LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Der Arzt Jean-Claude Leners aus Ettelbrück im Einsatz auf den Philippinen

Jean-Claude Leners hat seinen Urlaub dieses Jahr unter ziemlich speziellen Bedingungen verbracht. Sechs Wochen lang war der Arzt aus Ettelbrück für die Vereinigung „German Doctors“ im östlichen Mindoro unterwegs, um bei der Gesundheitsversorgung der lokalen Bevölkerung zu helfen.

10.700 Kilometer von zu Hause fuhr Leners auf der philippinischen Insel, die viermal so groß ist wie Luxemburg, mit seiner so genannten „Rolling Clinic“ von Dorf zu Dorf, und hielt Sprechstunden für die Mangyans ab, so heißt die Bevölkerungsgruppe auf der hügeligen Insel.

Gesundheitsinfrastruktur im Aufbau

„Die Leute werden im Vorfeld durch SMS und Aushänge informiert, dass wir kommen. Sie können dann einfach unverbindlich zu mir kommen“, erklärt Leners, der mit einem Team von zwei Krankenschwestern und einem Fahrer unterwegs war.

Eine der Krankenschwestern fungierte als Übersetzerin. „Es gibt nicht viele Allgemeinpraktiker, aber es gibt welche. Außerdem sind einige Kliniken vorhanden, aber die sind für die Bevölkerung nicht immer einfach zu erreichen“, beschreibt der Arzt die Gesundheitsinfrastruktur vor Ort. Die Patienten müssten manchmal viele Kilometer laufen, um einen Arzt aufzusuchen.

Aberglaube schlägt Medizin

Darüber hinaus befindet sich das allgemeine Sozialversicherungssystem auf den Philippinen erst im Aufbau. „Die Leute haben oft kein Geld, um Behandlungen zu bezahlen“, erklärt Jean-Claude Leners, der auch von einer anderen Schwierigkeit berichtet: die Kultur der Mangyans ist weitgehend animistisch geprägt. Viele haben mehr Vertrauen in die Heilkraft von heiligen Orten oder Schamanen, als in die Medizin. Für die Ärzte vor Ort gilt es also auch, Überzeugungsarbeit zu leisten, damit die Patienten sich behandeln lassen und die ihnen verschriebenen Medikamente auch einnehmen. Überzeugungsarbeit auch, damit sie bisweilen weite Wege auf sich nehmen, um sich in die nächste Klinik zu begeben, was oftmals notwendig ist, um Komplikationen richtig zu diagnostizieren und effizient zu bekämpfen. Besonders Geburten kommen bei den Mangyans nicht unter den besten Bedingungen zustande. Statt auf einer Entbindungsstation kommen viele Kinder in der heimischen Hütte zur Welt. Ein Risiko für Mutter und Kind.

Tuberkulose und Entzündungen

Dr. Leners erzählt, dass Tuberkulose auf Mindoro relativ häufig vorkommt. Ebenso Hautkrankheiten. „Sie können sich sicher vorstellen, dass sich eine unbehandelte Schnittwunde im Dschungel sehr schnell zu einer gefährlichen Entzündung entwickeln kann“, erklärt der Arzt. Die hygienischen Bedingungen in den Mangyan-Dörfern ließen sehr zu wünschen übrig. Das Klima begünstigt zudem verschiedene Krankheiten und Parasitenbefall. Die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch in dem Dschungelgebiet, das Leners bereits aus einer vorigen Mission ein wenig kannte: 2017 war er nämlich im Süden der Insel mit einer „Rolling Clinic“ unterwegs.

Zehn Tage am Stück

Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich der Arzt humanitär, führt in der Regel alle zwei Jahre eine Mission für Ärzteorganisationen durch. Seinen ersten Einsatz hatte er im indischen Kalkutta. Am häufigsten war er bislang in den Slums der bengalischen Hauptstadt Dhaka auf Mission. In den letzten zehn Jahren hat es ihn vorrangig auf die Philippinen gezogen. Die Einsätze beschreibt er als „intensiv“. Bei den „Rolling Clinics“, heißt es meist: zehn Tage Einsatz am Stück und danach drei Tage Erholung.

Faszinierende Kultur

Die hat er auch dafür genutzt, sich mit der Kultur der Mangyans vertraut zu machen, die eigentlich aus acht verschiedenen Stämmen zusammengesetzt sind, die auch verschiedene Traditionen und Sprachen haben.

„Es ist eine orale Kultur, mit vielen Geschichten in Gedichtform. Ein Niederländer, Antoon Postma, hat sein Leben damit verbracht, diese faszinierende Kultur zu dokumentieren“, erzählt Jean-Claude Leners. Ob er noch ein weiteres Mal nach Mindoro zurückkehren werde? „Das ist ziemlich sicher“, lacht der Arzt, der nun das Pensionsalter erreicht hat und in Luxemburg etwas kürzer treten will.