LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Live-Musik zu „Le sang d’un poète“ von Jean Cocteau

Die Cinémathèque der Stadt Luxemburg organisiert am morgigen Freitag im Rahmen der Ausstellung „Jean Cocteau - un génie éclectique“, die anlässlich des 50. Todestages des vielseitigen Künstlers eingerichtet wurde, eine Spezialveranstaltung mit Steven Severin, einem Gründungsmitglied der legendären britischen Band Siouxsie and the Banshees.

Auf dem Programm steht um 20.30 der avantgardistische Stummfilm „Le sang d’un poète“ aus dem Jahre 1930, mit einer Spieldauer von knapp 52 Minuten. Cocteau hat diesen experimentellen Film selber als eine Reise in sich selber beschrieben, „eine Art den Mechanismus des Träumens anzuwenden, ohne zu schlafen.“

Steven Severin ist ein wichtiger Vertreter der alternativen Rockmusik und einer der wenigen überlebenden, noch aktiven Musiker der Londoner Punk-Szene und wird eine eigens für den Film geschriebene Komposition aufführen. Steven Severin schreibt seit der Auflösung von Siouxsie and the Banshees im Jahre 1996 Musik fürs Fernsehen und für Kinofilme. „Le sang d’un poète“ ist nach der Vertonung von Carl Theodor Dreyers „Vampyr“ das zweite Projekt in seiner Reihe „Music for Silents“.

Wie hast du dich von einem Bandmusiker zu einem Soundtrack-Komponisten entwickelt?

Steven Severin Ich wollte schon immer irgendetwas im Bereich ‚Film‘ tun. Ich liebe das Kino genau so sehr, wie die Musik und die siebente Kunst hat mein Songwriting schon immer beeinflusst. Es war eine natürliche Weiterentwicklung nachdem die Band sich aufgelöst hatte.

„Le sang d’un poète“ ist nicht der erste Film, für den du einen Soundtrack schreibst. Wie bist du an den Stoff herangegangen?

Severin Die Musik für einen Stummfilm zu liefern ist sehr unterschiedlich von der Arbeit an einem kommerziellen Projekt. Einerseits gibt es keinen Fristablauftermin und somit kann man sich Zeit nehmen und sehen, was am besten funktioniert.

Wenn ich meine Einsätze zusammensetze, erfinde ich auch eine Soundpalette und wenn ich mich dem nächsten Einsatz annähere, benutze ich, was ich schon benutzt habe, bis es offensichtlich ist, dass ich die Palette mit einem anderen Element ausbauen muss. Ich versuche die Musik so unbestimmt wie möglich zu schreiben, dass sie den Bildern untergeordnet bleibt.

Deswegen bleibe ich bei einer Live-Präsentation ganz im Dunkeln. Es geht nämlich nicht um mich und meine Musik. Es geht um eine filmische Erfahrung.

Gab es irgendwelche Szenen oder Sequenzen, die für Kopfzerbrechen gesorgt haben und bei denen es länger gedauert hat, die passende Musik zu schreiben?

Severin Es gibt immer eine oder zwei Szenen, die sich etwas komplizierter gestalten, also überspringe ich sie, bis der Großteil des Films vertont ist. Je mehr du fertigstellst, desto weniger problematisch wird es für diese Problemszenen, bis du letztendlich weißt, was zu tun ist.

Wie und mit welchen Instrumenten wirst du den Film von Jean Cocteau untermalen?

Severin Es ist eine Mischung aus reellen und erfundenen Instrumenten, die alle aus meinem Laptop stammen. Der Improvisationsteil kommt beim Mix und der hängt wiederum davon ab, wie ich mich fühle und wie der Raum, in dem ich mich befinde, reagiert. Selbstverständlich bleibe ich nach dem Film im Saal, um mich ein wenig mit dem Publikum zu unterhalten.

Nach deiner Anwesenheit als Juror beim Cinenygma Filmfestival im Jahre 2006 verschlägt es dich nun erneut nach Luxemburg. Wie hast du das Festival damals erlebt und wie bereitest du dich auf den morgigen Auftritt vor?

Severin Damals hatte ich die Ehre mit dem spanischen Regisseur, Drehbuchautor, Filmemacher und Schauspieler Jess Franco in der Jury zu sitzen. Meinen Soundtrack live zu präsentieren ist etwas völlig anderes, aber ich freue mich darauf, meine alten Cinenygma-Freunde wieder zu sehen.

Ich habe keine Ahnung, welche Leute im Publikum sitzen werden. Meistens ist es ein Mix aus Filmfreaks und Fans meiner früheren Inkarnationen. Ich mag diese Kombination, sie macht das Ganze interessant.