PARIS
CATHERINE NOYER

Eine Ausstellung in der Fondation Louis Vuitton zeigt das Schaffen der Designerin und Künstlerin

VSie kannte die großen Künstler ihrer Zeit, arbeitete mit dem Architekten Le Corbusier zusammen, für den sie zehn Jahre lang die Möbel entwarf. Charlotte Perriand war eine der Frauen, die lange vor der Emanzipation schon emanzipiert war und Designgeschichte schrieb.

1903 in Paris geboren studiere sie in den 1920er Jahren Innenarchitektur an der „Union Centrale des Arts décoratifs“. 1927 wurde sie Teilhaberin von Le Corbusier und Pierre Jeanneret, wo sie unter anderem an der Einrichtung der Villa Church, Villa Savoye und dem „Pavillon Suisse“ der Cité Universitaire, den Hauptwerken der beiden Architekten, mitarbeitete.

1929 stellte sie ihre Möbel auf dem „Salon d’Automne“ vor. Ihr Fokus lag nicht ausschließlich auf der Innenarchitektur, sie widmete sich auch der Kunst, ein Grund aus dem ihre zeitgenössischen Künstlerfreunde ebenfalls die Ausstellung abrunden.

Die freidenkende und sportliche Designerin reiste nicht nur sehr gerne, sie achtete auch auf die Natur und Umwelt, war offen für den Dialog der Kulturen. Ihr soziales, künstlerisches und politisches Engagement gehörte ebenfalls zu ihrem Tagesablauf. Charlotte Perriand arbeitete

mit vielen Materialien, von der Chromröhre über Stroh, rohem Holz, Bambus, bis zu Fertigelementen und Polyester.

Sie verstand es Design, Architektur, Urbanismus, Handwerk und Skulptur zu verbinden ohne dabei die menschliche und wirtschaftliche Seite ihrer Kreationen außer Acht zu lassen. In der Ausstellung in der Fondation Louis Vuitton in Paris werden derzeit ihre Werke gezeigt, die mittlerweile Kultstatus haben, sowie die Verbindung, die sie zu den größten Künstlern ihrer Zeit hatte. „Die Kunst zu wohnen“ war ihr Motto das in ihren Kreationen deutlich wird.

Es ist die erste Ausstellung, die die Fondation Louis Vuitton einem einzelnen Künstler widmet. Über vier Etagen ist der Werdegang von Charlotte Perriand nachzuvollziehen. Bereits in ihren Anfängen überarbeitete sie die Wohnung mit der Zusammenarbeit von Le Corbusier et Pierre Jeanneret, sowie ihrem politischen, sozialen und künstlerischen Engagement, oft an der Seite von Fernand Léger. Dieser Thematik ist die erste Galerie gewidmet. Die zweite befasst sich mit der Natur und der „Art brut“, eine Kunst jenseits der etablierten Formen und Strömungen, die auf Jean Dubuffet zurückzuführen ist.

„Man muss seine Zeit leben“

Entscheidend war für die Designerin eine Reise nach Japan zu Beginn der 1940er Jahre, wo ihr die Verbindung zwischen Kreation und Tradition bewusst wurde und bei ihr zu einem Dialog der Kulturen führte. Ein weiterer Abschnitt schafft einen Dialog der Werke von Charlotte Perriand mit denen von Robert Delauney, Simon Hantaï, Alexander Calder, Pablo Picasso, Henri Laurens und Fernand Léger.

Ihre Liebe zu den Bergen wird auch in verschiedenen Kreationen deutlich, wie beispielsweise das 1938 entworfene Alpenbiwak Tonneau. Damit zeigt sie eine Möglichkeit, die Liebe zum Bergsteigen auszuleben und gleichzeitig die Natur zu respektieren, ohne sie zu zerstören.

Charlotte Perriand war eine Visionärin, die die Evolution ihres Jahrhunderts lebte, wie in ihren Kreationen deutlich wird. Ihre Werke sind der Schlüssel sowohl zum zeitgenössischen Lebensstil als auch zu den künstlerischen und intellektuellen Interaktionen des 20. Jahrhunderts. „Leben bedeutet nach vorne zu schauen. Man muss seine Zeit leben“, war ihr Motto. Sie lebte ihre Zeit mit den vorhandenen industriellen und handwerklichen Techniken, benutzte unter anderem Metall, Holz, Bambus, Stein, emailliertes Blech, Glas oder Polyester. „Nichts wird ausgeschlossen, es gibt keine Vorgaben“ war einer der Lieblingssätze von Charlotte Perriand, die bis ins hohe Alter kreierte und 1999 in Paris starb.

Bis zum 24. Februar - www.fondationlouisvuitton.fr