LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

46 Prozent des nationalen Energiemixes stammten 2017 aus fossiler Energie und Atomkraft - Regierung will in der Photovoltaik nachlegen

Der Anteil von erneuerbaren Energiequellen am nationalen Energiemix ist von 21,8 Prozent im Jahr 2010 auf 53,9 Prozent in 2017 gestiegen. Während die Haushalte in Luxemburg vollständig mit Strom aus regenerativen Energiequellen versorgt werden, sieht das in der Industrie anders aus. 9,8 Prozent des nationalen Energiemixes stammten 2017 aus Atomenergie und die verbleibenden 36,2 Prozent aus Steinkohle, Braunkohle, Erdgas, Kraft-Wärme-Kopplung sowie fossile Energieträger wie Erdöl. Das geht aus Zahlen des „Institut Luxembourgeois de Régulation“ (ILR) hervor, die Energieminister Claude Turmes in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der adr zitiert. Der Oppositionsabgeordnete Fernand Kartheiser wollte wissen, ob es eine „einheitliche und verbindliche Definition“ des Begriffs „grüner Strom“ gebe, wie die Zusatzkosten für „Naturstrom“ zu rechtfertigen sind, wenn ohnehin Privathaushalte ausschließlich mit Strom aus erneuerbarer Energie versorgt werden und ob im Naturstrom auch statistische Einkäufe aus anderen EU-Staaten mit berücksichtigt sind.

Stromzulieferer haben theoretisch die Möglichkeit, einem Produzenten Strom aus erneuerbaren Quellen direkt abzukaufen. Das bedeutet aber, dass auch nur dann Strom zur Verfügung steht, wenn dieser - beispielsweise tagsüber im Falle von Solarkraft - auch produziert wird. Meistens kaufen Zulieferer ihren Strom im Großhandel.

Weiter antwortet Turmes: „Physikalisch kommt aus der Steckdose immer der Strom-Mix, aber mit jedem Vertrag über ,grünen Strom´, der abgeschlossen wird, sorgt der Kunde dafür, dass mehr Strom aus erneuerbaren Energien in diesen Mix eingespeist werden muss. So wird der Mix nach und nach ,grüner‘“. Der Großteil des Stroms aus Erneuerbaren stammte übrigens aus der Wasserkraft (41,6 Prozent des nationalen Gesamtenergiemixes), vor der Windkraft (7,4 Prozent).

Untergrenze von 500 kW könnte in Zukunft abgesenkt werden

Auch die CSV beschäftigt sich mit dem Thema erneuerbare Energien. In einer parlamentarischen Anfrage wollte die Fraktionsvorsitzende Martine Hansen wissen, warum mindestens sieben Personen in einer Kooperative zusammengeschlossen sein müssen, um von den neuen Einspeisetarifen für Solaranlagen profitieren zu können. Energieminister Claude Turmes gibt zu Protokoll, dass „das zivile Engagement gefördert werden soll“. Zudem habe, als die Regel eingeführt wurde, „das Gesetz über die Gesellschaften diese Anzahl vorgesehen hat“. Die Zielsetzung erklärt dann auch, warum sich die Mitgliedschaft auf physische Personen, gemeinnützige Vereine und Stiftungen begrenzt. „Es geht hier um die Einbindung der Zivilgesellschaft“, betont Turmes. Für Unternehmen und andere juristische Formen, die eine Solaranlage in Betrieb nehmen wollen, gebe es andere Instrumente. Der Grünen-Minister stellt derweil in seiner Antwort eine Absenkung der Untergrenze von 500 kW in Aussicht, sodass bei der nächsten Ausschreibung für Großanlagen mehr Projekte infrage kämen, „ganz im Sinn der neuen Solaroffensive der Regierung“.

Blau-Grün-Rot will in Zukunft auch die Regeln der EU-Richtlinie von 2018 für den Eigenversorgung und Energiegemeinschaften umsetzen. „Sodass zusätzliche Anreize respektive alternative Möglichkeiten zur Stromnutzung aus der Photovoltaik geschaffen werden“.

Die Umweltschutzorganisation „Mouvement Écologique“ analysiert in regelmäßigen Abständen die verschiedenen Angebote an „grünem Strom“. Mehr dazu unter tinyurl.com/mouvecogree

Unter http://www.calculix.lu finden Verbraucher das Vergleichsportal des ILR für Strom und Gas