LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Premier Bettel will Parlamentsdebatte zum Artuso-Bericht

Dass in Bezug auf die Deportation der Juden auch in Luxemburg "nicht alle Helden" gewesen sind, das hatte Staatsminister Xavier Bettel bereits Ende Januar beim Pressebriefing im Anschluss an den Regierungsrat unmissverständlich deutlich gemacht; im Rahmen der gestrigen Präsentation des mit viel Spannung erwarteten Berichts eines Forscherteams der Uni Luxemburg um Vincent Artuso über die Rolle der Verwaltungskommission während der Nazi-Besatzung Luxemburgs konnte der Staatsminister seine Aussage nur bestätigen.

Es gehe hier nicht darum, jetzt "mit dem Finger auf den ein oder anderen zu zeigen", sondern um eine restlose Aufklärung dieses dunklen Kapitels der luxemburgischen Geschichte. Es könne nicht sein, dass 70 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs in dieser Frage immer noch unter einer Amnesie leiden würden. "De Flou muss fort", lautete dann auch die Bettel'sche Schlussfolgerung, dies natürlich in Anspielung auf eine Aussage seines Amtsvorgängers, der im Januar 2013 eine Entschuldigung der Regierung vorerst ausgeschlossen hatte ("Il subsiste en effet un certain flou concernant les événements de l'époque et notamment le rôle de la Commission administrative en général et en rapport avec la déportation de la population juive en particulier"), um dann erst einmal den jetzt vorgestellten Bericht in Auftrag zu geben.

Ob sich die luxemburgische Regierung offiziell entschuldigen wird, ist indes noch nicht gewusst; die Regierung werde aber ihre Verantwortung übernehmen, sollte dies nötig sein, wie der Staatsminister in diesem Zusammenhang unterstrich, der nun erst einmal die Meinung der Abgeordnetenkammer erfahren will, und zwar im Rahmen einer Konsultierungsdebatte. Direkt in der nächsten öffentlichen Kammersitzung (die für den 24. Februar vorgesehen ist) will er den Bericht im Parlament einbringen. Erst nach der Konsultierungsdebatte  wolle sich die Regierung dann eine endgültige Meinung bilden, aber die Arbeiten zu dieser ganzen Thematik seien sowieso noch nicht abgeschlossen. Tabus dürfe es hier nicht geben; der Artuso-Bericht bringe jedenfalls „Licht in die dunklen Ecken“.