LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Trendiction registriert im Internet Daten auf verschiedenen Plattformen von Twitter über Youtube bis Facebook und wertet die Tendenz für seine Kunden aus

Robert Glaesener ist froh. Der 43-jährige Luxemburger ist Vorstandsvorsitzender von Trendiction, einem Unternehmen, das im multimedialen Monitoring aktiv ist. „Der Markt wächst“, freut er sich. „Von 2,75 Millionen Euro vor ein paar Jahren zu nun 800 Millionen Euro weltweit.“ Glaesener ist entschlossen, seinen Anteil am Kuchen zu erhalten. „Wir sind trotz starker Konkurrenz immerhin unter den Top fünf weltweit, die in diesem Geschäft aktiv sind.“

Wir, das ist zum einen Glaesener selbst. Zehn Jahre lang hat er als angestellter Geschäftsführer die Bank Internaxx bis 2010 geleitet, dann wechselte er zu Trendiction. Dorthin hatten ihn Thibaut Britz und Christophe Folschette geholt, die das Unternehmen 2009 aus der Taufe gehoben haben. Während Britz sich um die Informationstechnologie kümmert, ist Folschette für den Verkauf zuständig. Glaesener kümmert sich um Marketing und Finanzen.

Trends im Netz aufspüren

Das Geschäft von Trendiction besteht darin, für Kunden Trends aufzuspüren. Will beispielsweise ein Automobilhersteller wissen, was über ihn im Internet gesagt wird, kann er Trendiction engagieren. „Wir durchsuchen dann beispielsweise einmal pro Minute Seiten wie Facebook, Twitter, Facebook, Flickr, Youtube, Instagram, LinkedIn, Blogs, Foren und Nachrichtenseiten“, erklärt Glaesener. „Es geht nicht um einen page rank, sondern um einen influence rank. Mit unserem Produkt Talkwalker können wir aber nicht nur feststellen, ob mehr oder weniger gesagt wird, sondern auch, ob es positiv oder negativ ist. Oder beispielsweise grafisch darstellen, wie viel weltweit über diese Marke im Vergleich zu einer anderen gesagt wurde.“ Schon führt er praktisch vor, was er meint. Auf dem Bildschirm tauchen rosa-rote Kreise auf. Rot für die eine Marke, rosa für den Konkurrenten. Versuche mit „Luxemburg“ oder „digitales Luxemburg“ erbringen weit weniger Treffer.

Glaesener findet die digitale Initiative der Regierung aber gut. „Wir sind dafür. Das kann für Luxemburg die gleiche Bedeutung bekommen wie heute der Finanzsektor. Es wurde ja auch schon viel gegründet: Skype, Flashiz, Yellow, EuroDNS. Für so ein kleines Land ist das enorm. Und diese Unternehmen haben einen echten Bekanntheitsgrad.“

Derzeit hat Trendiction seinen Sitz im „Future Lab“ der BGL BNP Paribas. 45 Mitarbeiter sind hier auf der ehemaligen Direktionsetage aktiv. „Das ist toll, weil unsere Informatiker beispielsweise in jenen schallgeschützten Räumen arbeiten können, in denen früher die Berater ihre Kunden empfangen haben“, lächelt Glaesener. Der Blick aus dem fünften Stock auf das historische Gebäude der Spuerkess an der Avenue de la Liberté ist auch nicht zu verachten. Glaesener weiß, dass Trendiction irgendwann umziehen muss, wenn es so weiterwächst. Die Kunden sitzen zu 95 Prozent im Ausland. „Kann schon sein, dass wir unserer Kunden wegen eine Niederlassung in den USA eröffnen. Im Moment sind wir aber froh, hier zu sein“, sagt der CEO. Luxemburg sei für den Verkauf ideal. „In Deutschland gibt es nur Deutsche, in Frankreich nur Franzosen - wir können alles von hier aus machen und haben ein neutrales Image.“ Anders als Netflix hat Trendiction keine Probleme, Mitarbeiter zu finden. „Wir haben ein Image als progressives open-source-Programm. Das interessiert viele. Und anders als in Paris oder London sind die Leute hier nicht so teuer und eher treu.“

Twitter-zertifiziert

Ein Erfolg von Trendiction ist die Zertifizierung durch Twitter. „Das können nur drei Unternehmen in Europa vorweisen“, meint Glaesener stolz. Trendiction bietet die Abdeckung von 180 Ländern in 150 Sprachen. Kunden erhalten Mails, wenn es besonders viel Verkehr zu einem bestimmten Stichwort gibt. Solche Dienste interessieren große Marken, aber auch Medienagenturen und Politiker. Die Suche lässt sich verfeinern. Wer twittert beispielsweise über „Aspirin und unerwünschte Nebenwirkungen“? Wie erfolgreich war die Kampagne für ein Produkt vor zehn Monaten. „Wenn von 10.000 Tweets 80 Prozent positiv sind, ist der Launch geglückt“, erklärt Glaesener.

Er ist froh, dass Trendiction nach und nach gewachsen ist. So brauchte das Unternehmen keine großen Kredite. Auch seinen Wechsel vom Angestellten-Dasein zur Selbständigkeit hat er nicht bereut. „Ich habe viele Leute im Bekanntenkreis, die auch so etwas gemacht haben. Die verstehen mich. Und in meinem früheren Job musste ich schließlich auch alles selbst aufbauen.“