PATRICK WELTER

Ein Bild für die Großregion zu finden fällt schwer: Ein Kind, das prächtig gedeiht, aber verkümmerte Arme und Beine hat - geschmacklos. Ein Baum mit einem prächtigem Stamm und weit auseinander stehenden Ästen, die nur in der Nähe des Stamms grün sind? Sieht zu sehr nach Dürre aus. Ein Busch mit kräftigen Wurzeln, der aber nur zehn Zentimeter hoch ist? Zu negativ.

Das ist das Problem. Die Großregion funktioniert prächtig - in ihrem Kern. Was einmal als SaarLorLux begann, hat aus politischen Gründen einen Namen, der allen entgegen schreit: „Ich bin eine große namenlose Region - deswegen heiße ich Großregion.“ Wie langweilig und uninspiriert. Dabei ist die namenlose Region ein echtes Erfolgsmodell, solange man nicht einem Menschen in Mons, Montabaur oder Epinal erklären muss, dass er mit den anderen zusammen in einer Großregion lebt. In den meisten Fällen wird sich ihnen das internationale Synonym für Verständnislosigkeit entringen: „Hää?“.

Für die Menschen in der westlichen Wallonie, auf dem rechtsrheinischen Westerwald und am Oberlauf der Mosel erschließt sich der Sinn dieses Gebildes mit dem großen Namen nur nach langem Anlauf. Die Ausdehnung ist der Webfehler im Erfolgsmodell Großregion. Die Mitte pulsiert, bebt gerade zu vor Lust an der europäischen Zusammenarbeit, aber an den Rändern weiß keiner was. Geben wir es doch zu, der wirklich funktionierende Teil der Region Namenlos ist der erweiterte SaarLorLux-Raum. Die -Vorsicht, Landesplaner-Deutsch- polyzentrische Metropolregion mit den vier Metropölchen Metz, Luxemburg, Saarbrücken und Trier ist ein einzigartiges europäisches Modell, wo wirklich vier Städte aus drei Ländern einen Wirtschaftsraum bilden. Nicht zuletzt, weil sich auch die Mentalität in den letzten dreißig Jahren geändert hat. Saarbrücken war schon immer ein Wanderer zwischen den Welten. Trier lebte lange mit dem Rücken zur Grenze und jammerte über seine Randlage, bis man sich umdrehte und entdeckte, dass hinter den Schlagbäumen auch nette Menschen wohnen. Metz ging es unter umgekehrten Vorzeichen ähnlich, die Nachbarn sind näher als das ferne Paris. Über den Wandel Luxemburgs in den letzten vier Jahrzehnten müssen wir kein Wort verlieren.

Vergrößern wir diesen Nukleus der Großregion um mehr oder weniger 50 Kilometer in alle Himmelsrichtungen finden wir noch weitere aktive Mitspieler: Im Westen Arlon, im Norden St.Vith und Eupen, im Osten Kaiserslautern und im Süden Nancy. Diese Städte markieren die äußerste Grenze der lebendigen Großregion. Lebendig deshalb, weil sich in diesem Rahmen die Menschen noch bewusst sind, dass sie Teil eines europäischen Großen und Ganzen sind, das ihnen näher ist als das ferne Brüssel.

Die politische Ebene mag anders ticken. Hier sind die Drähte zwischen Eupen, Luxemburg, Mainz, Namur, Nancy und Saarbrücken mittlerweile eng verknüpft. Noch, denn mit der Gebietsreform, die Frankreich laut seines Präsidenten braucht, wird der Partner Lothringen aufgelöst und mit der Champagne und dem Elsass zwangsverheiratet .

Wenn man in Metz oder Nancy die freie Wahl hätte, würde man lieber mit Luxemburg oder dem Saarland ins Bett gehen.