LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Klienten für Paartherapie sind frisch Verheiratete ebenso wie Paare kurz vor der Rente

Krisen können ein Paar jederzeit treffen: Wenn die erste Verliebtheit dem Alltag nur noch schwer standhält, das erste Kind kommt, der Tod eines nahe stehenden Menschen das eigene Leben in Frage stellt oder das Arbeitsleben endet. Dann kann es Zeit für eine Paartherapie sein.

„Für alle Paare ist es eine Herausforderung, immer wieder ein Gleichgewicht zu finden, sowohl die Bedürfnisse des Einzelnen als auch die der Partnerschaft zu erfüllen - insbesondere wenn Veränderungen geschehen“, erklärt Béatrice Ruppert. Die Leiterin des Zentrums für Familienberatung bei der Fondation Pro Familia in Düdelingen ist ausgebildet als Familientherapeutin und Familienmediatorin. Sie hat schon viele Paare begleitet.

Therapeuten finden

„Zuerst geht es darum zu sehen, ob sich das Paar bei dem Therapeuten wohlfühlt. Das braucht ein bis drei Sitzungen“, sagt Ruppert. Adressen von Familientherapeuten gibt es an vielen Quellen. Neben dem Internet haben auch das Familien- oder Gesundheitsministerium Konventionen mit privaten Trägern abgeschlossen. Sinnvoll ist es, einen Therapeuten zu finden, der die eigene Muttersprache beherrscht.

Derzeit ist der Beruf noch ungeschützt. Jeder, der will, kann sich Therapeut nennen. Das soll sich ändern. Denn in der Regel hat ein Therapeut ein Psychologie oder Medizin-Studium plus eine mehrjährige Ausbildung als Therapeut hinter sich.

Keine Wunderheiler

Wunder vollbringen die Therapeuten trotzdem nicht. „Manche kommen und wünschen sich, wir sollten den Partner ändern. Aber das ist nicht das Ziel – und über Magie verfügen wir auch nicht“, erklärt Baptiste Antoine. Der Diplom-Psychologe ist auch als Mediator zugelassen und arbeitet gemeinsam mit Ruppert bei Pro Familia. „Wir versuchen, die richtigen Fragen zu stellen. Aber die Paare müssen ihre Lösung selbst finden“, ist Antoine überzeugt. Das dauert. In der Regel setzten Ruppert und Antoine etwa ein Jahr für eine Therapie an. Ganz wichtig ist das Verhältnis zum Therapeuten. „Im Zweifel ruhig mit mehreren reden, bis beide sich bei der Person verstanden fühlen“, rät Ruppert. Manchmal reichen aber auch schon wenige Stunden, um einer Beziehung wieder andere Perspektiven zu ermöglichen. Einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. „Es ist nie zu früh“, lächelt Ruppert.

Die Gespräche sind vertraulich. Der Therapeut urteilt nicht. Seine Rolle ist es, die Situation beider Partner nachzuvollziehen und die Kommunikation wieder herzustellen. „Oft gibt es eine Stagnation im Leiden. Dann sind Beziehungsmuster erstarrt und Paare sehen keine Perspektive für ihre Liebe mehr“, beobachtet Antoine. Für ihn ist das Pflegen der Beziehung zum Partner oder zur Partnerin genau so wichtig wie das Pflegen anderer Freundschaften oder Beziehungsnetze.

Paartherapie nehmen Menschen aus allen Altersklassen in Anspruch – und aus allen sozialen Schichten. Für Antoine ist der Erfolg einer Therapie nicht unbedingt, dass die Partnerschaft hält. „Manche Paare wollen eine Trennungsbegleitung oder stellen fest, dass sie nicht mehr zusammen bleiben wollen. Aber auch dies kann hilfreich sein.“ Wirklich wichtig ist, dass beide miteinander reden. Die Kosten einer Paartherapie sind sehr unterschiedlich. „Wir können unseren Service gratis anbieten, weil wir eine öffentliche Einrichtung sind“, erklärt Ruppert. Bei privaten Anbietern fallen 100 bis 150 Euro pro Stunde an.

Ein Hindernis gibt es doch: Wenn nur einer der Partner kommt, funktioniert eine Paartherapie nicht. „Das müssen schon beide machen“, unterstreicht Ruppert. •