ROBY BIWER

Auch wenn Luxemburg aktuell von wirtschaftlichem Wachstum geprägt ist, heißt das noch lange nicht, dass es dem Land auch gut geht. „Die Natur, Garant unser aller Lebensqualität, steht hierzulande nämlich massiv unter Druck.“ Der kürzlich von der Regierung vorgelegte Nationale Naturschutzplan (PNPN 2) beinhaltet viele gute Ansätze, allerdings müssen nun auch Taten folgen, führt Roby Biwer, Präsident der natur&ëmwelt a.s.b.l., aus.

„In den letzten Jahrzehnten nahm die Biodiversität in Luxemburg in besorgniserregendem Maße ab. Ein Großteil der hierzulande vorkommenden Tier- und Pflanzenarten sind in ihrem Bestand bedroht. Dies liegt vor allem an dem massiven Verlust der Lebensräume durch die hohe Zerschneidung, dem unkontrollierten Wachstum der Siedlungen, dem Ausbau von Verkehrswegen, der Intensivierung der Landwirtschaft, der Umwandlung von Feuchtgebieten und Gewässerläufen sowie dem insgesamt nicht zufriedenstellenden Zustand der Gewässer.

Mit ihrem neuen Nationalen Naturschutzplan für die Jahre 2017 bis 2021 möchten Umweltministerin Carole Dieschbourg und Staatssekretär Camille Gira nun ‚richtig Gas geben‘, zum Ausruhen sei keine Zeit. Um die Fülle der anvisierten Maßnahmen umsetzen zu können, benennt der PNPN 2 einen budgetären Rahmen, der die kommenden Jahre zur konkreten Umsetzung der neu gesteckten Objektive bereitgestellt wird. Denn erstmals definiert der Nationale Naturschutzplan konkrete Zielsetzungen für die kommenden fünf Jahre. Diese Langzeitziele sollen aus naturschutzfachlicher Sicht den Erhalt bedrohter Lebensräume und Arten auf nationaler Ebene sicherstellen.

Der Plan nennt 28 konkrete Maßnahmen zur Wiederherstellung von Habitaten. So sollen etwa neben zahlreichen anderen Lebensräumen 100 Hektar Auenwälder renaturiert werden. Dies hat nicht nur einen sehr positiven Effekt auf den Wasserschutz, sondern stärkt auch den Artenschutz. Im Rahmen der Umsetzung der europäischen Direktiven werden derzeit die Managementpläne der luxemburgischen Natura 2000-gebiete aktualisiert. Damit kommt das europäische Schutzgebietsnetz in eine Phase, in der die Implementierung der Schutzmaßnahmen im Vordergrund steht. Parallel dazu hat sich die Regierung mit dem neuen PNPN ehrgeizige Ziele bei der Ausweisung weiterer nationaler Schutzgebiete gesteckt. Bis 2021 sollen weitere 40 Gebiete hinzukommen, deren Ausweisung bereits seit langem überfällig ist. Dies ist äußerst wichtig zum Erhalt und zur Vernetzung von bestehenden Lebensräumen. Indem alle Gemeinden bis 2021 einem Naturschutzsyndikat beitreten müssen, wird die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure zum Beispiel bei der Umsetzung der Managementpläne verbessert.

Der vorgelegte Nationale Naturschutzplan erkennt den massiven Handlungsbedarf zum Erhalt und dem Ausbau der Natur an und präsentiert auch gute Maßnahmen. Nun gilt es allerdings die Umsetzung anzugehen. Hier sind alle im Naturschutz tätigen Akteure, wie die Naturverwaltung, die sogenannten ‚Biologischen Stationen‘ und Gemeinden ebenso gefordert wie natur&ëmwelt, die im Rahmen zahlreicher Projekte an der konkreten Umsetzung der Ziele des PNPN 2 mitarbeiten. Gleichzeitig sind aber auch der Dialog und die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und der Landesplanung gefordert, denn nur ein gesellschaftlich breit verankerter Naturschutz hat mittel- und langfristig eine Chance, die gesteckten Ziele auch nachhaltig zu erreichen.“