LUXEMBURG
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Zum Spaß oder als Sport: Kartfahren gilt als der beste Einstieg in den Autorennsport - nicht nur für die Kids, sondern auch für Erwachsene

Ob zur Weihnachtsfeier oder zum Junggesellenabschied: Viele sind schon mal Kart gefahren. Wer einmal Blut geleckt hat, möchte vielleicht weitermachen. Wie geht das?

Erste Versuche unternehmen die meisten auf Mietbahnen. Dort lässt sich alles ausleihen, das Kart, Anzug, Helm und Schuhe. Anfangs sind Turnschuhe völlig ausreichend. Meist gibt es auch waschbare Sturmhauben, sogenannte Balaclavas, die man unter den Leihhelm zieht.

Darren Bressaglia: „Kart ist auch noch ein bezahlbarer Sport“

Es gilt daher die Devise: Wer sich für den Kartsport interessiert, sollte auf jeden Fall mal eine Indoor-Kartbahn ausprobieren, raten Experten. Die gibt es in vielen Städten, auch bei uns in der Großregion - und dort kann man für wenige Euro Runden drehen, um ein erstes Gefühl dafür zu bekommen, ob man daran Spaß hat, und auch vielleicht ein Talent dafür. In Luxemburg gibt es in Monnerich eine Kartbahn mit einer Bahnlänge von 867 Metern. Kindern ab zehn Jahren ist das Fahren der 5,5-PS-starken Karts erlaubt, ab 18 Jahren kann man die schnelleren 10-PS-Fahrzeuge mieten. Kart ist „die pure Rennform“, weiß auch Darren Bressaglia zu berichten. Bressaglia ist selbst lange Zeit Kart gefahren und hat national und international sein Können in Form von diversen Titeln unter Beweis gestellt.

Steve Jans: „Jeder Rennfahrer hat früher oder später

hier begonnen“

Dies präzisiert auch Steve Jans, der aktuell in der VLN-Langstreckenmeisterschaftunterwegs ist (Phoenix Racing): „Der Kartsport ist in meinen Augen sehr wichtig, jeder Rennfahrer hat früher oder später hier begonnen.“ Ganz wichtig sei auch, das Gefühl für die richtigen Reifen zu entwickeln und auch für die Zweikampfsituationen - Grundlagen eben.

Und: „Kart ist auch noch ein bezahlbarer Sport“, sagt Bressaglia. Doch je höher es geht, umso mehr Geld muss man mitbringen, denn ab einem bestimmten Punkt drehe sich alles nur noch ums Geld. „Daher ist es auch schwer für Fahrer aus Luxemburg, medienwirksame Sponsoren für ihren (Motor-)Sport zu bekommen, denn Luxemburg ist einfach ein zu kleiner Markt“, da bestehe einfach kein Interesse.

Auch „E“ hält Einzug

Auch die Elektromobilität ist beim Kart angekommen, unter anderem bei Rimo Germany und seinen Sinus Karts. Benziner und mit Autogas betriebene Karts sind quasi der Standard, doch von rund 1.000 Karts, die Rimo jährlich baut, sind schon 40 Prozent Elektrokarts.

Zwar ist ein komplett ausgestattetes E-Kart mit rund 12.000 Euro fast doppelt so teuer wie ein herkömmliches. Doch sind dafür die Fahrleistungen in Sachen Drehmoment und Beschleunigung wesentlich besser. Auch die Lebensdauer sei deutlich höher.

Die deutsche Rennfahrerlegende Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck plädiert grundsätzlich für das Kartfahren, auch für den Erwachsenensport: „Denn eins ist ganz klar: Es macht ja nicht nur Spaß, sondern es hilft auch in Bezug auf das Autofahren. Da geht es um Fitness und vor allem Reaktionsfähigkeit“, so Stuck.

6-Gang-Getriebe

Der Kartsport ist für Jung und Alt geeignet. In der Klasse Minime starten die jüngsten Fahrer mit nur sieben Jahren, und die Klasse der Master ist für die älteren Fahrer ab 32 Jahren. Aber nicht nur die unterschiedlichen Altersgruppen bestimmen die diversen Kategorien, sondern auch die Motoren. So gibt es die Klasse KZ2 für die Schaltkarts mit 6-Gang-Getriebe, sie sind mit ihren über 45 PS auch die leistungsstärksten Karts.

Daniel Bohr: Verbindungen und entsprechend Glück braucht man - und Geld

Kartsport als Einstieg in den Rennzirkus

Er setzte sich von Anfang an ein ehrgeiziges Ziel: Er wollte Rennfahrer in der Formel 1 werden! Der Luxemburger Daniel Bohr blickt im „Journal“-Gespräch auf seine Rennfahrerzeit im Kart-Sport zurück.
Sein Ziel vor Augen hatte Bohr bereits im Alter von fünf Jahren, als er - so wie sein Vorbild, der mehrmalige F1-Weltmeister Michael Schumacher - zum ersten Mal in ein Kart stieg. „Jeden Samstag ging es für mich im Leih-Kart auf die Piste“, erzählt Bohr - und erwähnt im gleichen Atemzug die Euphorie seines Vaters für den Motorsport: „Der hat damals kein DTM- oder Formel 1-Rennen verpasst.“ Was somit einen gewissen Rückhalt vonseiten der Familie bedeutete, „denn ohne geht es gar nicht, sowohl in jungen Jahren als auch später.“
Mit neun Jahren gab es dann für Bohr das „eigene erste Kart. Mit zehn bin ich dann schon bei den unterschiedlichsten Clubmeisterschaften mitgefahren, bis hin zu den deutschen und belgischen und der Europameisterschaft.“ 2007 erfolgte der Wechsel in den gehobeneren Motorsport, in die Formel BMW. „Wobei man den Kart-Sport damals und heute schon fast nicht mehr vergleichen kann“, sagt Bohr - die Leistungsdichte habe extrem zugenommen. „Früher konnte man die Relation 70 Prozent fahrerisches Können, 30 Prozent Material ansetzen, heute ist es umgekehrt.“ Damit ginge auch der Kostenfaktor einher. Brauchte man früher rund 50.000 Euro für eine Profisaison, „so sind es heute locker 150.000 Euro.“ Denn auch die Technik macht vor dem Kart-Sport nicht Halt. „Schaut man sich alleine die Chance der Datenauswertung an.“
Und doch: „Prinzipiell würde ich sagen, dass man wirklich im Kart-Sport seine ersten Sporen verdienen sollte“ - wie es auch in 98 Prozent der Fälle bei den Champions war. „Du hast eben vier Räder, ein hartes Chassis und sitzt zwei Millimeter mit dem Hintern überm Asphalt. Du lernst die Physik des Fahrens.“ Auch als Bohr schon nicht mehr Kart fuhr, ging es extra im Regen auf die Kart-Piste. „Ohne ABS oder andere Technik quasi fahren lernen…“ Denn auch hier gilt: „Übung macht den Meister“, erklärt Bohr. Dabei stellt der Rennfahrer auch fest, dass es viele gibt, die Kart fahren - „und dies auch nicht schlecht“ - und dann davon ausgehen, dass sie ohne Probleme in die Formel-Klassen kommen. „Nicht jeder der das kann, schafft es auch, diese Leistung zu bringen.“
So resümiert Bohr, dass man heute im Kart-Sport, in dem es schwierig sei, „Werbepartner zu finden“, Geld, Verbindungen und entsprechend Glück brauche, denn Grundlage sei, „wer das Budget nicht hat, der fährt auch nicht.“  IZ

Nascar-Fahrer Gil Linster über seine Rennanfänge und seinen Schützling, Pol Leytem

Kartfahren als Belohnung

Mit acht Jahren ungefähr hat Gil Linster richtig mit dem Karting angefangen. Er fuhr auf Leihkarts Indoor, „da wir kein Budget hatten, um über den normalen Weg über Karting-Meisterschaften in die höheren Klassen im Motorsport einzusteigen“, wie es aus dem Hause Linster heißt. Nichtsdestotrotz war Gil sofort vom Rennvirus infiziert, er nutzte jede Gelegenheit, zu fahren, etwa als Belohnung für schulische Leistung. „Wenn ich in der Schule eine ordentliche Prüfung hingelegt hatte, gingen wir zum Kartfahren“, und mit sechs, sieben Jahren standen bereits die ersten Rennen im Kartsport an. Bei seinem ersten Rennen im Erwachsenen-Kart mit zwölf Jahren „fuhr ich noch allen davon, ich war leichter als die anderen.“ Doch es kamen Gewichte, „was ich anfangs als Sauerei empfand, doch hierdurch wurde mein Ehrgeiz richtig geweckt“, sagt Gil Linster. Dieses Kartfahren habe ihm eigentlich ziemlich viel gebracht, da es ihm ermöglichte, auf der Strecke gegen andere oder gegen die Zeit zu kämpfen. Gil konnte so - ohne großes Risiko - verschiedene Linien, Fahrstile und mehr ausprobieren. Diese Vorgehensweise bringe ihm heute noch viel und er wüsste auf jeder neuen Strecke schnell, wo es lang geht. Dann probiere er, dies zu optimieren, genau, wie er es im Kart gelernt und geübt hat.

Mehr „Stop and Go penalties“
als Rennrunden
2010 bestritt er mit Max und Steve Schmitz, die Söhne von Carlo Schmitz, damaliger Teamchef und heutiger Manager, Spotter und Technischer Berater von Gil, seine erste offizielle Meisterschaft, die „AVD Kart Challenge“. Es waren jeweils Rennen von mindestens drei Stunden zu dritt. Beim ersten Rennen hatten die drei fast mehr „Stop and Go penalties“ als Rennrunden. „Dies, weil sie die Regeln nicht wirklich studiert hatten“, erzählt Gils Vater Armand. „Das passierte danach nie mehr - eine Erfahrung mehr!“ Das letzte Rennen der Meisterschaft hatten sie dann gewonnen und waren die ersten Nicht-Deutschen, die in der AVD Kart Challenge ein Rennen für sich entschieden. Es war ein super Lehrjahr in vielerlei Hinsicht für Gil. „Bei dieser Meisterschaft sammelte er sehr viel Erfahrung, unter anderem, wie man ein Langstreckenrennen als Team angeht und fährt“, erzählt Armand Linster weiter.
Desweiteren lernte Gil hier, wie man sehr schöne, harte, aber faire Zweikämpfe im Motorsport austragen kann. „Wie man sich einen Gegner zurecht legt, wie und wann man überholt und wann man zurücknimmt, warum man keine unüberlegten Manöver macht, wie man auf verschiedene Rennsituation blitzschnell reagiert. Vor allem verfeinerte er seinen Blick auf der Strecke und seine Reaktionsschnelligkeit. Gil gehe seitdem immer noch, so weit es ihm möglich ist, Kart fahren, um weiterhin seinen Blick, seine Konzentration, seine Zweikämpfe und so weiter zu trainieren. Ganz gerne fährt er auch immer noch 3, 4, 6 oder mehr Stunden Rennen, die auf fast allen Indoor-Kartbahnen regelmäßig angeboten werden, weil es für ihn immer noch eine sehr gute und vergleichsweise billige Möglichkeit ist, all dies weiterhin zu trainieren.

Von seinem Großvater bekam Pol sein erstes Kart geschenkt
Seit diesem Jahr kümmert Gil sich, wie es sein Zeitplan erlaubt, um einen jungen Kartfahrer, Pol Leytem, um ihm in seiner Karriere weiterzuhelfen. Gil will mit dem jungen Fahrer vor allem das Mentale trainieren, was ihm selbst in seinen Renn-Anfängen ebenfalls etwas fehlte. Da Gil das Talent in Pol sieht, ist es ihm eine Freude, diesen jungen Mann zu begleiten und mental zu stärken. „Laut Pol’s Vater hat das schon Früchte getragen. Sein letztes Rennen hat Pol trotz vieler Schwierigkeiten gewonnen, nicht zuletzt durch die mentale Stärke“, erzählt Armand Linster.
Pol Leytem ist gerade elf Jahre alt, aber er kann schon einiges aufweisen. „Seit drei Jahren erst fährt Pol Kart, in der Luxemburger und französischen Meisterschaft“, erzählt Vater Mike. Pol ist sogar schon Luxemburger Meister geworden, „allerdings hatte er da nie einen Podiumsplatz gehabt.“ Nur durch seine konstante Leistung, immer in den oberen Punkterängen, hat Pol fleißig gesammelt und sich ohne Podiumsplatz den Meistertitel erfahren.
Alles begann schon sehr früh, als Pol das erste Mal als ganz kleiner Junge den Wunsch äußerte, Kart fahren zu wollen. Von seinem Großvater bekam er sein erstes Kart geschenkt, „einfach nur, um fahren zu können“, erzählt Vater Mike, der selbst „Stock Car“ gefahren ist. Schnell wurde man auf den kleinen Pol aufmerksam - und der Junge zeigte sein Können bei „Weis Kart Racing“ - und, wie man merkt, läuft es. In der Kategorie der jüngsten Fahrer, der Klasse Minime, fiel der damals neunjährige Pol bereits 2017 auf. Da bestritt er seine erste Kart-Saison. Mit immer besseren Rundenzeiten klassierte er sich beispielsweise bei dem Rennen zur Kartmeisterschaft „Grand-Est“ in Mirecourt (F) am Ende im Finale auf Rang acht. Nicht zuletzt mit dem „Training“ von Gil schaffte es Pol dann am 16. August dieses Jahres, seinen ersten Sieg bei der „Trophée Clovis“ in Soissons in der Picardie einzufahren.  IZ

Formel 4-Fahrer Niklas Krütten: „Kart-Sport hat mir in meiner Rennkarriere sehr viel geholfen“

Basics des Motorsports gelernt

Aufgrund seiner sportlichen Leistungen 2018 hat die ADAC-Stiftung Sport Niklas Krütten aus Trier in den sportlichen Förderkader aufgenommen. Die Weichen für ein erfolgreiches neues Jahr in der Formel 4 seien so gestellt worden, sagt Krütten selbst. Dass die ADAC Stiftung Sport ihn in den Förderkader aufgenommen hat, sei „einfach klasse. Ich bin sehr ehrgeizig und zielstrebig und freue mich darauf, als Förderpilot einiges dazuzulernen.“ Nach seinem ersten Jahr im Formelsport wechselte der Trierer dann zu Van Amersfoort Racing. Sechs Rookie-Siege in der ersten Saison rundeten das starke Debüt des Trierers ab.
Auch für den heute 16-Jährigen begann alles im Kart-Sport. „Der Kart-Sport hat mir in meiner Rennkarriere sehr viel geholfen“, sagt Krütten. Hier habe er die Basics des Motorsports gelernt. „Beim Kartfahren lernt man das Verteidigen auf der Strecke, aber auch, wie man mit verschiedenen Einstellungen, die am Auto vorgenommen wurden, umgeht.“
Und: „Der Kart-Sport bedeutet mir sehr viel, weil man dort ganz viele Leute trifft, die einem im späteren Leben als Rennfahrer helfen.“ Ohne den Kart-Sport wäre er jetzt auch nicht da, wo er ist.
Seine größten Erfolge waren einmal der 13. Platz von 100 Startern bei der Kart-WM in Bahrain 2016 und „natürlich der erste Sieg in der ADAC Formel 4 am Nürburgring 2018.“   IZ