LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Raubüberfall: 30 Monate Haft für 20-jährigen Angeklagten beantragt

Nach dem Überfall auf zwei Männer musste sich am Donnerstag einer der mutmaßlichen Täter, ein 20-jähriger Luxemburger, vor Gericht verantworten. Zu den Straftaten, die ihm vorgeworfen werden, zählen Raub, Bandendiebstahl, Körperverletzung und Einbruch. Das schwerwiegendste Delikt sei der Raubüberfall mit Komplizen auf zwei Passanten, sagte die Anklage. In seinem Plädoyer konzentrierte sich der Anklagevertreter im wesentlichen auf diesen Fall.

Drei Straftaten wirft die Anklage dem heute 20-jährigen Teddy F. vor, der selbst von sich behauptet hat, er sei nicht so recht an Arbeit interessiert. Sein mutmaßlicher Komplize traute sich am Donnerstag nicht vor das Gericht, er bleib dem Verfahren unentschuldigt fern. Das Verfahren gegen ihn wurde daher abgetrennt und findet später statt.

Am 29. Mai 2017 sollen der Angeklagte und sein Komplize in ein Haus in Rodange eingebrochen sein. Mit einem falschen Schlüssel überwanden die Täter das Schloss und räumten die Wohnung aus. Beute: 1.500 Euro, Schmuck, Uhren, ein Fotoapparat, ein Computer und vieles mehr.

Erklärbare, aber entschuldbare Taten

Am 8. Oktober 2017 sollen die beiden in Esch/Alzette in ein bekanntes Restaurant eingestiegen sein. Karge Beute: 250 Euro und zwei Flaschen Wein.

Krönender Abschluss der Anklage dann der Raubüberfall: Am 13. Oktober 2017 waren zu später Stunde zwei Männer in der schlecht beleuchteten Unterführung im Bahnhof in Esch/Alzette unterwegs. Sie waren auf dem Weg nach Hause, als ihnen vier oder fünf jüngere Männer, mit Kapuzenjacken bekleidet, entgegenkamen. Der mit der „roten Jacke“ wollte einen Euro haben. Da der Angesprochene ihm aber kein Geld geben wollte, gerieten die Männer in Streit. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Ohne Vorwarnung versetzte ein Täter, der noch minderjährig sein soll, dem Mann einen Faustschlag in den Magen und nahm ihn in den Schwitzkasten. In der Zwischenzeit wollten die anderen Täter ihm das Handy aus der Tasche nehmen. Die Brieftasche mit 150 Euro und Papieren übergab er dem Täter freiwillig. Als „Dankeschön“ bedrohte einer der Täter das Opfer zum Schluss noch mit einem Messer. Das zweite Opfer konnte sich losreißen und die Polizei alarmieren.

„Dat war ech net“

Das alles gab der 20-jährige Teddy F., der schon in sehr jungen Jahren auf die schiefe Bahn geriet, schließlich zu. In der Verhandlung räumte Teddy F. eine Tat allerdings nicht ein. Dass er am 13. Oktober 2017 die Passanten in Esch/Alzette mit anderen überfallen haben soll, bestreitet er nicht. Nur das Handy hätte er nicht gestohlen. „Dat war ech net“, beteuerte er vor Gericht. Der Angeklagte sitzt seit dem 14. Oktober 2017 in U-Haft.

Bei Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht herrschte Einigkeit in der Bewertung der Tat: Der zur Tatzeit 19 Jahre alte Angeklagte hatte am 13. Oktober 2017 (mit seinen Komplizen) für Angst und Schrecken gesorgt. Bei den zwei vom Gericht vernommenen Opfern hat der Überfall bis heute Spuren hinterlassen. Ein Opfer musste mehrere Wochen krankgeschrieben werden. Beide leiden an den psychischen Folgen des Überfalles. Der Nebenkläger Maître Marc Modert sprach gar von einem „kaputten Leben“. Unter diesem Aspekt müsse man die Taten ansehen, forderte Modert. „Dieses Vorleben ist eine Hypothek.“ Obwohl Modert ihm eine „problematische Entwicklung“ zugestand, könne das die Taten erklären, aber nicht entschuldigen und rechtfertigen. Er beantragt einen Schadensersatz von 20.400 Euro. Verteidiger Eric Says will mildernde Umstände für seinen Mandanten geltend machen. Der Anklagevertreter meinte hingegen, der Angeklagte hätte solide losgelegt - und beantragte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten.

Das Urteil ist für den 29. März 2018 vorgesehen.