WORMELDINGENNICO PLEIMLING

Bäcker- und Konditormeister Henri Schumacher über die Herausforderungen seines Berufs

In der Pâtisserie Schumacher in Wormeldingen herrscht an diesem Donnerstagmorgen wie jeden Tag Hochbetrieb. Seit zehn Jahren wird hier die Produktion abgewickelt. Die Zahl der Beschäftigten ist inzwischen von 65 auf 145 gewachsen und das im Großherzogtum ansässige Unternehmen betreibt dieser Tage 12 Geschäfte.

Seine Gründung geht auf das Jahr 1934 zurück, als Jos Schumacher in der Hauptstraße in Wormeldingen eine Backstube mit Verkaufsstelle einrichtete. Sein Sohn Henri hat den elterlichen Betrieb 1977 übernommen und diesen ein Jahr später ausgebaut und modernisiert. Seither hat sich der Beruf der Bäckers und Konditors stark verändert: „Heute ist man nicht mehr nur Bäcker und Konditor. Wir haben einen ‚Katalog‘ von über tausend Artikeln und der Betrieb ist heute sehr viel diversifizierter als vor 35 Jahren.“

Wachsende Zahlen

Vor allem im Bereich des Partyservice und in Sachen Produktionszahlen habe man in den letzten Jahren stark zugelegt, so Henri Schumacher, der ab September neuer Präsident der Bäcker und Konditoren sein wird: „Zu Weihnachten hatten wir beispielsweise 25 verschiedene ‚Bûches de Noël‘ im Angebot und jetzt zum Dreikönigstag habe ich eine neue ‚Galette des Rois‘ mit Walnüssen, Himbeeren und Preiselbeeren entworfen, die am Mittwoch im Schloss Vianden vorgestellt wurde und auf Anhieb gut angekommen ist.“

Risiko eingehen wollen

Heutzutage sei es häufig so, dass die Leute ihre Bestellungen im letzten Moment aufgeben: „Sie kommen ins Geschäft und wollen die Sachen sofort mitnehmen. Da muss man schon ein gewisses Risiko eingehen und eben eine Menge vorproduzieren, auch wenn zwischen 10 und 15% der Ware nicht verkauft werden. 2012 haben wir somit 5 bis 10% mehr Umsatz gemacht als im Vorjahr. Der Luxemburger legt nämlich noch immer sehr viel Wert auf Qualität und kauft solche Artikel nicht beim Discounter.“

Henri Schumacher unterstreicht weiter, dass der Beruf des Bäckers und Konditors sicher nicht der einfachste ist, er sei aber durchaus gut bezahlt: „Der Chef in der Küche verdient um die 3.700€ netto. Es reicht heute aber nicht, ein guter Handwerksmann zu sein. Man muss sich permanent selber in Frage stellen und es gilt, die Zahlen im Griff zu haben. Der administrative Teil der Arbeit ist heutzutage nämlich viel wichtiger geworden.“

Keine Angst vor Konkurrenz

Konkurrenz aus dem Ausland befürchtet Henri Schumacher nicht. Das Niveau in Luxemburg sei top und unsere Nachbarländer könnten damit nicht mithalten. „Das Mehl ist in Luxemburg zwar beispielsweise 20 bis 30% teurer, aber von besserer Qualität und der Konsument nimmt den Preisunterschied gerne in Kauf. Wir verarbeiten Regionalprodukte, wenn es nur irgendwie möglich ist und unterstützen somit andere Luxemburger Betriebe.“

Die größte Herausforderung sei es aber, zu sehen, wie der Betrieb sich allgemein situiert und wo der Chef der „Pâtisserie Schumacher SA“ gute Mitarbeiter finden kann. „Ich bilde lieber Luxemburger aus, weil Leute aus dem Ausland häufig umgeschult werden müssen. In unseren Nachbarländern wird mit anderem Material gearbeitet und häufig wissen die Beschäftigten gar nicht mehr, was das Handwerk eigentlich ist. Das größte Problem ist heute die Ausbildung der jungen Mitarbeiter und gleichzeitig eine gute Stimmung zu garantieren. Dies ist extrem wichtig für einen Betrieb.“ Was den Nachwuchs betrifft ist Henri Schumacher der Meinung, dass die Gesellenprüfung sicher eine gute Basis darstellt. Damit sei es allerdings nicht getan. Im Ausland könne man sich an Fachschulen, ähnlich wie Absolventen aus den Lyzeen an der Universität weiterbilden.

Für das Material, das in seinem Betrieb weiterverarbeitet wird, legt der zukünftige Präsident der Luxemburger Bäcker und Konditoren viel Wert auf den kontrollierten Anbau. Bio ist für ihn nicht unbedingt ein großes Thema: „Die Produktion von Bio-Produkten reicht nicht aus, um die Nachfrage in Luxemburg zu decken. Wir passen aber ganz genau darauf auf, wo die Produkte herkommen und wir benutzen so wenig Chemie wie nur möglich. Qualität und Frische sind uns am wichtigsten. Ich denke, dass wir mit dieser Einstellung die besten Chancen haben, langfristig zu überleben.“