Hälfte der talentierten Menschen verfolgen ihren Traum oder ihre Berufung nicht, weil ihnen durch Rollenbilder davon abgeraten wird, eine bestimmte Aktivität zu betreiben“, meint sie. Dabei solle es grundsätzlich egal sein, welchem Geschlecht man angehört; „jeder soll grundsätzlich alle Möglichkeiten haben.“

Guter legaler Kader, schlechte Umsetzung

Dafür gebe es in Luxemburg grundsätzlich einen guten legalen Kader, da Menschen nicht aufgrund von Faktoren wie dem Geschlecht von Aktivitäten ausgeschlossen werden dürfen. Dass es dann doch in der Realität an der Umsetzung hapert, liege der Ministerin zufolge an den Rollenbildern, die allzu oft den Weg verbauen könnten.

Um dem entgegenzuwirken, müsse besonders die Einstellung im Elternhaus eine andere werden; das heiße auch, bereits im Kindesalter damit anzufangen, sich mit der Thematik auseinander zu setzen. „Dafür haben wir ein neues Pixi-Buch entworfen, das Geschlechterrollen in den Mittelpunkt rückt“, meint die Ministerin weiter. In „Das kann ich auch“ sollen Kinder (und ihre Familien) thematisch sehen, dass allen Menschen alle Möglichkeiten gleichberechtigt zur Verfügung stehen. Wie gut die „Pixi“-Bücher ankommen, habe sich bereits vergangenes Jahr mit „Mama ist Bürgermeisterin“ gezeigt, erklärt Mutsch. Deshalb halte man es für ein probates, praktisches Mittel zur Information.

Zum Weltfrauentag vom 8. März wird das Ministerium deshalb zudem auch eine groß angelegte Informations- und Aufklärungskampagne starten, die sich auf die Jugendlichen konzentrieren will. Unter „Typesch Mann - typesch Fra“ werden deshalb Workshops angeboten, in denen Jugendliche aller Altersklassen im direkten Austausch mit Experten - etwa dem Planning Familial oder der HIV-Beratung des Roten Kreuzes - über Rollenbilder und Vorurteile sowie den oft beanstandeten „Alltagssexismus“ reden können. „Das zeigt auch, dass wir den Weltfrauentag klar ins Zeichen einer gemeinsamen, fairen Gesellschaft stellen“, sagte Mutsch.

Im Rahmen dieser Konferenz wird auch ein Rundtischgespräch zu den Rollenbildern in den Medien abgehalten, dies mit Experten wie Dr. André Melzer der Universität Luxemburg. Nicht ohne Grund: „Die Medien bilden ein wichtiges Bild der Gesellschaft und des traditionellen Rollenverständnisses ab und ein undifferenzierter Konsum setzt die Menschen diesen Rollenbildern ungefiltert aus“, meint Mutsch. „Einerseits müssen die Medien sich dieser Rolle besser bewusst werden und andererseits müssen wir uns kritisch, produktiv damit auseinander setzen können“, erklärt sie weiter. Nur wenn Vorurteile effektiv hinterfragt und durchleuchtet würden, könnten diese auch auf vernünftige Weise abgebaut werden. „So schaffen wir es auch, die Mauer an Vorurteile abzureißen“, sagte Mutsch abschließend.