LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Mit der UNO, der UN, den Vereinten Nationen oder wie immer man die Weltorganisation nennen will, ist es wie mit Demokratie und Kapitalismus – sie haben alle mehr Fehler als mein Beagle Flöhe, dennoch gibt es nichts Besseres!

Die UNO entstand zu einem Moment wo die pazifische Hälfte des Zweiten Weltkriegs noch tobte. Alles sollte besser werden und die Probleme zwischen einzelnen Staaten durch miteinander reden und nicht mehr durch scharfe Schüsse geregelt werden. Diese Idee hat bis zum Ausbruch des Koreakriegs gereicht, als es das erste UN-Mandat für ein bewaffnetes Eingreifen gab.

Heute gäbe es noch viel mehr Anlässe mit einem von der UNO sanktionierten Mandat knallhart militärisch durchzugreifen – doch da muss schon furchtbar viel passieren, bis es dazu kommt. Oft sind die Einsätze zu spät, zu untauglich oder schlicht zu halbherzig. Manchmal auch irrsinnig: Seit Jahrzehnten hocken UN-Soldaten auf Zypern oder auf den Golanhöhen um zerstrittene Parteien auseinanderzuhalten – formal richtig. De facto auf verlorenem Posten an zementierten Grenzen.

Donald „the brain“ würde den ganzen UN-Laden am liebsten zerschlagen, wahrscheinlich hat er schon eine Kaufoption für das UN-Gelände am East-River abgegeben.

Die UNO ist wirklich mehr als die Quasselbude, von der die US-Rechte immer schwätzt. Sie ist um Längen erfolgreicher als der Völkerbund, der während seiner Existenz in den 1920er und 1930er Jahren nie mehr war als ein diplomatischer Bastard ohne Zähne.

Die UNO hat etliche Fehler, inhaltlich und strukturell. Inhaltlich fällt mir da als erstes der ewige Beißreflex gegenüber Israel ein. Ich finde Netanjahu auch dämlich, aber er ist keine Entschuldigung für institutionalisierten Antisemitismus. Die UNO-Mitglieder vergessen es gerne: Die völkerrechtliche Grundlage des Staates Israel ist der UNO-Teilungsplan für Palästina (Resolution 181) von 1947 – den die arabischen Staaten geschlossen abgelehnt haben. Sie führten lieber einen erfolglosen Krieg.

Die UNO tut sich in bestimmten inhaltlichen Fragen oft schwer: Die Erste Welt sagt „Menschenrechte“, die Dritte Welt hört nur einen Vorwand zur postkolonialen Bevormundung.

Die strukturelle Krux der UNO ist die manifestierte Nachkriegsordnung. Die Sieger des Zweiten Weltkriegs nehmen immer noch eine Sonderstellung ein: 75 Jahre nach Kriegsende sind die USA, Russland (Rechtsnachfolger der UdSSR), China, Frankreich und Großbritannien immer noch „more equal“ als die anderen Mitglieder - Veto-Mächte und ständige Mitglieder des Weltsicherheitsrates. Täglich stehen Frankreich und Deutschland Seit‘ an Seit‘; Japan ist der wichtigste Partner der USA im asiatischen Raum, aber in New York sitzen Berlin und Tokio immer noch in der zweiten Reihe.

Großbritannien ist auf dem Weg nach unten, klammert sich aber an seinen Pfründe. Warum sitzen nicht Indien oder Brasilien dauerhaft im Weltsicherheitsrat?

Die eigentliche Arbeit wird zum Glück in den Unterorganisationen geleistet, egal ob UNHCR, UNICEF, oder UNESCO oder…. Auch hier mault Washington rum, tritt entweder aus oder streicht Gelder. Pure Dummheit. Was nicht heißt, dass es keinen Reformbedarf gibt, aber der Griff in die Kasse oder Ämter-Kungelei ist jeweils kein solitäres UNO-Problem. Mit so was muss man in jeder Organisation rechnen.
Ernsthaft, mehr Fehler als mein Beagle Flöhe, aber es wäre ein großer Verlust, wenn wir die UN nicht hätten.