LUXEMBURG
COLETTE MART

Die Einsamkeit ist ein Tabu-Thema, das viele menschliche Gesellschaften betrifft und paradoxerweise in einer mediatisierten Welt eher zunimmt. Eine Studie der europäischen Kommission stellte fest, dass sich europaweit 30 Millionen Menschen einsam fühlen, und 75 Millionen angeben, nur einmal im Monat Kontakt zu anderen Menschen zu haben.

Es gibt verschiedene Faktoren, die Einsamkeit fördern, wie zum Beispiel Migration, Alter, oder auch Armut. Wer aus seinem Heimatland wegzieht, und vielleicht in einem anderen EU-Land seine Kinder großzieht, kann nicht auf die alltägliche Unterstützung von Großeltern zählen. Sind Eltern darüber hinaus alleinerziehend und von Armut bedroht, kann auch die Einsamkeit in ihrem Leben zum Problem werden. Einsamkeit hat Konsequenzen auf die Gesundheit und führt zu Depressionen, Herzproblemen, so dass sie direkte Folgen für die öffentliche Gesundheit hat.

Besonders betroffen sind ältere Menschen; viele europäische Länder kennen ebenfalls Probleme der Altersarmut, da der Zusammenhalt der Generationen nicht mehr unbedingt funktioniert, die Alten keine oder nur minimale Renten haben, sich also keine Beteiligung am gesellschaftlichen Leben leisten können.

Die modernen Lebensgewohnheiten können die Einsamkeit des Einzelnen noch durchaus verstärken. Viele junge Menschen verheddern sich in den sozialen Medien, und der allgemeine Konkurrenzkampf in der modernen Gesellschaft führt dazu, dass das Vertrauen zwischen den Menschen verschwindet, Freundschaften demnach mit Vorsicht angegangen werden, und auch Kollegialität im Beruf keineswegs immer gegeben ist. Verrat und Mobbing sind in vielen beruflichen Milieus an der Tagesordnung, und auch dies führt beim einzelnen Menschen oft zum Rückzug.

Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass in den europäischen Städten immer mehr Menschen allein leben; durch die hohe Zahl an Scheidungen gibt es auch immer weniger gut funktionierende Familien, wo Zusammenhalt und Unterstützung zwischen den Generationen der Einsamkeit aller vorbeugt. Eine relativ freizügige Sexualität schützt ihrerseits keineswegs vor Einsamkeit; vielmehr können Menschen aus einem Gefühl der Einsamkeit heraus schlechte sexuelle Erfahrungen machen, sich zu leicht verführen lassen.

Auf gemeindepolitischer Ebene wird das Thema schüchtern angegangen. Derweil es im Ausland bereits interessante Erfahrungen des Zusammenschlusses von Kinder- und Altenheimen gibt, derweil auch Möglichkeiten von Alten-Wohngemeinschaften, respektive des Zusammenlebens zwischen Studenten und alten Menschen in die Wege geleitet werden, sollten all diese Initiativen nicht von einer grundlegenden Analyse der Einsamkeit - siehe oben - ablenken. Interessante Ansätze zu einem besseren Verständnis der emotionalen Bedürfnisse des Menschen sind Empathie- und Achtsamkeitstraining, die sich in vielen Schulen und Institutionen durchsetzen, und Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu den wesentlichen Bedürfnissen des Menschen zurückführen.