LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Religionsunterricht: Laut Kirche große Mehrheit für Wahlfreiheit

A l’avenir, l’école devrait-elle à votre avis, continuer à proposer et à laisser une liberté de choix aux parents et leurs enfants entre 2 cours spécifiques, à savoir d’un côté la morale laïque (enseignement moral et social) et de l’autre l’enseignement religieux?“ So lautete eine der Fragen einer im Auftrag der katholischen Kirche vom Meinungsforschungsinstitut TNS Ilres zwischen dem 21. und dem 27. November bei insgesamt 1.078 Einwohnern durchgeführten Umfrage zum Religionsunterricht und zum Verhältnis zwischen Kirchen und Staat, auf die 72 Prozent mit Ja anworteten.

Vereinigung der Ethiklehrer reagiert

Generalvikar Erny Gillen und Jean-Louis Zeien, Koordinator für den Religionsunterricht, bewerten dies als große Zustimmung, den Religionsunterricht nicht anzutasten. Wäre diese Frage nur leicht anders gestellt worden, zum Beispiel ob der Befragte für die Einführung eines neutralen Werteunterrichts sei, dann wäre das Ergebnis aber wohl mit ziemlicher Sicherheit anders ausgefallen, wovon sich auch die Vereinigung der Ethiklehrer (Association luxembourgeoise des professeurs d’Ethique, ALPE) gestern Abend in einer Mitteilung überzeugt zeigte.

So hätte sich diese gewünscht, dass die Frage wie folgt gestellt worden wäre: „Êtes-vous en faveur d’un cours d‘Ethique ou de Phlisophie pratique pour tous les élèves (indépendamment de leurs convictions en matière de religions) qui - éclairant sur toutes les religions et positions philosophiques de façon neutre et objective et encourageant l’échange interculturel et interreligieux - prépare les jeunes à une vie de citoyen responsable et contribue à la cohésion sociale?“

Kirche bleibt gesprächs- und dialogbereit

Was nun die Koalitionsverhandlungen und das Koalitionsabkommen anbelangt, so zeigte sich Erny Gillen gestern regelrecht „schockiert“, wie hier „mit der Kirche, den Eltern und den Kindern“ umgegangen werde, nämlich dass diese vor vollendete Tatsachen gestellt würden, so dass er sich ernsthaft frage, ob mit anderen Religionen auch so umgegangen worden sei. Die Kirche aber bestimmt keinen neuen Kulturkampf anfangen und bleibe auch in Zukunft gesprächs- und dialogbereit. Jetzt hoffe sie, dass die neue Regierung diese Dialogbereitschaft respektiere und mit der Kirche spreche. Die religiösen Gefühle und Meinungen vieler in Luxemburg lebender Menschen würden nämlich denselben Respekt verdienen wie die Gefühle nicht-religiöser Menschen...