LUXEMBURG
JAN SÖFJER

Jürgen Emmes bildet auf der Princesse Marie-Astrid Binnenschiffer aus, doch die Suche nach Kandidaten ist nicht ganz einfach

Genau 37 Kilometer ist die Mosel an der luxemburgischen Grenze lang. Mehr lässt sich hierzulande mit einem Schiff nicht befahren. Nicht viel für eine Binnenschifffahrt, doch alles für Jürgen Emmes, den Kapitän des Galerieschiffes MS Princesse Marie-Astrid.

Vor sechs Jahren übernahm er den Posten. Erst ein paar Monate vorher war die fünfte Princesse Marie-Astrid eingeweiht worden. Emmes hatte aber bereits früher eine ausgemusterte Marie-Astrid kommandiert: die Gutenberg in Mainz.

Nicht lange, nachdem er seinen Dienst bei der „Entente Touristique de la Moselle Luxembourgeoise“, der das Schiff gehört, angetreten hatte, dachte er sich: „Warum bilden wir hier eigentlich keine Lehrlinge aus? Sonst stehen wir irgendwann hier und haben kein Personal.“ Der damalige Direktor der Entente, Réné Sertznig, findet die Idee gut. Emmes soll das in die Hand nehmen. Doch das ist leichter gesagt, als getan. Emmes sucht mit Aushängen nach Auszubildenden - an den Schiffshaltestellen, an Schulen, über die Adem. Nichts. „In Luxemburg gibt es Binnenschiffer nicht als Ausbildungsberuf.“ Also fährt er - gemeinsam mit Sertznig - dorthin, wo die deutschen Nachwuchs-Binnenschiffer ausgebildet werden: Nach Duisburg. Dort liegt das Schulschiff des „Schiffer-Berufskollegs Rhein“. In jedem der drei Lehrjahre verbringen die Azubis drei Monate am Stück dort und wohnen auch auf dem Schiff. Dann trifft er auf Lothar Barth, der ehemalige Leiter des Schulschiffes ist mittlerweile Geschäftsführer einer Personalsachfirma, die Binnenschiffer-Azubis auf Schiffe vermittelt - gerne auch schwierige Fälle.

„Du musst leiden, damit das Schiff schön aussieht“

„Geschosse“ nennt Emmes die Jungs. „Ich hatte hier schon so einige Kandidaten.“ Einer war 30, wurde aber von seinen Eltern gebracht. Warum er so viel putzen müsse, fragte er schnell. Die falsche Frage für Emmes, der sogar selbst den Schiffsrumpf abschleift und neu lackiert, wenn es Zeit ist. Sein Motto: „Du musst leiden, damit das Schiff schön aussieht.“ Das Schiff sauber zu halten, ist eine Kernaufgabe. Nach vier Wochen ist der Lehrling - er hatte schon einen Vertrag - weg.

Der nächste ist Mitte 20 und fleißig. „Dann habe ich den Fehler gemacht, ihn einen Abend frei machen zu lassen“, sagt Emmes. „Er trank mit Leuten im Park, lief völlig durchgedreht rum. Und dann ist auch noch eine Scheibe auf Emmes‘ Hausboot eingeschlagen worden, auf dem er den Azubi hat wohnen lassen. Emmes wird klar, dass das nichts wird. Wieder ein anderer schaut sich alles zehn Tage lang an, es gefällt ihm. Doch dann ist er morgens einfach verschwunden.

Und dann kommt Brandon Fleurance. Auch nicht aus der Gegend, aber in Bollendorf in der Eifel aufgewachsen. Mit ihm läuft es. Auch beim Rumpfschleifen und Lackieren packt er mit an. Am 22. April sind seine drei Lehrjahre vorbei und er wird freigesprochen, wie es heißt - der erste in Luxemburg ausgebildete Binnenschiffer. Nun arbeitet der 23-Jährige auf einem Frachtschiff, ist auf Rhein und Donau unterwegs. Für Emmes geht derweil das Spiel von vorne los. Der nächste Kandidat hat sich schon angekündigt.