COLETTE MART

Hier und jetzt, wo die amerikanischen Präsidentschaftswahlen ganz anders ausgingen, als es die Medien prophezeiten, gilt es, sich die richtigen Fragen zu stellen zu dem, was mit dieser Wahl in der Welt passierte, und dies ist noch keineswegs eine Prognose, was mit dieser Welt passieren wird.

Jedenfalls gilt es zu verstehen, wie es zu dieser Wahl kommen konnte, und wie lange Amerika schon unterschwellig so ernsthaft gespalten war, wie es eben jetzt zum Vorschein gekommen ist. Donald Trump wird nachgesagt, dass er von jenen an die Macht gebracht wurde, die sich nicht zum Establishment zählen, die sich innerhalb sozialer und wirtschaftlicher Entwicklungen allein gelassen fühlen, die nicht zu den Klüngeln der Macht gehören, und eben diesen Klüngeln, die Hillary Clinton für sie symbolisierte, etwas entgegensetzen wollten.

Tatsache ist, dass angesichts der Globalisierung, der Förderung des weltweiten Handels und angepasster Lebensstile überall in der Welt sich doch der Graben zwischen arm und reich in vielen Ländern vertieft, und dass in diesem System viele nicht mithalten, und manchmal ihrer Chancen beraubt werden, zum Beispiel durch Delokalisierungen von Firmen. Dass eine globalisierte Wirtschaft auf diese Delokalisierungen oft Antworten bringt, und dass sich dank internationaler Handelsbeziehungen doch wieder neue Möglichkeiten für viele Regionen der Welt ergeben, löst nicht unbedingt die Probleme jener, die plötzlich ihre Arbeit und ihren sozialen Status verlieren, und nicht unbedingt auf Anhieb wieder auf ihre Füße fallen. Genau diesen Wählerkategorien hat Trump Hoffnung gegeben, in dem er sich für mehr Protektionismus in der amerikanischen Wirtschaft stark machte, wobei er sicherlich die Konsequenzen solcher Maßnahmen nicht wirklich errechnet hat.

Darum ging es ja auch während der Wahlkampagne nicht, sondern eher um Slogans, die den Nerv vieler Menschen trafen, und die beweisen, dass man tatsächlich mit Schlagwörtern, sogar wenn sie rassistisch und frauenfeindlich sind, Präsident von Amerika werden kann, dem Land, das immerhin einen Abraham Lincoln aufzuweisen hat, der die Gleichheit aller Rassen in der amerikanischen Verfassung verankerte, und einem Land, das auch den Feminismus in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts mit in die Welt setzte.

Dass Amerika seit jeher fortschrittliche Kräfte zählte, die die Welt weiterbrachten, und reaktionäre, die für innen- und außenpolitisches Unheil verantwortlich sind, ist bekannt.

Es bleibt jetzt nur zu hoffen, dass die demokratischen Institutionen Amerikas fest genug im Sattel sind, um Donald Trump in der politischen Realität ankommen zu lassen, und dass seine republikanischen Kollegen in allen Gremien der Macht ihn sinnvoll beraten, und in seine Schranken verweisen werden.

Genauso liegt die Hoffnung für Demokratie und Fortschritt bei einer Opposition, die wachsam sein muss, sich mobilisieren muss, und auf Machtmissbräuche, sowie gefährliche Entwicklungen in der Gesellschaft unbedingt reagieren muss.