LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Sprachen im „Cycle 1“: Ministerium reagiert auf diverse Befürchtungen

Es wird keine Alphabetisierung auf Französisch geben und in Zukunft sollen sowohl Französisch, Deutsch als auch Luxemburgisch „auf eine spielerische Art und Weise Gegenstand der Lebenswelt der Kinder im Cycle 1“ sein. Mit diesen Aussagen reagiert das Bildungsministerium auf in den vergangenen Tagen geäußerte Befürchtungen, man könne von einer Alphabetisierung auf Deutsch abrücken. Der Dachverband der Elternvereinigungen hatte vergangene Woche auf das Abkommen zwischen dem Ministerium und den Gewerkschaften SNE und AIP reagiert, das unter anderem den Weg für eine mehrsprachige Förderung mit einem Fokus auf der luxemburgischen und der französischen Sprache im 1. Grundschulzyklus ebnet. Die „Fédération des Associations de Parents d‘Élèves du Luxembourg“ (FAPEL) hatte in einer Pressemitteilung kritisiert, dass erneut nicht auf die Meinung der Eltern gehört werde. Außerdem „sollte sich eine Vorbereitung der Kinder auf den Cycle 2 nicht nur auf die französische Sprache, sondern auch auf die deutsche Sprache beziehen.“ Auch die Initiative „Wee 2015 - nee2015“ hat am Dienstag die Frage aufgeworfen, ob Kinder „mittelfristig“ auf Französisch alphabetisiert werden sollen.

Annäherung an die Deutsche über die luxemburgische Sprache

Auf „Journal“-Nachfrage erinnert Lex Folscheid, Erster Regierungsrat im Bildungsministerium, zunächst daran, dass Kinder im „Cycle 1“, der „Précoce“ und Kindergarten umfasst, durch die Verwendung des Deutschen, um beispielsweise Geschichten zu erzählen oder Lieder zu singen, auf die Alphabetisierung auf Deutsch im „Cycle 2“ vorbereitet werden. In Zukunft soll indes auch eine spielerische Annäherung an das Französische stattfinden. Im luxemburgischen Schulsystem wird das Französische zunächst als mündliche Sprache erstmals im zweiten Trimester des „Cycle 2.2“ im Alter von sieben bis acht Jahren eingeführt, die Alphabetisierung auf Französisch beginnt dem Bildungsbericht 2015 der Universität Luxemburg zufolge offiziell im „Cycle 3.1“. Mit der Einführung des Französischen im „Cycle 1“ soll auch eine Kohärenz zur sprachlichen Frühförderung in den Kindertagesstätten ab Herbst 2017 gewährleistet werden.

Infolge der Einigung zwischen AIP, SNE und Ministerium muss das Grundschulgesetz aus dem Jahr 2009 abgeändert werden. Der Entwicklungs- und Lernbereich „le langage, la langue luxembourgeoise et l‘éveil aux langues“ soll um „l’initiation à la langue française“ ergänzt werden. Auf die Frage hin, warum nicht auch die deutsche Sprache im Gesetz verankert wird, erklärt Folscheid, dass die Annäherung an die deutsche Sprache aufgrund der Ähnlichkeiten über das Luxemburgische hergestellt werden soll. „Wir brauchen die Heranführung an das Luxemburgische unbedingt“, sagt der Erste Regierungsrat im Bildungsministerium.

Anpassungen am „Cycle 2“-Lehrplan in Arbeit

Die von der Initiative „Wee 2050 - nee 2015“ formulierte Kritik, die Einführung des Französischen im „Cycle 1“ ginge zulasten des Luxemburgischen, lässt Folscheid indes nicht gelten. Eine solche Vorstellung habe „nicht sehr viel mit Pädagogik“ zu tun. Vielmehr müsse man die Schwerpunktlegung auf das Luxemburgische und das Französische differenzierter sehen. Kinder mit Migrationshintergrund sollen demnach, wie in der Früherziehung, früh an die luxemburgische Sprache herangeführt werden, während luxemburgischsprachige Kinder auf spielerische Art und Weise mit dem Französischen in Kontakt kommen sollen. Ziel sei es also nicht, „das Französische zur Hauptsprache im Schulsystem zu machen“, sondern - auch angesichts der bekannten Schwierigkeiten, die viele Schüler später mit dem Französischen haben - „die Mehrsprachigkeit auf ein neues Fundament zu setzen.“

Um dieser frühen Annäherung an das Französische Rechnung zu tragen, arbeitet das Ministerium derzeit auch an Anpassungen am Lehrplan für den „Cycle 2“, um auch hier wiederum eine Kohärenz zum „Cycle 1“ herzustellen. Das Französische solle „kontinuierlich aufgebaut werden“ mit einem Fokus auf dem Sprechen der Sprache.