CHRISTIAN BLOCK

Über Jahrzehnte wurde es produziert, erhalten bleiben wird es uns eine halbe Ewigkeit: Plastik. Laut Angaben der Ellen MacArthur-Stiftung wurden seit den 1950er Jahren rund neun Milliarden an Kunststoffen hergestellt. 2014 waren es 311 Millionen Tonnen. Die Schattenseiten des aufgrund seiner tatsächlich beeindruckenden Vielseitigkeit beliebten Materials werden immer deutlicher. Nur zu einem geringen Teil wird Plastik recycled, dann verbrannt, häufiger noch deponiert oder landet im Meer mit noch ungeahnten Folgen. Und auch wenn das Bewusstsein heute in Europa und in anderen Ländern groß ist- vielleicht wie noch nie zuvor - so gehen Experten doch davon aus, dass die Plastikproduktion in den kommenden Jahrzehnten weiter kräftig anziehen wird.

Auch wenn Wissen über das Thema Plastikverschmutzung zur Allgemeinbildung gehört, so muss man doch feststellen, dass sich Gewohnheiten oftmals nur langsam ändern. Doch es tut sich was. Immer mehr Verbraucher wollen weniger Plastikabfälle verursachen. Sie wollen Alternativen, wenngleich nicht zu jedem Preis und wenn möglich mit einem geringen damit verbundenen Aufwand.

Der am Dienstag vorgestellte „Superbag“ erfüllt diese Kriterien. Wenngleich in China hergestellt, dafür aber recyclierbar, wird man ihn in den kommenden Monaten zweifelsohne immer öfter in den Einkaufswagen und auf den Fließbändern an der Kasse sehen. Der Bedarf für die dünnen Plastiktüten im Obstregal, die mangels sinnvoller Alternativen mit dem jüngsten Gesetz nicht verboten und weiter kostenlos verfügbar sind, dürfte in den kommenden Jahren erheblich sinken. Unter der Voraussetzung, dass die Kunden auch immer brav daran denken, ihren Beutel mit ins Geschäft zu nehmen und den „Superbag“ nicht massenhaft nachkaufen, wäre das eine Erfolgsgeschichte.

Doch damit getan ist es natürlich nicht. Erstens kann man sich gut vorstellen, dass alle Anstrengungen, Plastikabfälle in Europa zu mindern, durch eine mangelhafte oder nicht-existierende Entsorgung in anderen Teilen der Welt - beispielsweise in Südostasien - mit Leichtigkeit wieder zunichte gemacht werden. Biokunststoffe sind zudem zum heutigen Zeitpunkt keine wirkliche Alternative. Dann kommt Plastik heute vornehmlich zu Verpackungszwecken zum Einsatz. Diese Herausforderung anzugehen ist freilich etwas anderes, als vier Kartoffeln in die heimischen vier Wände zu transportieren. Für die Lebensmittelindustrie stellt sich zunächst eine knallharte Kostenfrage. Andere Materialien müssen dann aber auch in ausreichenden Mengen verfügbar sein, die Qualität und Sicherheit des (auch noch so minderwertigen) Industrieprodukts gewährleisten und auch für den Transport (beispielsweise hinsichtlich des Gewichts des Verpackungsmaterials) geeignet sein. Wenn man davon ausgeht, dass wir unser Konsumverhalten nicht über Nacht komplett infrage stellen, dann bleibt also noch sehr viel zu tun. Die Verbraucher können ihren Beitrag leisten. Andere Akteure sind allerdings noch viel stärker gefordert - oder müssen, wo freiwilliges Engagement nicht hilft, auch in die Verantwortung genommen werden.