LUXEMBURG/ELLANGE
MONIQUE MATHIEU

Importeur Grosbusch hat seinen Service der Krise anpassen müssen

Das Familienunternehmen Grosbusch ist einer von Luxemburgs wichtigsten Importeuren von Obst und Gemüse, und somit nicht nur in der aktuellen Krisensituation, aber besonders jetzt, einer der Betriebe, die funktionieren müssen, um unsere Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten, und von daher im Fokus stehen. Wir sprachen mit Firmenleiter Goy Grosbusch.

Mit welchen Änderungen musste Ihr Unternehmen aufgrund der Corona-Pandemie in der Hauptsache zurechtkommen?

Goy Grosbusch Wir sehen uns vor die gleichen Herausforderungen gestellt, wie die allermeisten Betriebe im Lebensmittelbereich: Durch die Schließung von Restaurants und Hotels, also des ganzen Horeca-Bereichs, ist ein Großteil unserer Kunden weggebrochen. Außerdem führen wir kaum mehr Lieferungen im Rahmen von „Fruit at Office“ durch - eine Dienstleistung, die wir seit circa zehn Jahren anbieten, und in deren Rahmen wir im vergangenen Jahr rund 100.000 Kisten ausgeliefert haben. Eine kleine Kompensation gibt es beim Verkauf an die Supermärkte: Es wird mehr bestellt, da viele Menschen jetzt zuhause kochen, und demgemäß die entsprechende Menge an Waren brauchen.

Wird sich die höhere Nachfrage an Obst und Gemüse auf deren Preisniveau auswirken?

Grosbusch Die Preise haben bereits angezogen. Dies ist aber nicht nur auf die gestiegene Nachfrage im Supermarkt zurückzuführen, sondern vor allem darauf, dass sich der internationale Transport schwierig gestaltet. Aufgrund der Grenzkontrollen verlängert sich die Anfahrtszeit, die Lieferzeit kann nicht genau im Voraus festgelegt werden. Für die Routen finden sich immer weniger Fahrer. Demnach werden die Produkte teurer. Hinzu kommt, dass aufgrund von Hamsterkäufe nicht immer alle Produkte in den Supermärkten vorrätig sind, da wir eine Ware bieten, die nur bedingt haltbar ist.

Was nun unser Unternehmen im Besonderen angeht, so kaufen wir unser Obst und Gemüse direkt bei den Produzenten. Da zurzeit viele Saisonarbeiter von den Produktionsstätten in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind, können die Felder nicht abgeerntet werden. Dies ist zum Beispiel der Fall der Spargelfelder in Deutschland, wo in normalen Zeiten viele Rumänen und Bulgaren arbeiten. Spargel pflücken kann nicht jedermann, und es lernt sich nicht auf die Schnelle, so dass nicht auf Hilfskräfte aus der Gegend, wie etwa Studenten, zurückgegriffen werden kann. Die fehlenden Saisonarbeiter stellen demnach ein weiteres Problem dar, das dazu führt, dass das Angebot nicht immer der Nachfrage gerecht werden kann, und die Preise weiter steigen werden.

Wie steht es um das Personal in Ihrer Firma?

Grosbusch Unsere Leute sind unser Kapital. Ohne unsere Mitarbeiter können wir unsere Kunden nicht bedienen. In normalen Zeiten zählt unser Unternehmen 300 Mitarbeiter, aktuell sind es rund 40 Prozent weniger, bedingt durch Urlaube für Kinderbetreuung, Teilzeitarbeitslosigkeit, Krankheit. Wir haben denn auch umorganisiert, und haben unsere Leute so eingewiesen, dass sie verschiedene Arbeiten erledigen können, sollte es Ausfälle in einem wichtigen Bereich geben. Mit weniger Personal als aktuell könnten wir allerdings nicht funktionieren, da wir großen Wert auf die Qualität unserer Produkte legen. Wie viele Unternehmen läuft unsere aktuelle Organisation auf Tagesebene, wobei wir auf Überraschungen gefasst sind, und versuchen, ihnen mit Flexibilität zu begegnen.

Grosbusch wurde von der Regierung beauftragt, Obst und Gemüse an sogenannte „vulnerable Personen“ auszuliefern. Gleichzeitig bietet Grosbusch an, landesweit Obstkisten an alle Kunden auszuliefern. Wie läuft dieser Service?

Grosbusch Im Auftrag der Regierung macht Grosbusch bei der von Mittelstandsminister Lex Delles ins Leben gerufenen Plattform corona.letzshop.lu mit, die Menschen über 60 Jahren vorbehalten ist. Die Auslieferung der Waren - Obst- und Gemüsekisten zwischen 6 und 7 Kilo - erfolgt hierbei gratis. Darüber hinaus erschien es unserem Unternehmen sinnvoll, jeden zu beliefern, der, aus welchen Gründen auch immer, nicht in den Supermarkt will oder kann. Über www.fruitathome.lu kann man zwischen sechs Obst- und Gemüsekisten auswählen, die dann angeliefert werden. Da dieser Service aber gleich voll einschlug, und wir quasi mit Aufträgen überrannt wurden, beträgt die Wartezeit im Augenblick 14 Tage. Deshalb bieten wir seit ganz kurzem den Kunden die Möglichkeit, ihre Kiste(n) bei uns in Ellange abzuholen. Bezahlt wird online, die Kisten werden gleich am Eingangsportal in den Wagen verladen, dies unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes und aller anderen Hygienemaßnahmen.

Was wünschen Sie sich für die Zeit nach Corona?

Grosbusch Ich wünsche mir, dass unser Land an der Krise wachsen wird, dass wir positive Lehren daraus ziehen, und sie nach der Krise auch umsetzen. Natürlich wünsche ich mir ebenso, dass unsere Wirtschaft ihren Elan zurückfindet, und wir alle gesund bleiben.