LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Vorläufige Form der elektronischen Patientenakte geht Ende Mai in die praktische Testphase

Angekündigt wurde es schon nach der Quadripartite vor zwei Wochen, nun ist es offiziell: Ab Ende Mai/Anfang Juni wird das so genannte Dossier de Soins Partagé (DSP), die elektronische Patientenakte auf freiwilliger Basis und bei einer begrenzten Patienten-Zielgruppe in der Praxis getestet. Einstimmig hat diesen Beschluss am 30. April der Verwaltungsrat der Agence eSanté gefasst, dem Vertreter der Ärztevereinigung (AMMD), der Krankenhausföderation (FHL), der Labore (FLLAM), der Pflegeinstitutionen (COPAS), der Apotheker, der Patientevertriedung sowie der CNS, des „Centre Commun“ der Sozialversicherung und des Gesundheits- und des Sozialministerien angehören. Vorher gab es grünes Licht dafür von der Nationalen Datenschutzkommission.

„Das DSP, das auf der Gesundheitsreform von 2010 gründet, ermöglicht eine besser koordinierte Betreuung des Patienten“, sagte Sozialminister Romain Schneider (LSAP) gestern, als er die Testphase zusammen mit Gesundheitsministerin Lydia Mutsch (LSAP) ankündigte.

Zunächst richtet sie sich an Patienten, die von einem Referenzarzt betreut werden, bevor im Herbst eine limitierte Anzahl anderer Freiwilliger in die Pilotphase aufgenommen werden sollen. Und zunächst handelt es sich auch um ein „DSP de préfiguration“. Erst wenn die Schlussfolgerungen aus dieser praktischen Phase vorliegen, wird die großherzogliche Verordnung geschrieben, die dann als Grundlage für die generelle Einführung des DSP gilt - Ende 2016 könnte es dann für die gesamte Patientenwelt so weit sein. „Wir treten in eine neue Ära der Gesundheitsversorgung ein“, sagte Mutsch (LSAP). Sie erwartet sich vom DSP in erster Linie mehr Sicherheit für den Patienten: „Dadurch dass wichtige Informationen über den Patienten, wie Allergien zugänglich sind, können Komplikationen mit möglicherweise dramatischen Folgen verhindert werden - bei allen Garantien für den Datenschutz. Bei einem Veto der Datenschützer gäbe es jetzt keine Testphase.“ Das DSP trage aber auch zur Qualität der Betreuung bei und helfe nicht zuletzt die Kosten im Griff zu behalten. Denn Strahlen- und andere Belastungen durch unnötige Untersuchungen ließen sich dann vermeiden.

Zunächst müssen aber noch viele Hürden genommen werden, klang gestern an. „Wir haben die technische und die juristische Phase geschafft, jetzt geht es um den Vertrauensgewinn bei Ärzten und Patienten - das ist die Herausforderung der nächsten zwei Jahre“, sagte CNS-Präsident Paul Schmit. Auch bei der Interoperabilität mit den Krankenhäusern und den Informatiksystemen der Ärzte sei noch einiges zu klären. Die in Frage kommenden Patienten werden nun in Etappen angeschrieben und die Dienstleister des Gesundheitssystems - ob Pfleger, Physiotherapeuten, Apotheker oder Ärzte - vorbereitet. „Wir haben die Testphase eingeläutet, um verschiedene Akteure zu dynamisieren“, sagte Schmit.
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