NORA SCHLEICH

Mit der Politik scheint es tatsächlich dramatisch bergab zu gehen. Ja, nichts Neues steht nun hier geschrieben, erwähntes Phänomen gibt es schon seit geraumer Zeit. In Verruf geraten ist sie, wobei sie doch etwas durch und durch Positives ist: Die Staatskunst meint die Politik nämlich, oder noch das Staatsgeschäft und -anliegen. In dem Sinne gilt sie als Disziplin, nach der zu den gesellschaftlichen Problemen des Staats und seinen Bürgern Lösungsvorschläge er- und ausgearbeitet werden sollen. Zentral sind demnach die allgemeinen Anliegen der Gemeinschaft. Dass diese wiederum recht komplex sein können, wird ein jeder, der mit offenen Augen und Ohren durch den Alltag und die weltliche Wirklichkeit wandelt, vernehmen können.

Früher gab es mal die Theorie, dass die Vertreter der Öffentlichkeit, die Staatsmänner und -frauen, Regenten, Minister, und wie sie alle heißen, die Verantwortung dafür zu übernehmen hätten, dass die Probleme der politischen Gesellschaft wahrgenommen und erkannt und sich ihrer angenommen wird. Es galt darüber hinaus, fähig zu sein, Antworten zu finden und umsetzbare Alternativen für besagte Umstände realisieren zu können. Wie wir bereits festgestellt hatten, sind diese Problematiken aber nun meist recht knifflig, sodass sich auch der Ausweg aus den verbesserungsbedürftigen Lagen nicht allzu einfach gestalten kann. Demnach wäre aus dem bisher Angeführten zu schließen, dass der Politiker sich durch Verantwortungsbewusstsein und Intelligenz auszuzeichnen hätte – Kompetenzen, die es ihm erlauben, sich der gewichtigen Aufgabe anzunehmen, der er sich zu stellen wagt.

Über die vergangenen Jahre hinweg lässt sich jedoch beobachten, dass es auf politischer Ebene scheinbar immer weniger um die gesellschaftlichen Probleme und deren Lösung zu gehen scheint. Erstere werden vielleicht noch eher erwähnt, um die Aufmerksamkeit des Bürgers auf sich zu ziehen. An Letzteren mangelt es jedoch deutlich, besonders an ernstzunehmenden Lösungsvorschlägen mit halbwegs realistischen Ansätzen, die nicht beim nächsten Gedanken an die nahende Wahl stillschweigend in der Schublade verschwinden. Das Vertrauen des Bürgers sinkt, der Frust steigt, und fertig ist die Misere: Politikverdruss, soweit das Auge reicht.

Wem ist die Schuld in die Schuhe zu schieben? Nun, natürlich ist es verwerflich, wenn Politiker sich bloßer Meinungsmache und Profile-Bluffing hingeben. Reißerische Slogans taugen im Wesentlichen nicht zur Lösungsfindung, sondern bestenfalls dazu, Aufmerksamkeit zu erregen. Und hier tut sich ein neues Problem auf, welches das der inkompetenten Politiker aufwiegt. Es scheint mittlerweile zu genügen, eine größtmögliche Aufmerksamkeitsintensität heraufbeschwören zu können, als sich mit den komplexen Inhalten der gesellschaftlichen Sphäre auseinander setzen zu müssen. In den Kampagnen und Programmen sucht man nahezu ergebnislos nach einer Analyse und Aufarbeitung wichtiger Problematiken. Alles scheint sich auf die üblichen Floskeln zu beschränken, die Sätze ähneln sich alle, wirken platt und grau – seien sie nun in grüner, blauer, roter oder schwarzer Tinte geschrieben. Eine nicht unerhebliche Mitschuld tragen wir. Ja, wir!

Es ist uns zu anstrengend geworden, auf die eigentliche Kompetenz in Sachen Problembehandlung und -lösung zu achten. Es verlangt mehr Konzentration und Aufmerksamkeit, Zeit und Mühe, sich mit eben diesen Themen auseinanderzusetzen. Deswegen wählt der Bürger lieber den, der sympathisch wirkt, den man oft gesehen, oft gehört, dem man die Hand gedrückt hat. So kommt es, dass Anwärter, die sich zur Schau zu stellen wissen, mittlerweile die gleichen, wenn nicht gar die besseren Chancen haben, viele Kreuze einzuheimsen. Eine Wahl gewinnen kann mit dieser Art der Kompetenz sicher Hand in Hand gehen. Ein Land zu führen, und zwar in die positive Richtung, ist damit aber noch lange nicht gekonnt. Dass solche Personen aber dennoch in diese Positionen katapultiert werden können, beweist sich seit geraumer Zeit. Letztendlich erwägen der Musiker Kid Rock und der Wrestler The Rock ebenfalls, sich als Kandidaten zu stellen. Und man wagt nicht einmal zu behaupten, dass sie keine Chancen hätten. Mein heutiger Appell soll in diesem Sinne mit all seiner Dringlichkeit an uns alle gehen:

Wir sind als Bürger Teil der Polis, der politischen Gesellschaft. Wir sind dafür verantwortlich, Leute zu wählen, die es auch schaffen können, den Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht zu werden! Wir müssen Leute nach ihren Fähigkeiten aussuchen, die die Schwierigkeiten des Jetzt und Später ordentlich angehen können! Zeigen wir Mut zum Komplizierten und Komplexen! Bringen wir die moderne Politik wieder dazu, Kompetenz in den Fokus stellen! Wir dürfen uns nicht von Banalitäten, Äußerlichkeiten, Likes und prägnanten Profilen hinreißen lassen! Tun wir dies, haben wir genauso viel Schuld am politischen Untergang wie diejenigen, die als unsere öffentlichen Vertreter am Walten sind!