FOETZ
CORDELIA CHATON

Die „molecular plasma group“ aus Foetz verändert durch Molekular-Plasma-Technologie Labortests ebenso wie Materialeigenschaften

Als Marc Jacobs hörte, dass Daimler 774.000 Mercedes-Modelle in den USA zurückrufen musste, weil ein Kleber nicht gehalten und sich das Sonnendach gelöst hatte, wusste er, dass er neue Kunden haben würde. Denn Jacobs kann Oberflächen in Sekundenschnelle verändern. „Dann hält der Kleber oder Teflon lässt nicht mehr alles abgleiten oder Nanopartikel haften auf Textilien oder Leder“, verrät er. Im Fall von Mercedes gab es Probleme mit der Vorbereitung der Oberfläche fürs Kleben. „Ein bisschen Molekular-Plasma aufs Glas und schon hält der Kleber sofort“, lächelt der 55-Jährige.

Er ist CEO von „mpg.“ aus Foetz. Das Akronym steht für „Molecular Plasma Group“. Das Start-up ist auf die Behandlung von Oberflächen spezialisiert. „Durch unsere Technologie kann jede Oberfläche, von Glas bis zu Textil oder Leder verändert werden. Wir tragen eine unsichtbare, sehr dünne Nanoschicht auf, die quasi auf jedem Untergrund haftet“, erzählt er. In einem Jahr hat mpg. über 50 Projekte durchgeführt, die teils noch laufen. „In ungefähr drei Viertel aller Fälle hatten wir sehr gute Ergebnisse“, freut er sich. Egal, ob Teflon oder Metall: mpg. ändert die Oberflächeneigenschaften.

Die Idee dazu ist ihm nicht selbst gekommen. Aber sein Weg hat ihm erlaubt, das Potential zu erkennen. Jahrelang war er in der Plastikindustrie bei Plastipak tätig, erst in Bascharage, dann in Europa. Mit 50 Jahren fragte er sich, was er die nächsten 50 Jahre machen würde, stieg aus und verbrachte ein Jahr an der London Business School. „Ich brauchte Sauerstoff fürs Gehirn“, sagt er im Rückblick. Zurück in Luxemburg gründete Jacobs Unternehmen im Beratungsbereich und stieß bei seiner Suche nach Investitionsmöglichkeiten eines Tages auf Forscher vom „Luxembourg Institute of Science and Technology“ (LIST) und Forscher des flämischen Instituts für technologische Forschung (VITO), die sich mit Cleantech und Nachhaltigkeit befassen. Gemeinsam mit einem Partner kaufte er bei VITO ein Dutzend Patente. 2016 gründeten sie mpg. als spin-off von LIST und VITO. Der erste Mitarbeiter war noch ein Weggefährte aus dem Plastikgeschäft, der von der Idee so begeistert waren, das er mit einstieg. Weitere folgten. „Dann hatten wir ein tolles Team und eine Supertechnologie. Uns fehlten nur noch die Probleme, die wir mit dieser Technologie lösen konnten“, erinnert sich der Mehrfach-Unternehmer.

Die ließen nicht lange auf sich warten. Zwar darf er die meisten seiner Kunden nicht nennen, aber die in der Raumfahrt aktive ArianeGroup, der Kofferhersteller Samsonite oder das deutsche Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen gehen dann schon. Konzerne aller Branchen kommen nach Foetz, um zu sehen, wie Molekular-Plasma Oberflächen verändert. „Plasma ist der vierte Zustand nach fest, flüssig und gasförmig“, sagt der CEO. Das Unternehmen meldete weitere Patente an. „Wir investieren viel in geistiges Eigentum“, unterstreicht der Chef. Er forscht weiter. „Jetzt sind wir auch Teil des flämischen Plasmosol-Projekts, bei dem wir mit industriellen Partnern sowie den Universitäten Gent und Antwerpen arbeiten“, berichtet Jacobs.

Sein Unternehmen hat auf Messen Auszeichnungen als Start-up gewonnen und beim Fit4Start-Programm von Luxinnovation mitgemacht. „Das hat uns sehr geholfen, insbesondere das Coaching.“ Auch dem Technoport in Foetz ist er dankbar, selbst wenn die Halle bald zu klein sein wird. Jacobs wirkt immer noch ein bisschen überrascht über seinen Erfolg. Doch da alle Kunden zahlen, ist der auch nachweisbar. Die Arbeit nimmt zu. Jacobs will bis Jahresende fünf neue Mitarbeiter zu den bisherigen zehn einstellen, kooperiert weiter mit dem LIST, an das er sich im März durch ein Memorandum of Understanding weiter bindet und ist zuversichtlich. „Unsere Technologie ist sehr, sehr umweltfreundlich, auch das trägt zu ihrem Erfolg bei“, sagt er.

Denn mpg. arbeitet an einer bahnbrechenden Lösung für den medizinischen Bereich. Gemeinsam mit der Universität Löwen hat er Tests zur Immobilisierung von Antikörpern durchgeführt. „Damit ließe sich ein Großteil aller In-vitro-Tests abdecken. Statt heute in 24 bis 72 Stunden würde das Fixieren von Antikörpern in zehn Sekunden möglich. Das ist ein komplett neues Verfahren, dass die Produktion von In-vitro-Tests wesentlich vereinfachen und viel kostengünstiger machen kann.“ Das, erklärt er weiter, wäre dann auch dezentral möglich und würde so beispielsweise Entwicklungsländern helfen. Doch das ist noch Zukunftsmusik. „Und es wäre mein Traum“, sagt Jacobs.


Am 12.3. veranstaltet mpg. einen Tag der Offenen Tür zwischen 11.00 und 14.00, zu dem auch Sasha Baillie, CEO von Luxinnovation, sowie Thomas Kallstenius, CEO des LIST, kommen werden. Kunden werden über ihre Erfahrungen sprechen und mpg. wird ein Memorandum of Unterstanding mit dem LIST unterzeichnen. Interessenten können sich vorab anmelden.