LUXEMBURG
CATHERINE NOYER

Der vierte Band der Dior-Anthologie über die künstlerischen Leiter des Modehauses beleuchtet die Zeit zwischen 1989 und 1996

Er war bekannt für seine Abendroben, die unübertroffen an Opulenz sind: Gianfranco Ferré leitete von 1989 bis 1996 die Geschicke des Modehauses Dior als dessen künstlerischer Direktor. Der vierte Band der Anthologie zum 70. Geburtstag des Couturehauses ist seinem Werk gewidmet.

Der 1944 in Legnano in Norditalien geborene Modemacher war der erste nicht französische Couturier bei Dior. Zur Mode kam Gianfranco Ferré, der in Mailand Architektur studiert hatte, rund fünf Jahre nach seinem Studium. Er hatte sich als Modedesigner selbstständig gemacht und präsentierte 1978 seine erste Damen-Kollektion unter seinem Namen.

Strenge Schnitte und opulente Materialien waren bezeichnend für den italienischen Couturier, der 1989 die Nachfolge von Yves Saint Laurent und des Duos Marc Bohan-Frédéric Castet bei Christian Dior antrat. Gianfranco Ferré brachte Glamour in das Couturehaus, mit aufwendigen Stoffen, bunten Farben und großzügigen, prunkvollen Silhouetten. Seine Mode war ausdrucksvoll und unterstrich die zunehmende Machtstellung der Frau in der Gesellschaft. Er kreierte nicht für bestimmte Kundinnen, sondern für die Frau allgemein. 

Lëtzebuerger Journal

Mischung von maskulin und feminin

Von seiner ersten Haute-Couture-Kollektion an, die er 1989 im Garten des Hotels Salomon de Rothschild in Paris vorstellte, bis 1996 ließ Gianfranco Ferré sich ständig für seine Modelle von der Geschichte und den Codes des Hauses Dior  inspirieren, die er der aktuellen Zeit anpasste. Er übernahm sogar eine Tradition von Christian Dior, nämlich jedem Modell einen Namen zu geben.

Ferré war der erste künstlerische Leiter, der nie zuvor mit Christian Dior zusammen gearbeitet hatte, mit dem er aber dennoch zahlreiche Gemeinsamkeiten teilte, wie die Leidenschaft für die Kombination von maskulin und feminin, die Farbe Rot, Gartenblumen, Musik und Oper.

Beide Modedesigner mochten dunkle Wollanzüge, die der italienische Kreateur mit einer goldenen Sicherheitsnadel verzierte und beide waren leidenschaftliche Liebhaber der Architektur.

„Ein Kleid ist für mich ein vergängliches Bauwerk, das die Proportionen des Frauenkörpers verherrlichen soll“, schrieb Christian Dior. Gianfranco Ferré, der Diplomarchitekt, antwortet: „Meine Kreationen sind das Ergebnis einer textilen Architektur, die für den Körper geschaffen wurde und diesem Leben gibt“.

Das Buch mit Texten des Journalisten Alexander Fury und Fotos von Laziz Hamani entführt den Leser in die Welt von Gianfranco Ferré, dessen Kreativität in den sieben Jahren als künstlerischer Direktor das Haus Christian Dior mit geprägt hat. Der Italiener, der nach den Dior-Jahren wieder seine eigene Modemarke führte, verkaufte im Jahr 2000 sein Unternehmen. 2007 starb der Modedesigner in Mailand.

Dior – Gianfranco Ferré – 1989-1996, 320 Seiten, Editions Assouline