SANDWEILER
MARCO MENG

Cargolux steigert Gewinn - Einmalige Aufwendungen lassen aber nicht viel übrig

Auf gutem Weg, aber nicht über den Berg, so könnte man das Ergebnis von Cargolux zusammenfassen, das die luxemburgische Luftfrachtgesellschaft gestern auf ihrer Jahrespressekonferenz in Sandweiler bekannt gab. „Wir sind glücklich, bessere Nachrichten als letztes Jahr mitzuteilen“, mit diesen Worten begann Cargolux-Geschäftsführer Dirk Reich denn auch die Präsentation des letztjährigen Resultats.

Zwar ging es bei der Luftfrachtgesellschaft in vielen Bereichen deutlich aufwärts - der Umsatz stieg um 9,8 Prozent auf 2,15 Milliarden Dollar, der Gewinn um 155 Prozent - wenn da nicht die Kartellrechtsverstöße der Vergangenheit sowie andere Einmalbelastungen wie Abschreibungen auf die Boeing-Flotte das Ergebnis auf 2,9 Millionen Dollar zusammenschrumpfen ließen. Im Jahr davon waren es 7,6 Millionen Dollar Gewinn gewesen.

Das operative Ergebnis mit 19,4 Millionen Überschuss zeige aber, dass sich Cargolux in die richtige Richtung bewege, sagte Reich, zumal 2013 hier noch ein Minus von 32,7 Millionen stand. Allerdings waren für die Erwirtschaftung der 19,4 Millionen Überschuss ganze 2,4 Milliarden an Kapital nötig, gibt Cargolux-Finanzchef Richard Forson zu bedenken.

Dass die Zeichen Anlass zu Hoffnung geben, sieht Forson allerdings auch, der darauf hinweist, dass Cargolux letztes Jahr 828.000 Tonnen, zehn Prozent mehr als im Jahr davor, beförderte. Es müsse nun sichergestellt werden, dass dieser positive Trend eine nachhaltige Entwicklung sei. Die Profitabilität hat sich zumindest gegenüber dem Vorjahr gesteigert: Blieben damals noch 0,3 Prozent der Einnahmen als Gewinn, so waren es letztes Jahr 4,7 Prozent. Die bessere Performance sei auch auf eine bessere Nutzung der Flugzeuge zurückzuführen, so Forson weiter. Auf der einen Seite sei positiv zu sehen, dass die Luftfracht-Nachfrage letztes Jahr um 4,8 Prozent gegenüber 2013 gestiegen sei, auf der anderen Seite hätten sich die neuen Anbieter aus dem Mittleren Osten stark etabliert und dürften bald sogar 30 Prozent Marktanteil haben. Demnach hat Qatar Airways in den ersten Monaten des laufenden Jahres schon Cargolux vom siebten auf den achten Platz bei den transportierten Tonnen pro Kilometer verbannt, was zeige, wie hart der Wettbewerb sei.

Die letzten drei Monate waren bei Lieferungen, transportierten Tonnen und auch bei Profit ein absoluter Rekord. Der war aber auch durch die extrem niedrigen Kerosinkosten mitbedingt. Hier gab Forson zu bedenken, dass man die Treibstoffkosten als größten Kostenblock nicht beeinflussen könne. Den zweitgrößten Kostenblock, die Personalkosten, hingegen schon. Es sei aber mitnichten so, dass das Management nur die Personalkosten im Blick hätte: „Wir versuchen, in allen Bereichen die Profitabilität zu steigern und die Kosten zu minimieren“, so Forson. In den nächsten zehn Jahren müsse man etwa 400 Millionen Dollar für fällige Verpflichtungen aufwenden; die müsse man aus eigener Kraft, aus eigenem erwirtschafteten Profit leisten können, was Cargolux-Präsident Paul Helminger unterstrich. Denn eine weitere Kapitalerhöhung sei den Aktionären nicht zuzumuten und könne der Staat aus Wettbewerbsrechtsgründen nicht leisten. Die Schuldentilgung hat 2014 gegenüber dem Vorjahr um 14,5 Prozent zugenommen. Forson bekräftigte: Die Gesellschaft müsse Änderungen vornehmen, wolle sie langfristig überleben. Und Helminger wies darauf hin, dass nicht jedes Wachstum in Luxemburg stattfinden könne.

Wie das Ziel erreicht werden soll, sieht Reich so: Cargolux müsse innovativ sein, müsse neue Routen fliegen und neue Märkte erschließen, wie die Gesellschaft es jetzt mit Flügen von China in die USA tun wolle, sowie neue Partner finden. Als einziger europäischer Luftfrachtcarrier mit einem globalen Netzwerk werde man nächste Woche auch neue Produkte, die Cargolux anbieten will, vorstellen.

Laut Helminger funktioniert die Arbeit mit dem neuen chinesischen Anteilseigner, der seit letztem Jahr 35 Prozent an der Airline hält, gut, ja besser als erwartet, ebenso wie die Gespräche in China mit den örtlichen Behörden freundschaftlich verliefen.

Dennoch befinde man sich beim Aufbau des geplanten Joint-Ventures mit eigener chinesischer Fluglinie erst ganz am Anfang und sei derzeit noch auf der Suche nach potenziellen Aktionären.

„Neue Einstiegsbedingungen nötig“

„Der einzige Kostenblock, den wir unglücklicherweise beeinflussen können, sind die Personalkosten“, bestätigt Reich. Der Cargolux-Chef weiter: Man wolle keine Einschnitte beim Personal, sondern andere Einstiegsbedingungen für neue Mitarbeiter, ob am Boden oder in der Luft. Habe man vorher mit einer zweiten Gehaltsskala eine „Zwei-Klassen“-Tabelle im Blick gehabt, so sei man davon abgerückt: Lediglich andere Anfangsbedingungen sollen es nun sein.

Am Montag wollen sich Personalvertreter und Direktion wieder zusammensetzen, um über den neuen Kollektivvertrag zu verhandeln. Die jüngst bekannt gewordene Entlassung von vier Piloten habe nichts mit dem aktuellen Verhandlungen zum Kollektivvertrag zu tun, betonte Reich, und Cargolux verwahre sich vor dem Vorwurf, Druck auf Piloten ausüben zu wollen. Im Gegenteil, Sicherheit habe Priorität, weswegen man auch einen Psychologen zur Anstellung suche, der Ansprechpartner für das Personal sein werde.