COLETTE MART

Vorige Woche gedachte die ruandische Diaspora in Luxemburg des Völkermords in Ruanda, der vor 25 Jahren die Weltöffentlichkeit und die internationale Staatengemeinschaft mit einem Drama konfrontierte, an dem sie sich selbst durch Gleichgültigkeit mitschuldig gemacht hatten. 25 Jahre nach einem Genozid, der eigentlich nach dem Zweiten Weltkrieg und angesichts der Fortschritte der Informationsgesellschaft auf keinen Fall hätte stattfinden dürfen, lohnt sich ein Blick zurück auf die Geschichte Ruandas, in der sich eine künstliche und gefährliche Differenzierung zwischen Tutsis und Hutus bereits vor 150 Jahren entwickelte.

Im 19. Jahrhundert war Ruanda in Königreich, in dem erstmals jene Bevölkerungsgruppe, die sich mit Viehzucht, befasste und „Tutsi“ genannt wurde, Macht über die „Hutu“ erlangte, die Ackerbauern waren. Die „Tutsi“ wurden zum Symbol der herrschenden Schicht, während die Hutus als die Beherrschten begriffen wurden.

Die deutschen Kolonialherren griffen erstmals 1899 diese soziale Differenzierung auf, die Tutsi wurden in die Kolonialmacht eingebunden, und eine rassistische Differenzierung von den „negroiden“ Hutus wurde gefestigt, während um die Tutsi eine Legende gewoben wurde, nach der letztere mit europäischen Völkern verwandt seien. Die Belgier setzen anschließend diese Differenzierung in Ruanda fort, und in einer Volkszählung von 1933 wurde die ethnische Zugehörigkeit von Menschen in Ruanda schriftlich festgehalten.

Die Tutsi wurden in den Missionsschulen stärker gefördert, und erhielten auf diese Weise Perspektiven, in der kolonialen Verwaltung zu arbeiten. Die Missionare änderten allerdings ihre Haltung nach dem zweiten Weltkrieg, wollten den Ungerechtigkeiten entgegenwirken, bildeten eine Elite von Hutus aus, die mehr Mitspracherecht und Demokratie förderte.

Als sich in den fünfziger Jahren die Entkolonisierung anbahnte, waren die Rivalitäten zwischen Tutsi und Hutu eines der Hauptanliegen der politischen Parteien. Bereits 1959 kam es zu Gewalttaten zwischen Hutu und Tutsi, und die Belgier reagierten, in dem sie führende Positionen auch an Hutus vergaben. Zehntausend Tutsis flüchteten in die Nachbarländer, und innerhalb Ruandas kam es immer wieder zu Übergriffen gegen die Tutsi, die Zehntausende das Leben kosteten. 1990 lebten nach Schätzungen etwa 600.000 Tutsi im Ausland, und das Land wurde durch eine Staats- und Wirtschaftskrise stark erschüttert. Die Angst vor einer Invasion der Tutsis wuchs, und die ruandische Armee wurde von Frankreich aufgerüstet.

Der Genozid, der schlussendlich im April 1994 ausbrach und bis Juli desselben Jahres andauerte, war demnach das Resultat einer jahrhundertealten Entwicklung, an der europäische Länder eine Mitschuld tragen, und der illustriert, wieweit Menschen gehen können, wenn sie von Medien aufgehetzt werden und einer verleumderischen und hetzerischen Propaganda zum Opfer fallen. Die Erinnerung an den Genozid 25 Jahre danach rührt ebenfalls daran, dass viele Mördern nie bestraft wurden, und heute in Ruanda leben.

In diesem Zusammenhang sind die aktuellen Bemühungen um die Völkerverständigung und Befriedung in Ruanda eine beachtliche politische Leistung.