LUXEMBURG
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Verwaltungen und Frauenrat updaten Infomaterial zur Ergänzung von Versicherungslaufbahnen

Wie man sich die bestmögliche Rente im Alter sichert, darüber sollte sich jeder Gedanken machen. Auch in jungen Jahren, wenn die Prioritäten vielleicht anders gelagert sind. Denn Entscheidungen heute beeinflussen die finanzielle Lage morgen. Und natürlich können sich die Lebensumstände auch mitunter schlagartig ändern: Jobverlust, Krankheit, Scheidung... „Verlieren Sie keine Zeit! - Ergänzen sie jetzt ihre Rentenversicherungslaufbahn!“ prangt in diesem Sinne auf einer neuen Informationsbroschüre, die das Ministerium für soziale Sicherheit, die Pensionskasse, das „Centre Commun de la Sécurité Sociale“ und der nationale Frauenrat CNFL gemeinsam erstellt haben.

„Eine Aktualisierung drängte sich auf, die alte Broschüre stammte noch aus der Zeit als Mars Di Bartolomeo Sozialversicherungsminister war. Die Gesetzeslage hat sich geändert“, sagte der amtierende Ressortinhaber Romain Schneider (LSAP) gestern bei einer Pressekonferenz.

In dem dünnen Faltblatt werden kurz die fünf Möglichkeiten beschrieben, die sich anbieten. Zunächst die freiwillige Weiterversicherung in der Rentenkasse oder die fakultative Rentenversicherung, wenn sich jemand entscheidet, seine Berufstätigkeit einzustellen oder zu reduzieren. Wer in der Vergangenheit seine Berufstätigkeit aus familiären Gründen reduziert oder eingestellt hat, kann fehlende Rentenversicherungszeiten nachkaufen, damit diese als Versicherungs- und Anwartschaftszeiten berücksichtigt werden, die für den Bezug einer Alterspension mit 65 Jahren oder einer vorzeitigen Alterspension mit 60 Jahren erforderlich sind. Versicherte, die vor 1991 eine Auszahlung der Beiträge erhalten haben, können diese durch Rückerstattung „wiederaufleben lassen“, wie es in der Broschüre heißt.

Scheidungsrechtsreform bringt neue Möglichkeit

Eine neue Möglichkeit für den Nachkauf von Rentenversicherungszeiten führte das Scheidungsgesetz vom 1. November 2018 ein. Es kommt Ehepartnern unter 65 Jahren zugute, die ihre Berufstätigkeit im Laufe der Ehe reduziert oder eingestellt haben. Bei der Scheidung nach dem Zerrüttungsprinzip ist es so, dass die Höhe des für den Nachkauf zu zahlenden Betrags sich nach dem Referenzbetrag richtet, der sich aus der Differenz zwischen den jeweiligen Einkommen der Ehepartner während der Zeit der Reduzierung oder Einstellung der Berufstätigkeit ergibt. Es ist das Gericht, bei dem diese Berechnung beantragt wird, das das Einkommen und den Zeitraum bestimmt, die der Berechnung zugrunde gelegt wird. Rund 800 Scheidungen gibt es jedes Jahr in Luxemburg, davon sind ein Drittel keine gütlichen Trennungen.

Laut Fernand Lepage, dem Präsidenten der nationalen Pensionskasse, wurde die CNAP bislang erst in 16 Fällen mit einer solchen Berechnung befasst und gibt es erst ein Urteil zum Nachkauf von Rentenversicherungsrechten nach einer Scheidung. Er geht davon aus, dass sich diese Zahl in Zukunft steigern wird, wenn die Scheidungsverfahren nach dem neuen Gesetz bis abgeschlossen sind.