LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Neue Ausstellung in der Villa Vauban widmet sich auch luxemburgischen Landschaftsmalern

Während mit Gemälden und Zeichnungen von Paula Modersohn-Becker (1876-1907) ein Teil des Erdgeschosses der Villa Vauban seit kurzem einer deutschen Künstlerin gewidmet ist, richtet zeitgleich ein Stockwerk tiefer eine Gemeinschaftsausstellung ihren Blick auch auf luxemburgische Künstler. Zusammengestellt wurde sie aus den eigenen Sammlungsbeständen der Stadt Luxemburg. „Sie knüpft in zweierlei Hinsicht an das Thema im Erdgeschoss an: Zum einen geht es um Landschaften in der Malerei, zum anderen wird das Thema Künstlergruppen in der Malerei aufgegriffen“, erklärt Angelika Glesius, beigeordnete Kuratorin der Villa Vauban. Rund 60 Gemälde vom 19. Jahrhundert bis heute sind in der Expo „So weit das Auge reicht“ zu sehen.

Die entscheidende „Schule von Barbizon“

Der erste Raum ist thematisch zweigeteilt in „Zwischen Moor und Wasser - Norddeutsche Landschaften“ und „Zwischen Barbizon und Nordsee - Frankreich, Belgien und die Niederlande“. Entscheidend für die Etablierung der Freilichtmalerei in ganz Europa war die Schule von Barbizon. „Sie gilt als die Keimzelle und als Ursprung der Landschaftsmalerei im frühen 19. Jahrhundert. Die Künstler haben angefangen, tatsächlich ins Freie zu gehen, um dort ihre Naturbeobachtungen anzufertigen“, bemerkt die Kuratorin. Zu den Gründervätern einer Künstlergruppe, die sich um 1830 im Wald von Fontainebleau gebildet hatte, zählt Jean-Baptiste Corot (1796-1875). Das eigentliche konkrete Motiv der Landschaft rückte bei ihm in den Hintergrund, vielmehr ging es um das Zusammenspiel von Licht- und Witterungsverhältnissen. Eine andere Facette der französischen Malerei des 19. Jahrhunderts zeigen die Werke von Gustave Courbet (1819-1877), der als einer der Begründer des französischen Realismus gilt, demnach weniger für seine Landschaften bekannt ist als vielmehr für seine sozialkritischen, realistischen Bilder.

Die Landschaftsmalerei beschränkt sich natürlich nicht auf Frankreich. Auch in Belgien und den Niederlanden entstanden im 19. Jahrhundert verschiedene Künstlergruppen, deren großen Vertreter in der Villa Vauban zu sehen sind, so etwa Johannes Hubertus de Haas (1832-1908). Auch er wandte sich wie seine Zeitgenossen von der klassischen Akademiemalerei ab. In den Niederlanden wurde seinerzeit allerdings noch spürbarer an die Tradition der Malerei des Goldenen Zeitalters angeknüpft.

In Belgien verloren die Kunstakademien gleichermaßen an Einfluss. In Brüssel bildete sich etwa unweit des Botanischen Gartens eine Künstlergruppe, der Gustave Victor Speeckaert (1843-1887) angehörte. Bekanntheitsgrad erlangte er wegen seiner lichtdurchfluteten Waldlandschaften.

Unter dem Thema „Zwischen Moor und Wasser - Norddeutsche Landschaften“ finden sich im gleichen Saal drei Werke von Otto Modersohn (1865-1943) sowie Gemälde des luxemburgischen Landschaftsmalers Frantz Seimetz (1858-1934). Ursprünglich von der Mosel stammend, zeichnete sich sein Leben durch viele Reisen aus, was sich auch in seinem Werk niederschlägt. „Da er tatsächlich im Freien gemalt hat, entstanden vor allem kleinformatige Gemälde. Der tiefliegende Horizont sowie eine weite flache Landschaft sind typisch für Seimetz. Das Thema Wasser zieht sich durch sein gesamtes Werk“, erläutert Glesius.

Begründer der luxemburgischen Sezession

Unter dem Motto „Zwischen Stadt und Land“ widmet sich der zweite Raum Luxemburger Landschaften im 20. Jahrhundert. „Im Großherzogtum gab es zwar keine Künstlerkolonie, dafür aber eine Künstlerbewegung, die sich von der klassischen Akademiemalerei oder der hierzulande vorherrschenden Institution, dem ,Cercle Artistique‘, abwandte: die sogenannten Sezessionisten“, so Glesius. Einer der Hauptprotagonisten war Jean Schaack (1895-1959), in dessen motivisch sehr heterogenem Werk bereits ein deutlicher Schritt in die Abstraktion zu erkennen ist. „Interessant ist, dass er seine Maltechniken und Darstellungsart dem jeweiligen Motiv anzupassen versteht. Seine Stadtansichten sind beispielsweise viel grafischer, kontrastreicher oder scharfkantiger als seine oftmals geschwungeneren Naturlandschaften“, bemerkt sie.

Überdies sind Gemälde von allen großen Vertretern der damaligen Luxemburger Kunstszene zu sehen, von Joseph Kutter über Jean-Pierre Beckius und Jean Noerdinger bis hin zu Nico Klopp. Letzterer kann im dritten Saal unter dem Motto „Zwischen Mosel und Meer - Landschaften am Wasser“ entdeckt werden. Er geht in seiner sehr variantenreichen Malerei bereits einen Schritt weiter in Richtung Moderne. Das gilt besonders für die Gemälde, die er während seiner Auslandsaufenthalte realisiert hat. In diesem dritten Raum sind außerdem verschiedene Winterlandschaften des 19. und 20. Jahrhunderts zu sehen. „Der Winter war für Maler immer schon besonders interessant, weil die Lichtverhältnisse anders waren“, weiß Glesius.

Der radikale Bruch folgt im letzten Ausstellungsraum, wo unter dem Thema „Zwischen Tradition und Abstraktion - Zeitgenössische Landschaften“ rezente Neueinkäufe der Stadt Luxemburg begutachtet werden können, so etwa ein monumentales Bild der belgisch-stämmigen Künstlerin Leen van Bogaert (*1959), die in Luxemburg lebt, genau wie eine Serie abstrakter Landschaften von Renée Oberlinkels (*1949).

Die Ausstellung „So weit das Auge reicht“ läuft bis zum 10. Juni. Alle Infos unter www.villavauban.lu