DÜDELINGEN
CLAUDE MÜLLER

Herausragendes Duo: John Abercrombie und Marc Copland in Düdelingen

Seit rund 40 Jahren arbeiten sie schon zusammen, die beiden großen wichtigen Männer des New Jazz, die immer etwas auf dem Nebengleis der Stars dieser Art gehandelt wurden: John Abercrombie, der am Anfang seiner Karriere als equivalenter Stilerneuerer des Gitarrenspiels neben John McLaughlin galt und Marc Copland, der ewig in der Fachpresse unter „ferner liefen“ erwähnte Pianist, der aber sicherlich zu den markantesten Vertretern des neueren Jazzpianos zählt.

Jeder für sich mit eigenen Bands oder als Mitglied renommierter Formationen um namhafte Leaderpersönlichkeiten wie Enrico Rava, Jack De Johnette, Billy Cobbham oder Kenny Wheeler als Persönlichkeit des Modern Jazz geschätzt, prägen Abercrombie und Copland im Duo das Image eines neuen, „salonfähigen“ Stils, der hauptsächlich von der magischen Ausstrahlung lyrischer Balladen ausgeht.

Duoboom ab den 1920er Jahren

Angefangen hatte der heute populäre Duoboom schon 1928 mit der Begegnung Louis Armstrongs mit dem Pianisten Earl Hines. Andere berühmte Beispiele dieser kammermusikalischen Dialoge sind das Zusammenspiel des kanadischen Pianisten Oscar Peterson hauptsächlich mit Trompetern wie Dizzy Gillespie, Roy Eldridge und Clark Terry und die oft prämierten Vorzeigeaufnahmen des Vibrafonisten Gary Burton mit abwechselnd Chick Corea und Keith Jarrett. Auch John Abercrombie, der im Dezember seinen 72. Geburtstag feiert, ist in der Favoritenliste dieser Meetings durch sein Duett mit Ralph Towner beim Deutschen Jazzfestival in Frankfurt von 1976 vertreten.

Nach einer emanzipierten Version des Jerome-Kern-Evergreens „Yesterdays“, folgten am Mittwoch im Düdelinger Kulturzentrum „opderschmelz“, bis auf das letzte Stück, einem orientalisch angehauchten Standard mit ferner Erinnerung an das Original, ausschließlich Kompositionen der beiden Solisten, die sich durch ihre asketische, aber intensive Interpretation für die Kultivierung der Duo-Kunst bestens eigneten.

Gegenüberstellung

Mit „Another Ralph’s“ einer sensiblen Hommage an seinen Freund Ralph Towner, Gründer der Worldmusicband „Oregon“, symbolisierte das Duo die Gegenüberstellung der eher klassisch, europäisch beeinflussten Charakteristiken Towners mit den, der Jazztradition verbundenen, Improvisationen Abercrombies.

Die ergreifende Ballade „Tears“ erinnerte zeitweise an die großen Momente der Jim Hall / Bill Evansaera, so intensiv verschmolzen die raffinierten Melodielinien Abercrombies mit den dichten Akkordstrukturen des einfühlsamen Pianisten mit der einzigartigen Anschlagtechnik, dessen Karriere eigentlich als Saxofonist bei Chico Hamilton begann.

Als Bewunderer von Alfred Hitchcock hat Abercrombie dem Regisseur eine Reihe von Kompositionen gewidmet. Ein wunderbares Beispiel lieferte er mit seiner spannungsgeladenen Komposition „Vertigo“, wo ein sachlicher Bezug zu einer klaren, introvertierten Romantik im Vordergrund stand.

Ausflug in eine fantasievolle Gefühlswelt

Die besinnlichen, manchmal nostalgischen Klänge aus der Feder des subtil agierenden Pianisten mit einzigartiger Anschlagtechnik, die durch die durchkomponierte Struktur im Wechsel mit den personalisierten Aussagen der musikalischen Dialoge das Defizit einer rhythmischen Begleitcrew komplett kompensierten, und der Verzicht auf jegliche elektronischen Soundmanipulationen machten das faszinierende Konzert zu einer Demonstration einer Exkursion in eine relaxe fantasievolle Gefühlswelt. Faszinierend war vor allem die lockere Kommunikation und die gepflegte Verführungskunst in dieses imaginäre Environment voll von fabelhafter Schönheit und lyrischer Ausstrahlung.

Ein gelungener Startschuss für die zehntägige Europatournee des vorbildlich aufeinander eingespielten Duos: Nach Düdelingen folgen Auftritte in Spanien, den Niederlanden und Deutschland.