COLETTE MART

Der Welttag der Suizidprävention, der am 10. September zelebriert wurde, wirft einige Fragen über gesellschaftliche Entwicklungen auf, die Depressionen fördern. Luxemburg bildet hier keine Ausnahme, auch wenn der Lebensstandard bei uns vergleichsweise hoch und die finanzielle Absicherung, insbesondere auch älterer Menschen, relativ gut ist.

Bevölkerungsstatistiken ergeben, dass heute immer mehr Menschen allein leben, und zwar in allen Alterskategorien, und dass sich also in der Gesellschaft neue Formen der Einsamkeit offenbaren.

Im Zeitalter der Digitalisierung entstanden paradoxerweise zahlreiche Kommunikationsprobleme dadurch, dass Menschen immer mehr über Email, SMS und Facebook miteinander in Verbindung stehen, als dass sie sich treffen und versuchen, direkt miteinander zu reden. Kommunikation wird einsilbiger.

Auch die Trennung von Eltern und Kindern im Alltag zwingt unsere Gesellschaft dazu, sich Fragen über die Kommunikation in den Familien zu stellen. Die Möglichkeit, Kinder ganztägig in einer „Maison Relais“ betreuen zu lassen, ermutigt einige dazu, die Erziehung ganz auf öffentliche Institutionen abzulegen. Verschiedene Eltern wissen nicht mehr, was ihre Kinder bewegt und welche ihre Sorgen sind, Empathie geht verloren.

Seltsamerweise stellt man auch fest, dass viele junge Menschen allein sind, keinen Partner haben, obwohl zahlreiche Begegnungsmöglichkeiten geboten werden, und diese sogar im Vergleich zu früheren Zeiten beständig ausgebaut werden. Jugendhäuser, Diskotheken, Freizeitaktivitäten für Jugendliche sind nur einige Beispiele dafür, wie junge Menschen zusammengebracht werden, und trotzdem nicht unbedingt Beziehungen aufbauen. Die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation bieten auch neue Formen der sozialen Ausgrenzung und des Mobbings; viele Kinder und Jugendliche leiden darunter, was ihre Freunde über sie „posten“, und es wird immer schwieriger, sich mit normalen Mitteln, das heißt durch Aussprache und sympathisches Miteinander, zu verständigen und auch Probleme zu klären. Das Berufsleben ist heute sehr viel komplexer geworden, der Mensch zählt nicht mehr unbedingt, Mitarbeiter werden über Email benachrichtigt, dass sie von bestimmten Projekten ausgeschlossen werden, oder aber man spricht überhaupt nicht mit ihnen. Die viel gepriesene Partizipation und das Mitspracherecht von Mitarbeitern existiert dann auch oft nur theoretisch, Fakten werden stillschweigend hinter ihrem Rücken geschaffen, der Feind ist unsichtbar und schwer zu lokalisieren.

Des Weiteren ist jede Form des Statusverlustes, des Verlustes an finanziellen Mitteln, mit Schamgefühlen und demgemäß auch emotionalem Rückzug verbunden. Viele erfahren keine Zärtlichkeit, was schlussendlich die Prostitution fördert, wo viele, auch ältere Menschen zum Beispiel, ein wenig körperliche Nähe suchen. All diese gesellschaftlichen Entwicklungen sollten uns zu denken geben, wie wir in unserem persönlichen Umfeld der Kommunikationslosigkeit entgegenwirken können, das Gespräch suchen können, die Einsamkeit des anderen verstehen und Empathie entwickeln können.