Alexandre Dumas’ „Le Comte de Monte-Cristo“ erschien als Fortsetzungsroman zwischen 1844 und 1846 in der Zeitschrift „Le Journal des débats“. Der Roman wurde zigmal verfilmt und einige Male als Musical adaptiert. Die musikalische Fassung „The Count of Monte Christo“ von Frank Wildhorn („Jekyll & Hyde“) erschien 2008 als englischsprachiges Konzeptalbum und wurde 2009 in deutscher Sprache am Theater St. Gallen uraufgeführt. In Leipzig war 2012 die deutsche Premiere von „Der Graf von Monte Christo“. Bei den Freilichtspielen in Tecklenburg wurde das Musical am 26. Juli erstmals Open Air gespielt, unter der Regie von Marc Clear.
Unschuldig im Château d’If
Edmond Dantès (Marc Clear) liebt Mercédès (Anna Thorén). Weil auch Fernand Mondego (Carsten Lepper) sie mag, intrigiert dieser gegen Edmond, zusammen mit dem Staatsanwalt Villefort (Reinhard Brussmann) und dem Spekulanten Danglars (Frank Winkels). Edmond wird unschuldig auf die Gefängnisinsel Château d’If verbannt. In der Zwischenzeit lässt Fernand Mercédès glauben, dass ihr Geliebter gestorben sei und der Weg ist frei für ihre Heirat. Im Knast lernt Edmond Faria (nochmals Brussmann) kennen, der ihm sein ganzes Wissen vermittelt. Als Faria stirbt und von den Wächtern in einen Sack gesteckt wird, nimmt Edmond seinen Platz ein. Die Wärter werfen den Leichensack ins Wasser. Die Schiffscrew der Piratenführerin Luisa Vampa (Femke Soetenga) rettet Edmond. Der Matrose Jacopo (Hakan T. Aslan) wird sein treuer Freund. Schließlich findet er auch den Schatz auf der Insel Monte Christo, von dem ihm Faria noch berichten konnte. Er hat jetzt alle finanziellen Möglichkeiten, sich in die Schicht der oberen Zehntausend einzuschleichen und Rache zu nehmen. Als erstes gewinnt er das Vertrauen vom Sohn von Mercédès und Fernand, Albert (Thomas Hohler), indem er ihn entführen lässt und sich selbst als sein Retter aufspielt. Sein Rachezug kann beginnen.
Nur der Hauptfaden des Romans
Aus dem Roman wurde nur der Hauptfaden zurückbehalten, um das Musical auf eine Laufzeit von rund zweieinhalb Stunden zu begrenzen. Auf der Liebesgeschichte zwischen Edmond und Mercédès liegt demnach das Hauptinteresse des Musicals, und die Liebesduette „Ein Leben lang“ und „Niemals allein“ sind die Songs, die am besten ins Ohr gehen. Auf der großen Bühne in der Tecklenburg bekommt diese Romanze erst mit dem Einsetzen der Nacht und der dezenten Beleuchtung ihr gefühlvolles Umfeld. Der Rachefeldzug von Edmond wurde ebenfalls auf ein striktes Minimum reduziert, was aber den Ansprüchen des Gesamtkonzepts genügt.
Die flotten Kostüme von Karin Alberti passen in die Epoche der 1815 beginnenden Geschichte. Bühnenbildnerin Suzanna Buller verwandelt das Gebäude im Bühnenhintergrund in verschiedene Orte des Geschehens, wie das Schiff von Luisa oder die Büros der Intriganten. Die seitliche Drehbühne stellt das Château d’If dar.
Nur die feinsten Stimmen
Marc Clear überzeugt seit Jahren in Tecklenburg. Seine musikalischen Höhepunkte sind die stimmungsvollen „Hölle auf Erden“, „Der Mann, der ich einst war“ und „Jeder Tag ein kleiner Tod“. Anna Thorén kann ebenfalls stimmliche Akzente setzen, wie Carsten Lepper, der wie Thorén zur ersten Garde der deutschen Musicaldarsteller zählt. Mit ihrer klaren Stimme und dem Lied „Schöner Schein“ kann Karoline Goebel als Valentine de Villefort, die Freundin von Albert, das Interesse der Zuschauer wecken. Femke Soetenga ist erotisch angehauchte Piratenführerin und singt mit „Piraten - Wahrheit oder Wagnis“ ein schwungvolles Lied. Sie kann man in Tecklenburg noch als Uschi in „Der Schuh des Manitu“ sehen. Auch Reinhard Brussmann spielt in der Winnetou-Parodie. Problemlos meistert er im Wildhorn-Musical seine Doppelrolle als fieser Villefort und gut gelaunter Faria mit langen grauen Haaren und Bart. Diese erstklassige Schauspielergarde sorgt dafür, dass das Musical den Weg nach Tecklenburg wert ist.
Alle Informationen zu den Festspielen in Tecklenburg findet man auf der Internetseite www.buehne-tecklenburg.de.


